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Wissen über Hochwasserschutz gefragt

 Normalerweise harmlos: Am Rohreinlass (hinten) des Geischbachs können verheerende Überschwemmungen entstehen. TV-Foto: Friedhelm Knopp
Normalerweise harmlos: Am Rohreinlass (hinten) des Geischbachs können verheerende Überschwemmungen entstehen. TV-Foto: Friedhelm Knopp FOTO: Friedhelm Knopp (f.k.) ("TV-Upload Knopp"
Kenn. Die Verbandsgemeinde Schweich hat die Bewohner Kenns zur Beteiligung an einem örtlichen Hochwasserschutzkonzept aufgerufen. Kenn ist sowohl von der Mosel als auch durch zwei Bäche an der Bergseite bedroht. Friedhelm Knopp

Kenn Die Mosel stand 1993 zum letzten Mal tief im Kenner Vorland und in den dort ansässigen Gewerbebetrieben. Öfter für Furore sorgen der Kenner Bach und der Geischbach, die beide in der Ortslage verrohrt sind. Normalerweise sind das plätschernde Rinnsale - doch wehe, wenn sie nach einem Starkregen anschwellen. Zuletzt war das 2012 und 2015 der Fall, als sich die stark angeschwollenen Bäche mit Schlamm und Treibgut vor den Rohreinlässen stauten und ihren Weg rücksichtslos durch die Kenner Wohnstraßen, Gärten und Keller bahnten.
"Hochwasser sind nicht zu vermeiden, und Starkregenereignisse werden zunehmen. Darauf müssen sich die Bewohner in Kenn wie auch in anderen Orten einstellen", sagt der Hochwasserexperte Ralf Schernikau vom Mainzer Ministerium für Umwelt, Energie und Ernährung vor rund 60 Zuhörern in der Kenner Mehrzweckhalle. Es ist die Auftaktveranstaltung zu einer Bürgerbeteiligung mit dem Ziel, ein örtliches Hochwasserkonzept für Kenn aufzustellen. Eingeladen haben die Verbandsgemeinde (VG) Schweich und die Ortsgemeinde. Bürgermeisterin Christiane Horsch und Ortsbürgermeister Rainer Müller skizzieren die Grundgedanken: Hochwasserschutz gelte als gemeinsame Aufgabe der Kommunen und der Bevölkerung. Denn zuständig für den Schutz privaten Eigentums sei nicht die Gemeinde, sondern der Eigentümer selbst.
Das geplante Hochwasserschutzkonzept für Kenn wird von der VG in Zusammenarbeit mit der Ortsgemeinde erstellt. Federführend bei der fachlichen Begleitung ist das Planungsbüro Hömme GbR aus Pölich. Im Zentrum steht die aktive Beteiligung der Bevölkerung. Dabei können sich interessierte Kenner Bewohner mit ihren Hochwasser-Erfahrungen in zwei Workshops einbringen. In den Veranstaltungen werden ihnen auch Möglichkeiten und Pflichten zum Schutz ihres Privateigentums gezeigt. Das Land fördert das Projekt zu 90 Prozent, der kommunale Eigenanteil beträgt zehn Prozent.
Der Mainzer Experte Schernikau warnt vor Sorglosigkeit, denn "Stark regen nehmen zu und können überall auftreten". Nur könne niemand vorhersagen, wann, wo und wie viel. Im Gegenzug die Kanalisation immer weiter auszudehnen, stoße irgendwann an wirtschaftliche Grenzen, die kein Gebührenzahler mehr tragen könne. Schernikau: "Auch Rückhaltebecken und Gewässerrenaturierung geraten bei Extremereignissen an ihre Grenzen - einfache Lösungen gibt es nicht." Eine gewisse Vorsorge sei möglich durch entsprechende Bauleitplanung, Überprüfung der Strom- und Trinkwasserinfrastruktur, Gefahrenabwehr durch Feuerwehr oder THW, Abwehr von Geröll und Treibgut in Hanglagen. Der Experte rät zur privaten Vorsorge durch technische Maßnahmen an Gebäuden und durch Verhaltensregeln - etwa keine teuren Einbauten in hochwassergefährdete Kellerräume. Vor allem empfiehlt er den Abschluss einer Elementarschadensversicherung. Schernikau: "Nicht alle Gesellschaften bieten solche Verträge an. Auskunft dazu gibt die Verbraucherzentrale in Mainz."
Volker Thesen vom Büro Hömme erläutert den geplanten Ablauf der Bürgerbeteiligung mit zwei Workshops (siehe Info). Thesen: "Wichtig ist, dass Sie Ihre eigenen Erfahrungen einbringen. Wir sammeln alle Informationen, aber auch Ideen und Vorschläge." Das Ergebnis werde ein detailliertes Hochwasserschutzkonzept mit einer Auflistung aller Gefahrenpunkte im Ort sein, verbunden mit entsprechend abgestimmten Möglichkeiten der Gefahrenabwehr.
In der anschließenden Aussprache zeigten viele Besucher ihre speziellen Kenner Erfahrungen und wollten schon in die Details einsteigen. Aber das soll Thema der Workshops sein.
Extra: TERMINE FÜR WORKSHOPS


Wer an einem Workshop teilnehmen will, kann sich per Post anmelden beim Planungsbüro Hömme GbR, Römerstraße 1, 54340 Pölich. Per E-Mail an info@kenn.hochwasserschutz.de Termine: Workshop I für Gefahrenbereiche am Geischbach am 17. August, 19 Uhr. Workshop II: Bereiche Kenner Bach und Mosel am 31. August, 19 Uhr. Beide Veranstaltungen laufen im Rathaus Kenn, Bahnhofstraße 28.