Wissenschaftsrat tagt in Trier

Hochschulen : Tagung in Trier: „Wissenschaftler aller Länder, vereinigt euch“

Er sieht Karl Marx als Vorbild! Der Wissenschaftsrat, eines der wichtigsten Gremien für Wissenschaftspolitik in Deutschland, tagt in Trier, kurz vor der feierlichen Eröffnung des Karl-Marx-Jahres.

Die Neugierde und die Skepsis des Wissenschaftlers Karl Marx seien vorbildhaft, um einen Diskurs über Wissenschaft in Deutschland zu führen. Dieser Überzeugung ist der Vorsitzende der wissenschaftlichen Kommission des Wissenschaftsrates, Professor Peter Gumbsch, als er mit seiner Rede die Frühjahrstagung des Wissenschaftsrates in der bischöflichen Promotionsaula in Trier eröffnet.

Der Wissenschaftsrat berät die Bundesregierung und die Regierungen der Länder. Er unterbreitet ihnen Vorschläge, wie die Wissenschaft in Deutschland gefördert werden sollte. In seiner Eröffnungsrede erklärte Gumbsch, inwiefern das Beratungsgremium auch von Karl Marx lernen kann und erhofft sich in Trier für die Wissenschaft streitende Experten und eine möglichst lebhafte Tagung. Gumbsch ergriff die Gelegenheit in Anlehnung auf das in Trier bevorstehende Karl-Marx-Jubiläum eben diesen Wissenschaftler zu zitieren und den Auftrag der Wissenschaft für die Gesellschaft mit seinen Worten hervorzuheben:

„Die Wissenschaft soll kein egoistisches Vergnügen sein: diejenigen, welche so glücklich sind, sich wissenschaftlichen Zwecken widmen zu können, sollen auch die ersten sein, welche ihre Kenntnisse in den Dienst der Menschheit stellen.“

Zu Gast ist das zentrale Beratungsgremium für Wissenschaftspolitik gleichermaßen an der Universität Trier, der Hochschule Trier und der Theologischen Fakultät. Die ließen es sich nicht nehmen, sich auf dem Eröffnungsabend mit ihren aktuellen Forschungsprojekten dem Wissenschaftsrat zu präsentieren. In den Augen des Universitätspräsidenten Michael Jäckel ist die Wahl des Tagungsortes eine Auszeichnung für die Stadt: „Wenn das wichtigste Beratungsgremien des deutschen Hochschulwesens in Trier tagt, bedeutet das eine Anerkennung Triers als Hochschulstandort.“

Sowohl das Collegium Musicum als auch eine Forschergruppe der Universität Trier unterstützten die Grußworte der Hochschulrektoren und Gumbschs mit einer Live-Performance. In einem roten Kleid aus Samt tanzte eine Doktorin zu russischer Lyrik. Durch ihre sanften oder schnellen Bewegungen und Posen gab Angelika Lüdtke dem gesprochenen Wort Ausdruck. Die Kolleg-Forschergruppe „Lyrik in Transition“ beschäftigt sich mit dem Phänomen, dass Lyrik weltweit zunimmt und leitet daraus ab, welche Bedeutung Lyrik für unser Leben hat. Seit Herbst 2017 wird das Projekt mit 5 Millionen Euro von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert. Nicht nur finanziell, auch optisch macht das Forschungsprojekt der Universität Trier Eindruck.

Vorsitzende Gumbsch entließ mit einem Zwinkern und unter überraschten Seufzen des Publikums die Gäste mit dem von Marx adaptierten Satz in die Tagung: „Wissenschaftler aller Länder vereinigt euch!“

Am Donnerstagabend begrüßte Wissenschaftsminister Konrad Wolf begrüßt die Mitglieder des Wissenschaftsrats im Kurfürstlichen Palais.

„Dies ist eine spannende Woche für Rheinland-Pfalz. Erst gestern habe ich den Bericht einer Kommission ausgewiesener Experten entgegengenommen, der uns wichtige Hinweise zur weiteren Entwicklung unseres Hochschulsystems gibt. Diese Empfehlungen fließen ein in unser Hochschulzukunftsprogramm, durch das wir die Hochschulen in Forschung und Lehre und als Motoren für Innovationen in unseren Regionen stärken werden.“

Doktorandin Angelika Schmitt zeigt eine Live-Performance zur russischen Lyrik. Foto: Universität Trier

„Wir freuen uns, nach fünf Jahren turnusgemäß wieder einmal zu Gast zu sein in Rheinland-Pfalz“, so die Vorsitzende des Wissenschaftsrats, Martina Brockmeier. In Trier diskutiert der Wissenschaftsrat unter anderem über die Weiterentwicklung des Hochschulpaktes. Der Hochschulpakt läuft 2020 aus; über die künftige Hochschulfinanzierung muss bis Sommer 2019 entschieden werden. Ein weiteres interessantes Thema für Rheinland-Pfalz ist die Förderung von Forschungsbauten. Hierbei geht auch ein Vorhaben der TU Kaiserslautern ins Rennen um die Förderung von Bund und Ländern.

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