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Witziger Wettstreit der Worte

Witziger Wettstreit der Worte

In zwei Kategorien gibt es neue Könige im Trierer Poetry Slam. Junge Leute stellten sich im Mergener Hof mit ihren selbst verfassten Sprachkünsten dem Publikum und dem Wettbewerb. Am Ende gibt es eine knappe Entscheidung, wer den ersten Preis bekommen und Trier bei der Deutschen Meisterschaft in Dresden und Berlin vertreten wird´.

Trier. Der Keller im Mergener Hof ist gut besetzt, 80 Zuschauer freuen sich auf die acht Poeten, die ihre Texte teils auswendig, teils vorgelesen vortragen. Den Anfang macht die 19-jährige Erfurterin Nhi Le, die außer Konkurrenz antritt. Sie hatte am Nachmittag in der U-20-Kategorie die Jury überzeugt und ist nun Trägerin des Junior-Karl-Marx-Poesie-Preises.
Trierer scheidet aus


Kurz nach 21 Uhr eröffnet Peter Stablo vom Verein Kulturraum Trier in seiner gewohnt unaufgeregten Art die elfte Stadtmeisterschaft des regulären Poetry Slam der über 20-Jährigen. Die meisten der acht Teilnehmer haben witzige Texte im Gepäck, auch bei Jonas Konrad, der einen Tag die Rolle mit seinem Opa getauscht hatte, wird gelacht. Allerdings erreicht er bei der siebenköpfigen Publikumsjury nicht genügend Punkte, um ins Finale zu kommen. Auch der Text "Der Kampf" des einzigen Trierer Teilnehmers Manuel Thielen über die Grausamkeit der Massentierhaltung ("fressen und scheißen") schafft es nicht.
Ebenfalls um ernste Themen geht es bei der Berlinerin Marie-Theres Schwinn. Sie liest nichts ab, ausdrucksstark erzählt sie vom Trauma ihrer Kindheit und versucht, im Finale in ihrem zweiten Vortrag der Frage auf den Grund zu gehen, warum eine Terroristin mordet. Still wird es im Mergener Hof, das Publikum ist beeindruckt. Die Grenzen zwischen Poetry und Comedy Slam sind fließend.
Michael Königstein reimt auswendig, er ist ein philosophischer Poetry-Slammer im klassischen Sinne, während Jens Kutalla als cholerischer Sozialarbeiter die Zuschauer zum Lachen bringt, weil sein Psychologe bei ihm "Asipositas" diagnostiziert hat. Der Slammer mit dem Künstlernamen Zwergriese liegt in der Gunst des Publikums weit vorn, seine ebenfalls komplett auswendig vorgetragene Geschichte vom Lächeln einer krebskranken jungen Frau berührt und wird mit viel Applaus bedacht.
Entscheidung per Handzeichen


Am Ende sind jedoch nur noch Thomas Spitzer aus Regensburg, "Versager oder Vers-Sager", bei dem sich alles um die "Schamhaarspalterei" in der deutschen Sprache dreht, und sein Konkurrent Benedict Hegemann im Rennen. Der liest seine Lyrik schwindelerregend schnell ab und betont, dass kein LSD im Spiel war, obwohl seine Themensprünge es zeitweise glauben machen wollen.
Die Entscheidung soll per Applaus erfolgen, doch der ist bei beiden gleich, so dass Moderator Peter Stablo letztlich das Publikum aufzeigen lässt und die Arme zählt. Knapper Gewinner wird Benedict Hegemann, der nun als Kölner die Stadt Trier bei den Deutschen Meisterschaften in Dresden vertritt. Für seine Leistung in Trier nimmt er den Karl-Marx-Poesie-Preis und 250 Euro mit nach Hause.