Wo das Unglück zusammenläuft

Wo das Unglück zusammenläuft

TRIER. Ob's in Gerolstein brennt, auf einer Saarburger Kreuzung kracht oder in Bernkastel-Wittlich jemand vom Baum fällt: Alle Notrufe laufen bei der Integrierten Leitstelle in Trier ein. Dort haben 23 Kollegen insgesamt 5000 Quadratkilometer Fläche und eine halbe Million Menschen im Blick.

Ruhig, leise, konzentriert: Die Atmosphäre auf dieser Seite der Telefonleitungen passt so gar nicht zu der auf der anderen. Dort ist gerade ein Unfall passiert, ein Mensch kollabiert oder ein Brand entdeckt worden. Die Anrufer haben, oft in Panik, die 112 oder die 19222 gewählt - und sind damit in der RettungsLeitstelle in Trier gelandet. Rund 300 Notrufe täglich

Dass die bei der Berufsfeuerwehr am Pacelli-Ufer angesiedelte "Integrierte Leitstelle für den Rettungsdienst, Brand- und Katastrophenschutz", so der offizielle Name, unter zwei Nummern zu erreichen ist, hat einen guten Grund: Hier laufen seit dem Jahr 2000 die ehemals getrennten Leitungen der Feuerwehr und des Rettungsdienstes zusammen. Die Leitstelle hat neben der Stadt Trier die Kreise Trier-Saarburg, Bitburg-Prüm, Bernkastel-Wittlich und Daun im Blick. Bei der Fusion der Leitstellen erhielten die ehemaligen Rettungsdienstler eine Feuerwehrausbildung und umgekehrt. "Sie müssen ja wissen, bei welchem Problem man welches Auto rausschickt", erklärt Peter Basten, seit 25 Jahren bei der Berufsfeuerwehr und einer der Chefs der Leitstelle. Jede Sekunde zählt, bei Entscheidungen darf keine Zeit verloren gehen. Die zweite große Herausforderung: den Überblick behalten. Vier Bildschirme hat jeder Mitarbeiter vor sich. Darauf sieht er, welche der rund 100 Rettungswagen frei sind und welche unterwegs, welche Aufträge eingegangen und welche davon vergeben sind. Die Männer, die mit Kopfhörer und Mikrofon an fünf großen Tischen sitzen, arbeiten Hand in Hand: Einer nimmt Notrufe an, der für jeweils ein Gebiet zuständige Disponent sieht das auf dem Monitor und kümmert sich um die weitere Koordination: Fahrzeug auswählen, Mannschaft per Funk oder Ausruf alarmieren, während der Fahrt weitere Informationen durchgeben. An der Wand zeigt eine riesige Anzeige Uhrzeit, Datum, Temperatur und Wasserstände an - und welche Klinik-Stationen belegt sind. An diesem Tag zum Beispiel sind im Bitburger Krankenhaus keine Computer-Tomografien möglich. Darauf angewiesene Patienten werden also sofort in ein anderes Krankenhaus gebracht. Zeit ist Leben. Innerhalb von 15 Minuten muss der Rettungsdienst an jeder Stelle sein können, die Feuerwehr sogar in acht Minuten. Sirenen werden bei Bedarf in mehreren Orten gleichzeitig ausgelöst - per Mausklick. Neben 23 Rettungs- und elf Notarztwachen werden von hier aus 833 Freiwillige Feuerwehren und die Trierer Berufsfeuerwehr alarmiert, darüber hinaus Spezialisten wie das Technische Hilfswerk, Hundestaffeln oder Höhenrettungseinheiten. Etwa 300 Notrufe pro Tag gehen ein. An Werktagen sind es mehr als am Wochenende, vormittags und am frühen Nachmittag mehr als morgens und später am Tag. Und an schwül-heißen Sommertagen häufen sich die Notfälle ebenso wie bei Vollmond. Manchmal sei es schwierig, den Ernst der Lage einzuschätzen, erzählt Basten. Bei den schlimmsten Dingen blieben die Anrufer bisweilen seltsam ruhig, während sie hysterisch schrien, wenn sie sich in den Finger geschnitten hätten. Die speziell geschulten Mitarbeiter versuchen, am Telefon zu bleiben, Infos abzufragen, Erste-Hilfe-Anweisungen zu geben. Insgesamt 23 Leute arbeiten in der Leitstelle - im Drei-Schicht-System: Tagsüber sind fünf Disponenten im Dienst, nachts und am Wochenende drei. Bei besonderen Herausforderungen wie Hochwasserlagen oder zuletzt dem Bombenfund in Trier-West wird ein Stabsraum eingerichtet und die Freischicht einbestellt. Ein paar Handgriffe genügen, und fünf zusätzliche Plätze zur Notrufabfrage stehen zur Verfügung. Dann allerdings wird es wohl auch auf dieser Seite der Telefonleitungen ein bisschen hektisch. Die Berufsfeuerwehr Trier feiert Dreifachjubiläum: Die Einrichtung der Feuerwehr besteht seit 160 Jahren, der Rettungsdienst seit 100 und der Notarztdienst seit 30 Jahren. Aus diesem Anlass stellt der TV in einer Serie die wichtigsten Bereiche der Feuerwehr vor. Dazu zählt auch die Integrierte Leitstelle. Am kommenden Wochenende, vom 18. bis 20. August, findet im Trierer Messepark die große Feuerwehr-Geburtstagsmesse statt. Mit einem großen Unterhaltungs- und Infoprogramm präsentieren sich nicht nur die Feuerwehr, sondern auch die Krankenhäuser der Region.