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Wo die Angst der ständige Begleiter ist

Wo die Angst der ständige Begleiter ist

Es gibt Orte in Trier, da hält man sich nach Sonnenuntergang besser nicht mehr auf. Vor allem für Frauen, die allein unterwegs sind, gibt es Stellen, die nur mit Vorsicht zu genießen sind. Die Studentin Annika Busch-Geertsema beleuchtet die dunklen und gefährlichen Ecken in Trier in ihrer Diplomarbeit. Darin widmet sie sich den Angsträumen der Römerstadt.

Trier. Es ist Abend. Eine junge Frau muss auf ihrem Nachhauseweg durch eine dunkle Unterführung. Hinter ihr hört sie Schritte. Sie beschleunigt ihren Gang. Doch die schwarze Silhouette kommt näher. Es ist Gott sei Dank nur ein harmloser Spaziergänger mit Hund. Solche Situationen kommen täglich vor, und nicht immer enden sie so glimpflich.

"Im Palastgarten und am Mosel-Ufer sind zwei bekannte Angsträume", erklärt die 25-jährige Studentin Annika Busch-Geertsema, die sich in ihrer Diplomarbeit dem Thema "Angsträume" widmet. Es gibt einschlägig bekannte Stellen in Trier, an denen ist es im Dunkeln unheimlich. Das Risiko, dort angegriffen zu werden, sei real, meint Busch-Geertsema. Zwar hat die Polizei in Trier Orte beschrieben, an denen Verbrechen passieren. Eine Auflistung, Kategorisierung oder Kartierung solcher Angsträume existiert bis dato nicht. Die Studentin für Geografie und Psychologie an der Universität Trier hat sich das Ziel gesetzt, diese Lücke zu füllen. "Angsträume in Trier" lautet der kurze wie prägnante Titel ihrer Diplomarbeit.

Der Fall Tanja Gräff sei nur ein Grund gewesen, sich mit dem Thema zu beschäftigen. Während eines Praktikums bei der Gesellschaft für innovative Sozialforschung (Giss) in Bremen habe sich das Thema Angsträume mehr und mehr aufgedrängt, so Busch-Geertsema. 1000 Fragebögen hat die Studentin an Haushalte in ganz Trier verteilt. Den Rückversand für ihre Datenerhebung zahlt Annika Busch-Geertsema aus eigener Tasche. Mit den ausgewerteten Bögen lässt sich dann feststellen, wo sich in Trier Kriminal-Brennpunkte und Angsträume befinden.

Detailliert konnten die Befragten in den Fragebögen die Orte angeben und beschreiben, die ihnen mulmig oder riskant erscheinen. Oftmals sind das unscheinbare Plätze und Wege. Doch bei näherem Hinsehen entpuppen sich harmlos wirkende Spazierwege oder Parkanlagen als Angsträume. Da bäumen sich Büsche oder Mauern links und rechts des Wegs auf. Chancen zum Ausweichen gibt es keine, eine Beleuchtung fehlt, die Umgebung ist schlecht einzusehen.

Was soll die Studie zutage fördern? "Ich erhoffe mir, einen Überblick über die Angsträume in Trier zu bekommen, der auch repräsentativ ist", meint die Studentin. "Desweiteren wünsche ich mir, dass ich aus der Studie Handlungsmaßnamen und städtebauliche Empfehlungen herausarbeiten kann." Um Angsträume sicherer zu machen, gebe es schon einfache Möglichkeiten. "Eine Beleuchtung schafft schon rein psychologisch eine höhere Sicherheit. Denn ein Verbrechen unerkannt zu begehen, ist im Dunklen viel einfacher", sagt sie.

Rund 120 der 1000 Fragebögen hat sie zurückgesandt bekommen. Auf den ersten Blick deprimierend, aber: "Das ist gut", erklärt Annika Busch Geertsema, "mindestens 80 brauchte ich für die Umfrage." Über den Jahreswechsel soll das Ergebnis zur Angstraumstudie feststehen. Dann möchte sie ihre Erkenntnisse der Stadt Trier vorlegen und hofft auf Interesse.