Wo die Region begreifbar wird

Wo die Region begreifbar wird

Der Schutz der Natur steht im ältesten Naturschutzzentrum in Luxemburg im Mittelpunkt. Besonders auf Kinder und Jugendliche ist das Programm in A Wiewesch bei Mertert ausgerichtet.

Manternach. Die 2000-Einwohner-Gemeinde Manternach liegt im Herzen des Naturschutzgebietes Manternacher Fiels. Vor knapp acht Jahren beschloss die lokale Forstverwaltung, ein Naturschutzzentrum zu gründen. Für einen symbolischen Euro verkaufte die Gemeinde einen 130 Jahre alten Bauernhof an die Forstverwaltung.
In Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Naturschutz in Luxemburg wurde das Gebäude aufwendig saniert. Seit 2004 dient das unter dem Namen A Wiewesch betriebene Zentrum als Ausgangspunkt für Wanderungen in die umliegenden Naturreservate.
Jean Mathey ist seit 28 Jahren Förster in der Region. Er war maßgeblich an der Planung und Realisierung von A Wiewesch beteiligt. Heute leitet er die Einrichtung. Zusammen mit drei weiteren Naturschützern in A Wiewesch hat er bäuerliche Requisiten aus der Region zusammengetragen. Über die Jahre ist eine große Sammlung an Ackerwerkzeugen, Maschinen und Handwerkszeug in Manternach entstanden.
Das Erste, was beim Betreten des alten Bauernhofs auffällt, ist eine in der Scheune eingepflanzte Eiche. Ihre Äste erstrecken sich bis unter das Dach. Über eine Wendeltreppe, die sich um den Baum windet, gelangt der Besucher auf die erste Etage. Dort werden zahlreiche Tierpräparate, eine Pflanzensammlung und selbst gewebte Kleidung aufbewahrt. Besonders beeindruckend ist ein Bienenstock hinter Glas. Aus nächster Nähe können Besucher die Arbeiterinnen eines Bienenschwarms beim Füllen der Honigwaben beobachten.
Eines war Jean Mathey bei der Umsetzung des Naturschutzzentrums besonders wichtig: "A Wiewesch soll kein Museum im klassischen Sinne sein. Viele unserer Besucher sind Kinder und Jugendliche. Sie sollen die Ausstellungstücke auch anfassen dürfen."
Bewusstsein für Natur schaffen


Jedes Jahr kommen rund 4000 Schüler aus der Region nach Manternach. Zusammen mit den Naturschützern wird dann Fallobst gesammelt und in der eigenen Großküche zu Viez verarbeitet. Am Schluss darf jedes Kind eine Flasche mit nach Hause nehmen. "Die Natur kann dem Menschen vieles geben, ohne dass nachhaltig in unser Ökosystem eingegriffen werden muss. Viele Kinder haben ein falsches Bild von der Nahrungsmittelproduktion und vertreten die Meinung, dass der Saft im Supermarkt hergestellt wird. Dem wollen wir entgegenwirken", erklärt Mathey.
Aber auch für Erwachsene organisiert das Naturschutzzentrum regelmäßig Workshops. Besonders beliebt ist der Wildholz-Möbelbau. Mit Holz aus den umliegenden Wäldern bauen die Teilnehmer ihre eigenen Möbel. A Wiewesch hat sich außerdem der Förderung von lokalen Produkten verschrieben. In jedem Frühjahr findet ein Bauernmarkt statt. Die verbliebenen Bauern der Region kommen nach Manternach und werben für ihre Produkte. "All unser Engagement zielt auf die Schaffung eines Bewusstseins für die Natur ab. Wenn dadurch der sanfte Tourismus in der Region gefördert wird, ist das für alle gut", resümiert Mathey.Extra

Termine: Der Frühjahrsmarkt findet meist Anfang Mai statt. Dort gibt es unter anderem Naturprodukte, Handwerk und Kunst zu sehen und zu kaufen. Am 25. September treffen sich Oldtimer.Traktoren in Manternach. Das Naturschutzzentrum ist von montags bis freitags von 8 bis 12 Uhr und von 13 bis 17 Uhr, am Wochenende von 9 bis 12 Uhr und 12 bis 18 Uhr geöffnet. A Wiewesch ist eines von insgesamt vier Naturschutzzentren im Großherzogtum. Auch im Ellergronn nahe Esch, im Mirador in Steinfort sowie im Burfeld bei Insenborn können sich Interessierte über die lokalen Naturreservate informieren. Die Zahl der Zentren soll in den kommenden Jahren auf acht verdoppelt werden. Anfang 2012 soll als erstes das Zentrum Haff Reimech in Remerschen in Betrieb genommen werden.