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Wo Herrschaften nackt im Garten stehen

Wo Herrschaften nackt im Garten stehen

Neben Metz verbindet die englische Stadt Gloucester eine 50-jährige Partnerschaft mit Trier. Sie beruht hauptsächlich auf privaten Initiativen der Gloucester-Metz-Gesellschaft.

Trier. Wenn Rosemarie Berens über Gloucester berichtet, kann ihr Gegenüber sich kaum der Versuchung erwehren, selbst einmal die Stadt, das Tor zwischen Wales und dem Westen, zu erkunden. Da ist zum Beispiel die Rede von nackten Gärtnern ... aber dazu später. Seit 1993 gibt es die Gloucester-Metz-Gesellschaft, seitdem finden regelmäßige, gegenseitige Besuche statt. 30 bis 40 Mitglieder sind in der Gesellschaft, die in einem regelmäßigen Turnus ihre Partnerstädte bereisen. Inzwischen habe fast jeder eine feste Familie, in der man untergebracht wird, sagt Berens. Freundschaften seien entstanden, dennoch sei man nicht festgelegt.Empfang durch den Oberbürgermeister

Wenn dieses Jahr die Engländer - "Glouslinks" genannt - nach Trier kommen, werden sie neben dem Empfang durch den Oberbürgermeister, Ausflügen in die Umgebung, einer Tagesfahrt nach Heidelberg und Abschiedsparty auch die "obligatorische" Weinprobe erleben, sagt Berens - der Wein sei sehr beliebt bei ihren englischen Freunden. Das Programm hört sich geradezu brav an, wenn Berens von ihren Erlebnissen in Gloucester erzählt. Ausflüge dort in eine der schönsten englischen Landschaften, die gleichfalls römische Wurzeln hat, waldreich und reizvoll ist. Und wunderschöne Gärten hat. Der in einem Fall als touristische Attraktion gelegentlich von den Bewohnern eines halb verfallenenen Herrenhauses nackt, nur bekleidet mit Gummistiefeln, bearbeitet wird. Den Trierern blieb der Anblick versagt - aber die typisch britisch-skurrile Ausflugs-Idee, organisiert von den englischen Freunden, fand auch so Begeisterung.Dorfabend mit Gesang und Tanz

Britisches Leben kennenlernen: Ein Dorfabend, zu dem jeder sein eigenes Instrument mitbrachte, man gemeinsam tanzte und sang, eine Art Squaredance machte, locker mit Fremden ins Gespräch kam. Oder eine Bootsfahrt, bei der man mit unbekannten Briten plötzlich die gleiche Melodie sang - auf Englisch und Deutsch. Apropos Musik: Die Partnerschaft mit Gloucester ist durchaus ausbaufähig. Insbesondere über die Musik, mit Chören oder auf dem Schulsektor kann sich Berens eine weitere Belebung der Beziehungen vorstellen. "Allerdings ist die Gesellschaft mit dem Organisieren vom Schüleraustausch überfordert", sagt sie freimütig. Die Partnerschaft bestehe über die persönlichen Kontakte. Durch die jährlichen Wechsel der Bürgermeister in Gloucester sei ein kontinuierlicher Kontakt auf der Verwaltungsebene nicht ganz einfach. Dennoch: Wenn die Trierer wieder in Gloucester sind, werden sie auch dort vom Oberbürgermeister empfangen. Der trägt bei der Gelegenheit allerdings, so Berens, eine Amtsrobe aus dem 17. Jahrhundert, mit Zepter, Schwert und Krone. Am Freitag, 15. Juni steigt im Nells Park ab 18 Uhr das musikalisch-kulinarische Festival der Partnerstädte.