Wo Igel und Tausendfüßler sich gute Nacht sagen
Trier · Naturbelassene und nicht perfekt gesäuberte Gärten bieten vielen heimischen Tieren, vom Igel bis zum Insekt, einen Unterschlupf für den Winter. Experten des Naturschutzbunds Deutschland erklären, wie man entsprechende Nischen schafft.
Trier. "Viele Gartenbesitzer haben ein gewisses Aufräumbedürfnis", stellt Corinna Albert, Mitarbeiterin in der Trierer Regionalstelle des Naturschutzbunds Deutschland (Nabu), fest. "Sie meinen, der Garten sollte zum Winter hin ordentlich aussehen." Heimischen Tieren wie Igel, Kröten, Molche, Eidechsen und Insekten tun sie so allerdings keinen Gefallen: "Damit Tiere im Garten überwintern können, brauchen sie eine gewisse Unordnung: Nischen und Rückzugsräume."
Rasen nicht mehr mähen
Albert rät daher, den Rasen nicht mehr zu mähen, Zweige und Äste nicht zu schreddern, sondern eher in einer Ecke des Gartens anzuhäufen, ebenso Laub. Unter Sträuchern und Hecken belassenes Laub bietet vielen Tieren Nahrung und Lebensraum. Dort finden etwa Igel ihr Winterquartier, aber auch Käfer, Spinnen, Tausendfüßler und Asseln.
Beerenreste an Sträuchern und Fallobst auf der Wiese sind Nahrung für Vögel wie Rotkehlchen, Meisen, Amseln und Zaunkönig. Wildvögel finden kaum noch Futter, sobald es Frost oder Schnee gibt. Gleichzeitig verbrauchen sie viel Energie aufgrund der Kälte. Füttern kann man sie etwa mit Sonnenblumenkernen, Rosinen, Obst, Haferflocken, Kleie und Meisenknödeln. Salzige Nahrung und Brot sind ungeeignet.
Knappes Nahrungsangebot
Für Igel, die sich von Schnecken und Insekten ernähren, wird das Nahrungsangebot bereits ab Mitte Oktober knapper, wie der Nabu informiert. Ältere Tiere bauen ihr Winterquartier, während jüngere noch an Gewicht zulegen müssen. Unterschlupf finden sie in naturnahen Gärten: unter Hecken, in niedrigem Buschwerk und in Laub- und Reisighaufen. Daher sollten diese etwa vor dem Abbrennen vorsichtig umgesetzt werden.
"Auch Komposthaufen sind wichtig, beispielsweise für Kröten, Frösche, Molche und Ringelnattern", sagt Robert Seidenath. Der Gusterather ist Vorstandsmitglied des Nabu und dort seit rund drei Jahrzehnten aktiv. Weniger bekannte Gäste im Garten sind Gartenschläfer, Verwandte der Siebenschläfer: "Sie brauchen Hohlräume, ob in Bäumen oder in Nistkästen."
Nicht zuletzt sind Trockenmauern ein wichtiger Lebensraum für eine Vielzahl von Tieren: "In den Lücken zwischen den Steinen leben Molche, Eidechsen, Ringelnattern und Blindschleichen."