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Wo kommt die neue Brücke hin? Planer stellen in Schweich und Longuich die Vor- und Nachteile von vier Standorten vor

Wo kommt die neue Brücke hin? Planer stellen in Schweich und Longuich die Vor- und Nachteile von vier Standorten vor

Wieder hat es an der Schweicher Moselbrücke gekracht. Ein Schiff hat einen Brückenbogen gerammt. Krach ist auch programmiert, wenn der Landesbetrieb Mobilität demnächst in den Räten von Schweich und Longuich Pläne für eine neue Brücke präsentiert. Der favorisierte Standort an der Autobahnbrücke stößt auf Kritik.

Dass bei Schweich eine neue Moselbrücke gebaut werden muss, steht außer Frage. Die bestehende Brücke ist 66 Jahre alt und marode. Zudem ist sie ungeeignet für den Schiffsverkehr. Dutzende von Unfällen sind schon passiert (siehe Extra), zuletzt faltete der mittlere Brückenbogen den Aufbau eines Tankschiffs zusammen. Dass es nicht zu einer Explosion gekommen ist - das Schiff wird mit Gas betrieben, die Tanks sind unweit der Fahrerkabine montiert - sei einem glücklichen Umstand zu verdanken, sagt Peter Reiter von der Wasserschutzpolizei Trier.

Viel Zündstoff, um beim Bild zu bleiben, birgt auch der geplante Neubau der Schweicher Moselbrücke. Zur Erinnerung: Im Juli sollten der Stadtrat Schweich und der Gemeinderat Longuich in einer nichtöffentlichen Sitzung über die bisherigen Pläne des Landesbetriebs Mobilität (LBM) unterrichtet werden, was die Kreisverwaltung monierte. Die Öffentlichkeit dürfe nicht ausgeschlossen werden, mahnte die Aufsichtsbehörde. Die gemeinsame Sitzung fiel aus, der LBM informierte über den "Ersatzneubau Schweicher Moselbrücke" auf ihrer Homepage (TV vom 19. Juli).

Im Internet veröffentlicht wurde allerdings nur eine von insgesamt vier Standortvarianten: ein Neubau etwa 250 Meter moselabwärts Richtung Ortsteil Longuich-Kirsch, gleich neben der großen Autobahnbrücke. Nun will der LBM im zweiten Anlauf die Pläne präsentieren. Alle vier untersuchten Varianten sollen erläutert werden. Variante eins ist ein Brückenneubau an der gleichen Stelle wie heute. Variante zwei und drei betreffen Standorte in Höhe des Holzbetriebs Wick. Variante vier ist jene nahe der Autobahnbrücke, die die Straßenplaner vom LBM bevorzugen.

Am kommenden Montag, 24. Oktober, informiert der LBM im Stadtrat Schweich. Wegen der erwarteten großen Besucherresonanz findet die Sitzung im Bürgerzentrum statt (ab 18 Uhr). "Wir lassen uns überraschen, warum der LBM gerade dort das Nonplusultra für den Neubau sieht", sagt Schweichs Stadtbürgermeister Lars Rieger. Er und der Gewerbeverband Schweich kritisieren, dass bei der Vorzugsvariante viele Schweicher Geschäfte vom Verkehr abgeschnitten werden und die Stadt an Attraktivität verliert. Der kürzeste Weg ab Brücke in die Stadt führe nicht mehr über die Brückenstraße, sondern über die Mathenstraße und Alt-Schweich. Dieser Bereich werde zusätzlich belastet.

Auch Longuichs Ortsbürgermeisterin Kathrin Schlöder ist gegenüber der Vorzugsvariante skeptisch: "Der Ortsteil Kirsch bekommt noch mehr Lärm ab, als er ohnehin schon durch die Autobahn hat. Wir haben noch viel Gesprächsbedarf mit dem LBM." Die Präsentation der Straßenplaner im Gemeinderat Longuich ist am Mittwoch, 2. November, um 19 Uhr im Dorfgemeinschaftshaus. Der Rat habe sich bereits darauf verständigt, dass anwesenden Bürgern Rederecht erteilt werde, sagt Schlöder. In Schweich ist das nicht geplant. Allerdings hat der LBM angekündigt, dass es in beiden Orten noch Bürgerversammlungen geben soll. Bürger können darüber hinaus im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens Anregungen und Bedenken vorbringen. Hans-Michael Bartnick, stellvertretender LBM-Chef, hat zwar "auf der Grundlage des jetzigen Kenntnisstands" Verständnis für die kritischen Stimmen aus Schweich und Longuich. Es gebe aber auch gute Gründe für den Standort nahe der Autobahn. Laut Bartnick werden Vor- und Nachteile der vier Varianten vorgestellt, ebenso Verkehrsverlagerungen und der Lärmschutz.Extra Havarien (Auswahl)

 Weil die Rundpfeiler der Schweicher Moselbrücke relativ niedrig sind, hat es hier schon häufig Schiffsunfälle gegeben
Weil die Rundpfeiler der Schweicher Moselbrücke relativ niedrig sind, hat es hier schon häufig Schiffsunfälle gegeben Foto: Albert Follmann

April 1998: ein niederländisches Schubschiff stößt bei Nebel gegen einen Brückenpfeiler. Der Schubverband bricht auseinander.
Februar 2000: Ein niederländisches Motortankschiff kollidiert auf Talfahrt mit der Schweicher Brücke. Das Bauwerk muss mehrere Stunden gesperrt werden.
Dezember 2011: Ein Schweizer Tankschiff prallt gegen die Brücke. Sie wird zeitweise für den Schwerlastverkehr gesperrt. Die Höchstlast für die Brücke wird vorsichtshalber auf 16 Tonnen begrenzt.
Januar 2012: Ein belgischer Tanker prallt mit dem Ruderhaus gegen einen Brückenbogen. Ein an Deck stehendes Auto landet im Wasser, ein zweites Auto wird demoliert.
Mai 2016: Ein niederländischer Frachter rammt die Brücke. Stellenweise platzte der Beton ab. Die Schadensbehebung mittels Hängegerüst sorgte für Verkehrsengpässe.Oktober 2016: Wieder platzt der Stahlbeton am Brückenbogen: Die Aufbauten eines Tankschiffs werden auf 40 Meter Länge eingedrückt. Nach einer Überprüfung der Brücke gibt es Entwarnung: Keine Auswirkungen auf die Standsicherheit.