Wo Madonna Captain Future trifft

Wo Madonna Captain Future trifft

Fünf Musiker, 200 Zuhörer und jede Menge Spaß: "La Brass Banda" brachte bayerischen Reggae gepaart mit Punk und Disco, nach Trier — und das Publikum mit dieser Musik zum Tanzen.

Trier. (mek) Da sag noch einer, die Bayern wären nicht so wie die Rheinländer: Kaum hatte das Konzert der La Brass Banda, einer Musikspiel-Gruppe aus dem Chiemgau, im Chat Noir begonnen, standen die Oberbayern mitten im Publikum und motivierten zum Tanz - und ein Großteil der Zuhörer folgte willig, orgastisch zuckend, sich mutig bewegend.

Zum ersten Mal, nämlich beim regenverhangenen Altstadt-Fest 2008, waren die Fünf mit Trompeten, Tuba und Posaune in Trier — damals wollten vielleicht 20 Menschen die Musiker aus Bayern sehen. "Komisch, dass jetzt mehr hier sind", wunderte sich auch Manuel, ein Mitglied des urkomischen Quintetts, am Mittwochabend beim zweiten Gastspiel in Trier. Denn nun waren 200 Zuschauer, darunter zahlreiche Exil-Bayern, zur "Mords-Gaudi" mit "La Brass Banda" gekommen und freuten sich über den Heimatkunde-Unterricht und mehr.

Das teilweise sehr tanzwütige Publikum war schnell begeistert, auch dank lustiger Songs wie "Autobahn", dem Reggae-Hit "Da Dub" oder "Zehnerfuxa". Da mag die Fernseh-Werbung noch so oft zeigen, was Punk ist und was nicht: "La Brass Banda" gehören auf jeden Fall dazu - wobei ihre Stilrichtung irgendwo zwischen Reggae, Dub und Disco liegt. Auch wenn in Trier kaum jemand die Texte der vielen Songs verstand, was der Bayerische Rundfunk (BR) "Völkerverständigung" nennt, kamen diese gut an - kein Wunder, denn die Fünf überzeugten: War es mal bayrischer Techno im Rhythmus von Daft Punk, mal ein urkomisches Theaterstück oder gemeinsames Jodeln - "La Brass Banda" hatten die Gäste im Chat Noir schnell gefangen. Und gewannen sie nach der überflüssigen Pause schnell für sich zurück.

"Manuel, Stefan, Andreas, Olli und noch mal Manuel spielen zwar zu fünft nur in Brass-Band-Minimalbesetzung. An Bühnenpräsenz und Party-Ambitionen übertrumpfen sie aber so manches zehnköpfige Blasorchester", schrieb vor zwei Jahren der BR - geändert hat sich an dem Konzept wenig. Da paarte sich Gruppen-Yoga mit Hardcore-Reggae, oberbayerischer Dialekt mit Madonna und Snap mit Captain Future. Und alles passte, gelang und machte Spaß: eine "Mords-Gaudi", weit weg von Oktoberfest-Gedudel und Musikanten-Stadl.

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