Wo schon die alten Kelten siedelten

Wo schon die alten Kelten siedelten

900 Jahre Zewen hat der Stadtteil anno 1998 gefeiert. Doch dieses Jubiläum bezieht sich nur auf die erste urkundliche Erwähnung Zewens. Tatsächlich gab es bereits vor der Römerzeit eine keltische Siedlung im Mühlental.

Trier-Zewen. Was haben Zewen und die Cevennen gemeinsam? Viel mehr, als man gemeinhin glauben könnte. Der Name des Trierer Stadtteils und der südfranzösischen Gebirgsregion gehen auf die Kelten zurück. Beides heißt auf Gallisch Cebenna und bedeutet Bergrücken. Bereits Jahrhunderte vor der Gründung Triers (17 v. Chr.) siedelten keltische Gallier auf dem Gebiet Zewens, das sie Evena nannten. Römer und Franken folgten ihnen, wie Funde in Kant- und Kettenstraße sowie im Kirschengarten zeigen. Für das 5. Jahrhundert sind eine Kirche und ein Friedhof auf dem Heidenberg belegt. Dennoch feierten die Zewener 1998 bescheiden eine 900-Jahr-Feier, obwohl sie locker auf fast zweieinhalb Jahrtausende Siedlungskontinuität verweisen können.
Jubiläums-Aufhänger war die erste urkundliche Erwähnung: 1098 bestätigt Kaiser Heinrich IV. auf Bitten des Trierer Erzbischofs Egilbert die Besitzungen und Rechte des Simeonstifts, zu dem nebst 56 weiteren Ortschaften auch das damalige Cehuen, gesprochen Zewen, gehörte. Damals war Zewen wohl schon ein stattliches Dorf. Um 800 hatte Karl der Große dort Sachsen angesiedelt. Um 1300 erstreckte sich der Ort vom Mühlental bis in die obere Kirchenstraße um die Kirche, die auf der in der Kordelstraße noch sichtbaren Stützmauer stand. Als 1589 im Auftrag von Kurfürst Johann von Schöneberg das Trierer Gerichtsbild entstand, lag Zewen an der Grenze zwischen Kurtrier und Luxemburg und bekam besonders oft Kriegszüge und Fehden zwischen beiden Staaten zu spüren.
Dauer-Zoff mit Euren


Davon zeugt das Stadtteil-Wahrzeichen, der Zewener Turm. Historiker sind sich uneins, ob der einstige Grenz-, Wach- und Zollturm im 11. oder erst im 14. Jahrhundert errichtet wurde. Das ändert aber nichts daran, dass er das älteste noch in seiner Ursprungsform erlebbare Bauwerk Zewens ist. Dem 1238 erbauten Oberkircher Turm im Ortsteil an der Mosel ist seine Bauart nur noch mit viel Fantasie anzusehen.
Schon 1816 war der Vorort im Zuge einer Gebietsreform Stadtteil von Trier geworden - und 1852 wieder ausgemeindet. Mit weitreichenden Folgen: 1853 wurden das historisch zu Zewen gehörende Gebiet von Schloss Monaise und weite Teile des späteren Flugplatzgeländes Euren zugesprochen.
Der Stachel der Enttäuschung über die gefühlte Enteignung sitzt immer noch tief. Aber es kommt nicht mehr wie früher zu oftmals handgreiflichen Auseinandersetzungen zwischen Eurenern und Zewenern. Seit der zwangsweisen Eingemeindung 1969 sitzt der Lieblingsfeind des Zeweners im Trierer Rathaus. Dort also, wo seiner Meinung nach verwaltet und entschieden wird ohne Rücksicht auf Befindlichkeiten vor Ort.
Dabei haben sich Zewener in jüngerer Vergangenheit das Leben oft genug selbst schwer gemacht. In keinem anderen Stadtteil trug die Abspaltung der UBM (heute FWG) von der SPD vor rund 20 Jahren so seltsame Blüten wie in der vormaligen roten Hochburg Zewen.
Im Ortsbeirat setzte es oft wüste Beschimpfungen, mehrmals verließ die in die Opposition verbannte Rumpf-SPD die Sitzungen unter Protest oder drohte dem damaligen Ortsvorsteher Hermann Fries (CDU) mit juristischen Schritten.
Inzwischen ist wieder Ruhe eingekehrt. Die Zewener haben schließlich auch guten Grund, stolz auf ihre Geschichte zu sein. Zum Beispiel auf den 1929 begründeten Anbau von Erdbeeren, die in wirtschaftlich schwierigen Zeiten via Zug auch ins Ruhrgebiet und nach Berlin rollten.

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