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Wo soll die Moselüberquerung hin? Fronten bei Planern und Kommunalpolitikern verhärtet

Wo soll die Moselüberquerung hin? Fronten bei Planern und Kommunalpolitikern verhärtet

Wo soll eine neue Brücke bei Schweich idealerweise die Mosel überqueren? An dieser für Stadt und Umland so wichtigen Frage scheiden sich die Geister. Der TV hat sich die vom Stadtrat Schweich favorisierte Lösung (bestehender Standort) und die Empfehlung des Landesbetriebs Mobilität (neben der Autobahnbrücke) näher angesehen.

Schweich/Trier. Alleine schon die große Anzahl der Fahrzeuge, die täglich die Schweicher Moselbrücke und die Straßen ringsherum befahren, macht deutlich, wie wichtig diese Verbindung ist: 18 500 Fahrzeuge überqueren laut Landesbetrieb Mobilität (LBM) innerhalb eines Tages die Brücke, 15 000 sind auf dem Abschnitt von der Brücke in Richtung Kenn (L 145) unterwegs. Ebenso viele fahren durch die Brückenstraße stadtein- oder auswärts, etwa 10.000 Fahrzeuge kurven auf der B 53 zwischen der Moselbrücke und dem Stadtteil Issel.

Bis zum Jahr 2030, so prognostiziert der LBM, wird der Verkehr um fünf Prozent zugenommen haben. Die Region Schweich boomt, im Gegensatz zu anderen Teilen des Landes wird die Einwohnerzahl weiter zunehmen.
Und nun plant der Landesbetrieb den Bau einer neuen Brücke. Er hat sich zum Ziel gesetzt, den hochbelasteten Bereich, wie LBM-Chefin Edeltrud Bayer den Verkehrsknotenpunkt vor Schweich nennt, zu entschärfen und zukunftsgerecht auszubauen. Bei der Vorstellung der "Vorzugsvariante" im Stadtrat Schweich - der LBM möchte die Schweicher Brücke etwa 250 Meter flussabwärts neben der Autobahnbrücke neu bauen - mussten sich die Brückenplaner viel Kritik gefallen lassen. Taktlos und bürgerfremd sei die Präsentation gewesen, sagen Anwesende.

Der LBM habe von vorneherein nur "seinen" Favoriten in den Vordergrund gestellt und bei den anderen drei Varianten das Negative hervorgehoben. Als Benedikt Bauch vom LBM behauptete, in der Mathenstraße sei keine Verkehrssteigerung zu erwarten, gab es sogar schallendes Gelächter unter den etwa 100 Zuhörern im Bürgerzentrum. Wenn die Kraftfahrer künftig den Schlenker über die neue Brücke fahren (siehe Visualisierung) und dann aus Richtung Longen nach Schweich unterwegs sind, so die Befürchtung, nähmen sie den kürzesten Weg in die Stadt. Und der führe über die Mathenstraße und Alt-Schweich und nicht über den Kreisel am Beginn der Brückenstraße.

Szenario Brückenbau an gleicher Stelle: Die marode und für die Schifffahrt zu niedrige Moselbrücke soll an der gleichen Stelle wie jetzt neu errichtet werden. Dafür plädieren der Stadtrat Schweich und der örtliche Gewerbeverband. Die Achse Brücke-Innenstadt müsse beibehalten werden, andernfalls gebe es Umsatzeinbußen für die Schweicher Kaufleute. Auch aus ökologischen Gründen mache es wenig Sinn, wenn die Autofahrer auf dem Weg nach Trier Umwege fahren müssten. Täglich kämen so mehrere Tausend Zusatzkilometer zustande, sagte Stadtrat Johannes Heinz.
Während der Bauphase solle eine Behelfsbrücke die Erreichbarkeit von Schweich gewährleisten, meint der Stadtrat.

Eine Behelfsbrücke sei aus technischen und finanziellen Gründen nicht möglich, sagt Hans-Michael Bartnick, stellvertretender LBM-Leiter. Man erreiche keine Bogenbreiten, die Schiffen eine Durchfahrt ermöglichen. Wegen der Schifffahrt könne man dort auch keine konventionelle Stahlbetonbrücke errichten. Nötig sei eine aufwendige Stahlbogenbrücke wie beispielsweise in Grevenmacher. Im Übrigen müsse aus topographischen Gründen der Kreisverkehr auf der Longuicher Moselseite als Betonplatte hergestellt werden. Bartnick schätzt den Mehraufwand auf rund fünf Millionen Euro. Die vom LBM favorisierte Variante neben der Autobahnbrücke soll grob geschätzt 15 Millionen Euro kosten. Die Straßenplaner rechnen mit einer Bauzeit von zwei bis drei Jahren. Die Erreichbarkeit der Schul- und Einkaufsstadt sei dann stark eingeschränkt, der Verkehr verteile sich auf das Nadelöhr Ehranger Brücke und in den Ort Longuich. Das schaffe neue Probleme.

Szenario Brückenbau 250 Meter flussabwärts: Der LBM-Favorit hat den großen Vorteil, dass Platz genug da wäre. Beispielsweise, um Fahrradwege entlang der Straßen und über die neue Brücke zu bauen und Häuser und Gewerbebetriebe an der Kirscher Straße anzubinden. Der Verkehr aus Richtung Fell, Longuich und Riol könnte geordneter und sicherer in Richtung Schweich fließen. Nachteil ist, dass über die B 53, am Schweicher Baugebiet Flürchen entlang, der Verkehr zunimmt. Laut LBM sei aber nur an einer Hausfassade ein zu hoher Lärmgrenzwert gemessen worden. Auch im Longuicher Ortsteil Kirsch ist mit mehr Lärm zu rechnen, wenn ihm die zusätzliche Brücke auf die Pelle rückt. Der Lärm der Autobahn ist zwar dominant, er überlagert aber die Immissionen der neuen Brücke nicht völlig. Man darf gespannt sein, wie sich der Ortsgemeinderat Longuich am heutigen Mittwoch positioniert. Um 19 Uhr wird der LBM seine Brückenpläne im Dorfgemeinschaftshaus präsentieren. Schweichs Stadtbürgermeister Lars Rieger hat bereits angekündigt, dass sich die Räte aus Schweich und Longuich danach über das weitere Vorgehen abstimmen werden. Es scheint aber festzustehen, dass der LBM mit seiner Vorzugsvariante ins weitere Verfahren (siehe Extra) geht.Extra

Im kommenden Jahr soll laut LBM die Verkehrswegeplanung mit Untersuchungen zu Immissionsschutz, Wasserwirtschaft, Verkehr und Umwelt abgeschlossen sein. Danach startet das Planfeststellungsverfahren, in dem Behörden und Betroffene Anregungen und Bedenken vorbringen können. Auch der Klageweg ist möglich. Wenn Baurecht vorliegt, kann der Grundstückserwerb starten. Parallel werden Detailpläne erarbeitet. Baubeginn kann laut LBM im günstigsten Fall im Jahr 2020 sein. alf