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„Woche der Stille“ findet bereits zum dritten Mal in Trier statt

Gemeinschaft durch Stille : Viele Wege zum inneren Frieden

Musik, Literatur, Kunst und Meditation: All das gibt es bei der dritten „Woche der Stille“ in Trier zu erleben. Die Organisatoren laden Menschen dazu ein, sich mit den unterschiedlichen Facetten von Stille, Achtsamkeit und Innehalten zu beschäftigen.

Stille – mitten im Alltag, mitten in der Stadt: Das wollen die Organisatoren der Woche der Stille in Trier erreichen. Insgesamt umfasst die Aktion, die in diesem Jahr von Sonntag, 1., bis Mittwoch, 8. November stattfinden wird, rund 60 Veranstaltungen im Raum Trier.

„Es ist ein überkonfessionelles Projekt, bei dem sich jeder mit einer Veranstaltung einbringen kann“, erklärt Initiator Gunther Berthold. Der frühere Lehrer ist heute Autor, Musiker und Kursleiter in Embodiment und Qi Gong. In den Jahren zuvor hat er die „Woche der Stille“ als Teilnehmer verfolgt und ist seitdem fasziniert von der Thematik. „Stille ist heilsam und führt ohne jede Anstrengung zu innerer Ausgeglichenheit, innerem Frieden und vor allem zu Wachheit und Dankbarkeit für den gegenwärtigen Augenblick“, erklärt Berthold.

Inspiriert durch Städte wie Saarbrücken, Karlsruhe oder Frankfurt beschloss die Trierer Künstlerin Christine Radünzel im Jahr 2018 auch in Trier eine Woche der Stille zu organisieren. Als Klang- und Stimmtherapeutin erfuhr sie, dass Klänge eine besondere Wirkung haben, wenn sie mit ihrem Gegenspieler – der Stille – eingesetzt werden. Die Veranstaltung hat sich in den vergangenen Jahren großer Resonanz erfreut. „Im letzten Jahr hatten wir weit über 1000 Teilnehmer“, berichtet Berthold.

Da Christine Radünzel auch Sängerin und freischaffende Künstlerin ist, gehören experimenteller-intuitiver Gesang, Meditation, Spiritualität sowie Tanz und Klänge zur „Woche der Stille“ dazu. Aus gesundheitlichen Gründen kann Radünzel in diesem Jahr allerdings nicht mehr als Organisatorin fungieren.

Daher wird die Veranstaltung von der Initiativgruppe rund um den Musiker und Autor Gunther Berthold geplant. Das Team besteht aus Gemeindereferent Maik Bierau, der hospizbewegten Maria Brandau sowie Apothekerin und Künstlerin Martina Rothkamm. Die vier Initiatoren haben sich in den vergangenen Jahren als Teilnehmer der „Woche der Stille“ kennengelernt. „Uns ist das Projekt wichtig, weil es kleine und große intensive Momente vermittelt“, erklärt Maria Brandau.

Die vielfältigen Arbeitsgebiete, aus denen die Initiatoren stammen, sorgen für eine gute Vernetzung. Den Teilnehmern werden Orte zugänglich gemacht, die teilweise unter normalen Umständen nicht für Besucher geöffnet sind. Dazu zählt beispielsweise der jüdische Friedhof. „Menschen suchen Stille auf ganz unterschiedliche Weise“, verrät Maik Bierau. Die „Woche der Stille“ biete verschiedene Zugänge. „Jeder kann selbst entscheiden und seinen Weg finden“.

Momentan steckt das Team mitten in der Planung. „Das Programm wird facettenreich“, verspricht Gunther Berthold. Geplant sind Konzerte, Lesungen, künstlerische Projekte, Meditationen und Tanzeinheiten. „Es sind vor allem gemeinschaftsbezogene Aktivitäten“, erklärt Berthold, „wie zusammen singen und tönen“. Instrumente wie Gongs, Klang-Wiegen, Klangschalen , Tamburas, Shrutiboxen, Trommeln, Daumenklaviere und Klangwer laden zu intensivem Erleben und Erfahren von Klängen ein. Bis zum 15. August soll das Programm ausgearbeitet sein und wird dann auf der Internetseite https://www.christine-raduenzel.com/woche-der-stille veröffentlicht.

Im Vorjahr fand beispielsweise die Veranstaltung „Stillgestillt“ im Tanzstudio von Patricia Meier statt. Dort ging es um eine Meditation, die von der äußeren in die innere Bewegung führen sollte. Bei der Aktion „Kerzenlicht und Klang“ führte ein zwei Kilometer langer Weg, geschmückt mit Kerzenlicht und untermalt von musikalischer Begleitung am Orchideengebiet Wasserliesch entlang.

„Stille führt nicht in die Leere, sondern im Gegenteil in eine Fülle. In der Stille bekomme ich die Möglichkeit wach zu werden für mein ureigenes Wesen“, erklärt Gunther Berthold. Für die Initiatoren steht fest: Stille führt zum Ankommen bei sich selbst. Sie leitet aus dem Alltag heraus und bewegt zum Innehalten. „Alle äußeren Ablenkungen und Kompensationen fallen weg und ich erfahre behutsam, ja, ich erinnere mich wieder, wer ich bin“, schildert Berthold. Die Veranstaltung soll trotz Corona stattfinden. „Teilweise werden Teilnehmerzahlen begrenzt werden müssen, aber wir suchen Möglichkeiten, damit die Woche der Stille nicht ausfallen muss.“