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Wohn- und Geschäftshaus statt Brache nahe der Porta

Wohn- und Geschäftshaus statt Brache nahe der Porta

Seit einem Jahrzehnt klafft in der Paulinstraße eine riesige Baulücke. Noch wird die Brache als Parkplatz genutzt, doch dessen Tage könnten gezählt sein. Nachdem Investor, Verwaltung sowie Architektur- und Städtebaubeirat (ASB) reichlich Vorarbeit leisteten, soll der Stadtrat kommende Woche die Aufstellung eines neuen Bebauungsplans auf den Weg bringen.

Trier. Oft sind es die kleinen Dinge, die das Leben bunter machen. Das dachten sich offenbar auch die kreativen Zeitgenossen, die Teile des Bauzauns in der Paulinstraße mit farbigem Stoff überzogen. So wird der Betrachter für einen kurzen Moment von der raumgreifenden Tristesse abgelenkt, die sich hinter der provisorischen Absperrung auftut.Einst standen im vorderen Teil des Grundstücks mehrere Gründerzeithäuser. Bis 2004 der damalige Eigentümer die Gebäude dem Erdboden gleichmachte und einen größeren Gebäudekomplex plante - Discountermarkt inklusive. Im Rathaus stieß das Vorhaben auf Ablehnung: zu voluminös, städtebaulich unverträglich. Beide Seiten wurden sich nicht einig, der Grundstücksbesitzer verabschiedete sich von seiner Idee und nutzte das Areal fortan als Parkplatz. Sehr zum Ärgernis von Anliegern und Geschäftsleuten, zieht die Baulücke doch die gesamte umliegende Bebauung in Mitleidenschaft.Inzwischen gibt es einen neuen Investor, und es existiert auch eine neue Planung, und damit erstmals seit Jahren eine konkrete Vorstellung davon, wie das weiträumige Gelände bebaut werden soll. So ist für die Paulinstraße ein Wohn- und Geschäftshaus vorgesehen, das sich in Höhe und imVolumen an den angrenzenden Bestand anpasst. Zwölf Wohnungen sowie drei Ladenlokale soll das Gebäude haben. In der Maarstraße, wo ebenfalls eine Baulücke klafft, die derzeit als Zufahrt zur Parkfläche genutzt wird, ist ein Wohngebäude mit drei Wohnungen vorgesehen. Teils sozialgeförderte Wohnungen

Im Blockinnenbereich, der weder von der Paulin- noch von der Maarstraße aus einsehbar ist, plant der Investor eine Wohnbebauung mit zwei Vollgeschossen plus Staffelgeschoss in Flachdachbauweise. Dieser Gebäudekomplex soll 21 Wohneinheiten umfassen. Der Investor ist verpflichtet, 25 Prozent der Einheiten barrierefrei und im sozialgeförderten Wohnungsbau zu realisieren. Geplant ist auch eine Tiefgarage mit 56 Stellplätzen.Simone Kaes-Torchiani spricht von einer "hochwertigen qualitätsvollen Architektur" und lobt die bisherigen Gespräche mit dem Investor, der Schillinger Firma Ifa-Gesellschaft für Immobilien mbH. Deren Chef, Wolfgang Schäfer, war für eine Stellungnahme während zwei Wochen nicht erreichbar, eine Anfrage ließ er unbeantwortet. Dabei hatte Schäfer im Mai 2013 gegenüber dem TV angekündigt, im Frühjahr 2014 mit den Arbeiten beginnen zu wollen. Ein ambitionierter Zeitplan, der nicht einzuhalten war. Doch offenbar verstrichen die vergangenen Monate nicht ungenutzt. Im Gegenteil: Der Investor stellte seine Planung dem Architektur- und Städtebaubeirat vor. Der sprach sich für eine höhere Baudichte als üblich an diesem Standort aus - unter der Maßgabe, dass die angepeilte architektonische Qualität beibehalten werde. Auch im Dezernatsausschuss stieß das Vorhaben auf Wohlgefallen, ebenso am Mittwoch im Ortsbeirat Trier-Nord, der die Stadtratsvorlage mit der Kennung "007" einstimmig unterstützte. Nun ist der Stadtrat am Zug, am Dienstag soll der Aufstellungsbeschluss gefasst werden. Dann soll es schnell gehen, weshalb der Bebauungsplan im beschleunigten Verfahren erstellt wird. Die klare Botschaft der Stadt: An uns soll es nicht scheitern. Das betont auch Roland Geiler vom Amt für Bauen, Umwelt und Denkmalpflege. Zwar spricht er von einer "baurechtlichen Herausforderung" und "hochkomplexen Geschichte", doch dank der intensiven Diskussion und Kooperation im Vorfeld sei man sehr zuversichtlich, das Bebauungsplanverfahren noch in diesem Jahr abzuschließen. Meinung

Wort halten!Angesichts der langen Zeit, die bereits ins Land gegangen ist, erscheint inzwischen jede Bebauung besser als der Status quo. Egal wie, die Brache muss weg, die Lücke in der Paulinstraße muss geschlossen werden. Gut, dass man sich im Baudezernat nie auf diesen Standpunkt stellte. Im Gegenteil: Trotz schwieriger Ausgangsposition drang Simone Kaes-Torchiani immer wieder auf eine städtebaulich überzeugende Lösung, und für diese konsequente Haltung hat sie offenbar auch die entscheidenden Gremien auf ihrer Seite. Die Planung für eine qualitätsvolle Architektur gibt es nun, jetzt ist die Stadt am Zug. Die Verwaltung muss schnellstmöglich den baurechtlichen Rahmen schaffen, auf dass der Investor Planungssicherheit hat. Dieser wiederum steht im Wort, sein Konzept zu realisieren und hierbei nicht von den vorgesehenen Qualitätsstandards abzuweichen. Vielleicht glückt nach vielen Jahren des Stillstands in der Paulinstraße ja, was in dieser Stadt in früheren Jahren Seltenheitswert hatte: Einem selbstbewussten Rathaus mit klaren Vorstellungen und einem geschäftstüchtigen, aber kooperativen Investor gelingt gemeinsam der große Wurf. Zu wünschen wäre es allen Beteiligten, allen voran den Anliegern der Paulin- und Maarstraße. Doch der Beweis steht noch aus. trier@volksfreund.deExtra

Läuft alles nach Plan und wird das Vorhaben tatsächlich realisiert, sind erst einmal die Archäologen am Zug. Denn weite Teile des Geländes dienten in der Antike als Gräberfeld. Das Grundstück betreffe ein "großes, bisher unberührtes Areal der römischen Nordnekropole, dem eine hohe wissenschaftliche Bedeutung zukommt", erklärt Joachim Hupe von der Generaldirektion Kulturelles Erbe gegenüber dem Trierischen Volksfreund. Bezüglich der Abwicklung archäologischer Grabungen im Vorfeld des Bauvorhabens in der Paulinstraße habe es erste Vorgespräche mit dem Investor gegeben, eine sachliche und zeitliche Abstimmung stehe aber noch aus, so der Archäologe. mst