Wohncontainer für Flüchtlinge in Schweich: Kreis will Asylbewerber in Städten konzentrieren

Wohncontainer für Flüchtlinge in Schweich: Kreis will Asylbewerber in Städten konzentrieren

Weil Unterkünfte fehlen, möchte der Kreis Flüchtlinge in mobilen Wohneinheiten unterbringen. Konzentriert werden soll die Aufstellung in den Städten. Auch in Schweich sind Container geplant.

Vor Weihnachten erhielt die Stadtverwaltung Schweich Post vom Kreis. Inhalt des Schreibens: Man benötige geeignete Grundstücke für die Aufstellung von Wohncontainern für Flüchtlinge. Der Landkreis wird im Jahr 2015 voraussichtlich für rund 500 Flüchtlinge eine neue Bleibe finden müssen.

Wann die Flüchtlinge kämen und wie viele es seien, darüber werde noch nichts mitgeteilt, sagt Schweichs erster Beigeordneter Lars Rieger. Er hat zunächst einmal die Verbandsgemeinde Schweich um eine Liste gebeten, in der alle verfügbaren städtischen Grundstücke aufgelistet werden. Voraussichtlich werde sich der Ältestenrat am 14. Januar mit dem Thema befassen.

Eines steht für Rieger allerdings schon heute fest: "Die Flüchtlinge sollen nicht an den Stadtrand geschoben und sich selbst überlassen werden. Dem Beigeordneten schwebt vor, dass sich möglichst viele Leute einbringen, damit sich die Asylbewerber möglichst gut integrieren. "Vielleicht schaffen wir es ja, für jede Familie und jede Einzelperson einen Kümmerer zu finden", sagt Rieger.80 Flüchtlinge in VG Schweich


In Schweich leben derzeit nach Angaben von VG-Sprecher Wolfgang Deutsch nur fünf Asylbewerber. In Konz ist es ein Vielfaches, alleine in einem Asylbewerberheim leben 34 Personen, hinzu kommen weitere in Privatwohnungen. Auch in Konz und Saarburg sollen Container aufgestellt werden. Deutsch führt die niedrige Zahl in Schweich auch auf die teuren Mieten zurück. Rund 500 Euro Pauschale erhalten die Kreise monatlich für jeden Asylbewerber - viel zu wenig, beschweren sich die Kommunen. Obwohl die VG als Mieterin ortsübliche Mieten garantiert, sind nur wenige Privatpersonen bereit, Wohnungen zur Verfügung zu stellen. In einigen Moselorten, darunter in Klüsserath, sind Flüchtlinge in Ferienwohnungen untergekommen (Schwerpunktgemeinden siehe Extra).

Die derzeit 80 Flüchtlinge in der VG Schweich sind in 31 Wohnungen untergebracht; 23 davon wurden laut VG-Verwaltung von einer Behörde oder von Asylbewerbern selbst angemietet. Was die Flüchtlinge betreffe, bekomme er aus den Gemeinden überwiegend positive Rückmeldungen, sagt Büroleiter Deutsch. Die Leute seien überwiegend gut qualifiziert und suchten Arbeit.

Der Kreis sei bestrebt, die ihm aus den Sammeleinrichtungen zugewiesenen Flüchtlinge gleichmäßig auf alle Mittelzentren zu verteilen, sagt Sprecher Thomas Müller. In den größeren Orten sei die Versorgung und Betreuung der Asylbewerber einfacher zu gewährleisten als in kleinen Orten ohne entsprechende Infrastruktur. Die Betreuung werde von der Caritas organisiert, der Kreis bemühe sich um Sprachkurse.

Laut Müller sind die Container in erster Linie zur Unterbringung von Einzelpersonen gedacht und nicht für Familien.
Die Verwaltungen im Kreis suchen weiter nach bezahlbarem Wohnraum, insbesondere für Familien, die nicht in Gemeinschaftsunterkünften untergebracht werden können.

Wer Räume hat und sie zur Verfügung stellen will, kann sich bei den Sozialämtern der VG-Verwaltungen melden.Meinung

Kein Ghetto am Stadtrand!
Nun ist es amtlich: In Schweich werden demnächst Wohncontainer als Flüchtlingsunterkünfte aufgestellt. Im Amtsdeutsch spricht man lieber von "mobilen Wohneinheiten", weil das Wort Container einen negativen Beigeschmack hat. Wer schon einmal in solchen Unterkünften war, weiß, dass sie viel besser sind als ihr Ruf. Sie sind sauber und funktionell, und technisch in Ordnung - was man von vielen Altbauten sicherlich nicht behaupten kann. Die Container haben einen Nachteil, wofür sie allerdings nichts können: Sie werden mit Vorliebe auf periphere Flächen gestellt, gerne in Gewerbegebiete, weil in der Innenstadt das Angebot an freien Grundstücken sehr begrenzt ist. Dabei wäre es aber enorm wichtig, die Flüchtlinge möglichst zentral wohnen zu lassen. Dort, wo sie soziale Kontakte knüpfen können. Diese Menschen haben viel mitgemacht. Was sie jetzt brauchen, ist die Zuneigung der Gesellschaft und kein Ghetto am Stadtrand. a.follmann@volksfreund.de

Extra

VG Trier-Land: Derzeit leben 72 Flüchtlinge in rund 30 Bedarfsgemeinschaften (Familien, Ehepaare, Einzelpersonen) in der Verbandsgemeinde Trier-Land. Im Laufe dieser Woche sollen noch drei Personen hinzukommen. Schwerpunktmäßig leben die Flüchtlinge in angemieteten Wohnungen in den Fideigemeinden Zemmer, Rodt und Schleidweiler. Herkunftsländer: Syrien, Serbien, Iran, Armenien, Tschetschenien.

VG Ruwer: Aktuell leben 57 Asylbewerber in den Dörfern der Verbandsgemeinde Ruwer. Im laufenden Jahr sind Zuweisungen von weiteren 68 Menschen vorgesehen. Schwerpunkte der Unterbringung sind die Ortsgemeinden Farschweiler, Gusterath und Waldrach. Sämtliche Asylbewerber sind in Privatwohnungen untergebracht. Die wichtigsten Herkunftsländer sind Syrien, Ägypten und Armenien.

VG Schweich: Dort sind 80 Flüchtlinge untergebracht, die meisten leben in Klüsserath (16), Föhren (10), Trittenheim (10), Fell (9), Longuich (8) und Pölich (7). Hauptherkunftsländer sind Syrien, Somalia und Ägypten. alf