Wohnen, Freizeit, Verkehr: Trier hat 2012 viel vor

Wohnen, Freizeit, Verkehr: Trier hat 2012 viel vor

Eine tolle Stadt zum Leben sei Trier, sagt Oberbürgermeister Klaus Jensen - trotz leerer Kassen. Ein Blick auf das Jahr 2012 bestätigt den Rathauschef: Große Bau- und Planungsprojekte sollen starten, das Thema Stadt am Fluss soll Fahrt aufnehmen, und neue Stadtquartiere sollen Triers Position als einer der gefragtesten Wohnimmobilienstandorte Deutschlands stärken.

Trier. Es gibt keinen Zweifel: Trier ist trotz eines riesigen Schuldenbergs, trotz maroder Straßen, Schulen und Schwächen in der Infrastruktur ein offenbar für viele Menschen attraktiver Lebensmittelpunkt. Eigentumswohnungen innerhalb des Alleenrings werden trotz hoher Quadratmeterpreise schon vor Baubeginn in Rekordgeschwindigkeit verkauft, auch in den Randlagen ist die Nachfrage enorm. Im kommenden Jahr soll diese Attraktivität weiter steigen.

Wohnen: Die ehemalige Kaserne Feuvrier soll im Trierer Norden zu einem Schlüsselprojekt zum Thema Stadt am Fluss werden. Das Konzept mit einer Mischung aus Hotel, Dienstleistung und Wohnungsbau werde das nördliche Moselufer aufwerten, betont OB Klaus Jensen.
Auch am anderen Ende der Stadt tut sich was. Der erste Bebauungsplan für die ehemalige Kaserne Castelnau im Stadtteil Feyen-Weismark soll in der ersten Hälfte des kommenden Jahres abgeschlossen werden. Damit sind die Voraussetzungen zur Entstehung eines neuen Stadtquartiers und eines Nahversorgungszentrums mit 500 Wohnungen geschaffen. Hier führt die frühere Entwicklungsgesellschaft Petrisberg (EGP) und heutige Gesellschaft für urbane Stadtentwicklung ebenso Regie wie bei der Umwandlung des 37 000 Quadratmeter großen Geländes der ehemaligen Textilfabrik Eybl-Bobinet in Trier-West in eine Mischung aus attraktiven Wohnformen und innovativem Kleingewerbe. Weitere 500 Wohnungen sollen auf der Tarforster Höhe entstehen, und aus der heute verfallenen Wohnsiedlung Burgunderstraße in Kürenz will die Stadt ebenfalls ein neues Quartier mit bis zu 200 Wohnungen machen.

Fahren: Hier steht Trier auf verlorenem Posten, könnte man meinen. Der Verkehr ist eines der Hauptprobleme der Römerstadt. Täglich rollen zehntausende Fahrzeuge über zu enge und manchmal marode Straßen. Doch auch hier sol 2012 viel geschehen. Für das Mobilitätskonzept soll in der ersten Hälfte 2012 eine umfassende Bürgerbeteiligung eingeleitet werden. "Das Ziel ist es, dieses Konzept endlich mit den wichtigen Weichenstellungen für den Autoverkehr, den Rad- und Fußgängerverkehr und den Busverkehr abzuschließen", betont OB Jensen.
Der Bau der Umgehungsstraße B 422 im Sanierungsgebiet Ehrang, der Ausbau der katastrophalen Loebstraße und die Sanierung der Napoleonbrücke mit der befürchteten wochenlangen Sperrung der B 51 gehören zu den großen Verkehrsprojekten 2012.

Bilden: Die Stadtbibliothek und das Stadtarchiv bergen Exponate, deren enormen Wert man eher vorsichtig mit 250 Millionen Euro beziffert. Beide werden 2012 und 2013 mit 2,1 Millionen Euro saniert. Der größte Teil dieser Summe kommt vom Land, der EU und privaten Spendern.

Bewegen: Die 2009 begonnene und 2,2 Millionen Euro teure Sanierung des Moselstadions soll abgeschlossen werden. 2012 soll außerdem der Startschuss für ein zentrales Projekt fallen, das die Zukunft des Sports in Trier begleiten und regeln wird: Ein Sportentwicklungsplan soll in Zusammenarbeit mit den ehrenamtlichen Akteuren in den Sportverbänden zur Entscheidungsgrundlage für den Erhalt und die Sanierung der Trierer Sportstätten werden.

Erleben: Die Petrispark GmbH soll 2012 in die neue Trier Tourismus und Marketing GmbH (TTM) umstrukturiert werden. Diese konzentriert sich auf ein einheitliches Veranstaltungsmanagement und die Standortvermarktung.
Die TTM wird sich damit auch um zwei der erfolgreichsten Trierer Einzelveranstaltungen kümmern: das Altstadtfest und in Zusammenarbeit mit der Medienfabrik das Römerspektakel Brot und Spiele.

Bezahlen: Auf den ersten Blick ist eine derartige Auflistung großer Projekte paradox, schließlich hat OB Jensen in seiner Haushaltsrede am Donnerstagabend ausführlich betont, wie arm und hoch verschuldet seine Stadt ist (der TV berichtete). Doch auch eine solche Situation macht eine Kommune nicht komplett handlungsunfähig. Die Schaffung von Wohnraum und die Sanierung von Straßen und öffentlichen Einrichtungen sind über viele Haushaltsjahre und Planungsschritte verteilte Mammutprojekte, die von Fördertöpfen von der Landes- bis zur EU-Ebene unterstützt werden.
Dennoch kann die Stadt solche Aufgaben ohne die Aufnahme neuer Kredite nicht lösen. So wächst der Schuldenberg immer weiter an. Die Alternative, zuerst alle Schulden abzubauen und erst dann wieder zu investieren, ist undenkbar und würde den kompletten Verfall des öffentlichen Raums bedeuten.

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