Wohnen im Angesicht des Welterbes
Trier · Wo einst Bierlaster abfuhren, sollten bereits jetzt Umzugs- und Möbelwaren halten: 60 neue Wohnungen an den Kaiserthermen zu errichten war der Plan der Projektgesellschaft WM Kaiserthermen KG seit 2010. Doch die Stadt forderte diverse Gutachten. Jetzt läuft das Verfahren, um das Grundstück zu entwickeln.
Trier. Meterhohe Pflanzen wuchern aus Löchern, die zur Bodenuntersuchung in den Asphalt gebohrt wurden. Auch sonst erobert die Natur Stück um Stück das Gelände am Kaiserthermenkreisel zurück. Das Gebäude liegt im Dornröschenschlaf. Nur noch verblasste Schilder künden von der einstigen Königsbacher- und späteren Karlsberg-Niederlassung, die die Homburger Bierbrauer vor fast neun Jahren aufgegeben haben.
2010 hatte der Trierer Peter Weber mit seinem Eppelborner Partner als WM Kaiserthermen KG das 6300 Quadratmeter große Grundstück erworben. Müller ist mittlerweile aus dem Projekt ausgestiegen, denn geplant war, dass 60 neue Wohnungen Ende 2013 bezugsfertig sein sollten (der TV berichtete). Das Ganze dauere in der Tat "ungewöhnlich lange" und habe "erhebliche Kosten verursacht", sagt Investor Weber, der dennoch an dem Vorhaben festhält und das Projekt nun mit seinem Sohn Christoph realisiert. Investitionsvolumen mittlerweile: 15 bis 16 Millionen Euro.
Die einstigen Pläne sind zu den Akten gelegt. Was bleibt, ist die Absicht, Wohnraum zu schaffen. Das können bis zu 200 Studentenappartements oder 70 normale Wohnungen sein. Fakt ist, dass es keinen Gewerbebetrieb mehr geben wird.
Zu der Verzögerung - Baubeginn wird vermutlich frühestens Mitte 2014 sein - kam es, weil seitens der Stadt viel Abstimmungsbedarf bestand. Die Pläne, die das Berliner Architekturbüro Feddersen ausgearbeitet hat, wurden im Architektur- und Städtebaubeirat diskutiert. Die Unesco hat untersucht, welches Konfliktpotenzial das Neubauprojekt vis-à-vis der Weltkulturerbestätte Kaiserthermen beinhaltet. Mehrere Fachgutachten (Verkehr, Immissionen, Lärm) mussten erstellt werden. Der Stadtrat hatte im Dezember 2012 gefordert, dass ein Bebauungsplan regeln muss, was auf dem Grundstück entsteht. Außerdem musste ein städtebaulicher Vertrag mit dem Investor aufgesetzt und geschlossen werden. "Es war klar, dass in so prominenter Lage im Stadtgebiet und in Nachbarschaft zum Weltkulturerbe nur hochwertige Architektur entstehen darf", erklärt Eva-Maria Weiß vom Stadtplanungsamt.
Allerdings hat nicht die Stadt, sondern das Büro Kernplan aus dem saarländischen Illingen den Entwurf für den Bebauungsplan ausgearbeitet. "Wir sind stolz, an diesem exponierten Standort planen zu dürfen, der die Stadt wesentlich prägt", sagt Stadtplaner und Geschäftsführer Hugo Kern. "Es war ein mühsamer Weg, aber es ist etwas Tolles entstanden."
Entstehen sollen vier Wohnblöcke mit aufgelockerter Fassadenstruktur. Laut Architekt Daniel Thielen (Büro Feddersen) sind diese um einen Innenhof gruppiert. Richtung Kaiserthermen haben sie drei Geschosse plus ein weiteres, zurückversetztes, auf der Seite zur Charlottenstraße sind es vier Geschosse plus Staffelgeschoss. Auch die Einfahrt zur Tiefgarage wird sich in der Charlottenstraße (Einbahnstraße aus Richtung Hermesstraße) befinden. Dorthin können die Bewohner aber auch aus der Olewiger Straße gelangen, die Einbahnstraße wird für das kurze Stück aufgehoben und eine Möglichkeit zum Wenden gebaut. Außerdem tritt der Investor einen Teil seines Grundstücks an der Seite zur Olewiger Straße an die Stadt ab, die dort eine weitere Abbiegespur bauen kann.
Die Abwicklung der Bauarbeiten - die Baustelle wird über die Olewiger Straße erschlossen - dürfte eine "logistische Herausforderung" werden, sagen Weber und Kern. Von den Nachbarn ist Geduld gefordert. Außerdem werden sie sich mit einer neuen Situation arrangieren müssen: Denn statt einer Ruine im Dornröschenschlaf wird es in nächster Nähe Menschen geben, die "in die Häuser und Gärten der anderen Bewohner schauen" können, so eine der Befürchtungen der Charlottenstraßen-Anwohner. Weber ist sich allerdings sicher, dass durch den Abriss der Bier-Ruine und den Neubau das "gesamte Quartier aufgewertet" wird.
Bevor die neuen Gebäude errichtet werden können, werden die Archäologen vom Rheinischen Landesmuseum auf dem Areal graben. "Davor haben wir aber keine Angst", sagt Weber, die römische Siedlungsschicht läge in mehr als fünf Metern Tiefe, für den Neubau müsse man allerdings nur maximal dreieinhalb Meter in den Boden gehen. Allerdings bedeuten die Untersuchungen eine weitere Verzögerung.
Der weitere Verlauf: Das Bebauungsplanverfahren ist mit der frühzeitigen Öffentlichkeitsbeteiligung gestartet. Bis zum 15. November kann jeder die Pläne einsehen, Kritik und Anregungen abgeben. Möglich ist das im Baubürgerbüro oder im Internet unter www.trier.de/bauen-wohnen/stadtplanung/bauleitplanung (Stichwort aktuelle Verfahren der Bauleitplanung - BO 15-1). Danach werden Behörden und Träger öffentlicher Belange beteiligt, der Plan noch einmal öffentlich ausgelegt, die Eingaben eingearbeitet und ein Satzungsbeschluss vorbereitet. Der Stadtrat werde allerdings vermutlich nicht vor Sommerpause 2014 darüber diskutieren, sagt Eva-Maria Weiß. Denn im Frühjahr stehen die Kommunalwahlen an. Für Investor Weber bedeutet das eine weitere Verzögerung: Frühestens Ende 2015 könnten die neuen Wohnungen bezugsfertig sein, zwei Jahre später als geplant.