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Wohnen und einkaufen statt Stahlblechproduktion

Wohnen und einkaufen statt Stahlblechproduktion

Rund um das ehemalige Trierer Walzwerk in Kürenz ist ein neues Mischgebiet für Wohnen und Gewerbe vorgesehen, wobei historische Teile der alten Industrieanlage integriert werden sollen (der TV berichtete). Der Ortsbeirat Kürenz hat der Aufstellung eines Bebauungsplans zugestimmt.

Trier-Kürenz. Der Kern des Stadtteils Kürenz wird in den kommenden Jahren sein Gesicht verändern: Wo einst Metall in Massen zu Blechen verarbeitet wurde - im ehemaligen Trierer Walzwerk - soll ein neues Stadtquartier entstehen. Vor einer solchen Umgestaltung steht die Aufstellung eines Bebauungsplans.
Eigentümer des eng von alter Wohnbebauung umschlossenen Areals ist die Trierer Baugesellschaft Triwo, die dort als Investor ein Mischgebiet aus Gewerbe und Wohnen (rund 40 Prozent, etwa 100 Wohneinheiten) errichten will. Denkmalgeschützte Teile der ehemaligen Industrieanlage sollen erhalten und umgenutzt werden, wobei auch für das Theater Trier ein zweiter Standort in den ehemaligen Werkshallen vorgesehen ist. Zunächst müssen Gutachten die Aufstellung eines Bebauungsplans vorbereiten - im Mittelpunkt stehen die möglichen Verkehrs- und Lärmprobleme (TV vom 15. November).
In seiner jüngsten Sitzung befasste sich der Ortsbeirat Kürenz mit dem Thema, das den Stadtteil und viele seiner Bewohner in den kommenden Jahren noch beschäftigen wird. Das Projekt erläuterten Stefan Leist und Maria Walczak vom Stadtplanungsamt.
Besonders vom Ortsbeirat hinterfragt wurde die künftige Verkehrserschließung des neuen Viertels. Laut Planungsamt führt derzeit die Hauptzufahrt zum Werksgelände über die Brühlstraße, die mit einer Breite von kaum mehr als sechs Metern nicht die heutigen Anforderungen an eine Erschließungsstraße erfüllt. Außerdem ist ihre Anbindung an die Schönbornstraße unmittelbar hinter der Bahnunterführung verkehrstechnisch problematisch. Eine alternative Anbindung bietet hingegen die breitere Nellstraße an der anderen Seite des Werksgeländes.
Was dort geht und was nicht, sollen vor der Erarbeitung des Bebauungsplanes Fachgutachten für die Bereiche Verkehr und Schallschutz klären. Wegen der genannten Nachteile der Brühlstraße rückt dabei die Nellstraße bei der Erschließung in den Fokus. Nicht auszuschließen sind auch eine völlig neue Anbindung von Westen her oder eine Öffnung des Areals über den Platz bei der Sparkasse hin zur Domänenstraße. In seinem städtebaulichen Konzept denkt Investor Triwo zudem an eine direkte Erschließungsoption von der Schönbornstraße (zwischen den Hausnummern 19 und 29) zum Walzwerkgelände.
Auch der Schallschutz wird Thema von Fachgutachten sein - insbesondere mit Blick auf die geplante Wohnbebauung. Ein Faktor dabei sind die in unmittelbarer Nachbarschaft gelegenen Bahnanlagen. Und die könnten noch Kopfzerbrechen bereiten. Nach einer in der Sitzung vorgestellten Lärmkartierung des Eisenbahnbundesamtes liegt die Belastung in einem Großteil des Areals um mehr als zehn Dezibel über den Richtwerten für allgemeine Wohngebiete. "Da werden noch Lösungen erforderlich sein", erklärte Stefan Leist und verwies auf das vom Investor Triwo erarbeitete städtebauliche Konzept. Darin sind Schallschutzmaßnahmen (Schutzwände entlang des Bahngeländes) oder die Errichtung eines durchgehenden geschlossenen Gebäudes entlang der Bahn angedacht, das als Quartiersgarage dienen könnte.
Einstimmig stimmte der Ortsbeirat der Aufstellung des Bebauungsplans BK 30 Walzwerk Kürenz zu.
Extra

Wann mit dem Baubeginn zu rechnen sei, konnten die Vertreter der Stadt nicht sagen, aber "klare planerische Anfänge sind gemacht, und wir wollen, dass es zügig geht". Es sei damit zu rechnen, dass der Vorentwurf und die städtebauliche Rahmenplanung in der ersten Jahreshälfte 2017 abgeschlossen werden könnten und noch vor den Sommerferien die frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit möglich sei. Das Planverfahren mit den weiteren Schritten wie öffentliche Auslegung des Bebauungsplans und Satzungsbeschluss werde voraussichtlich Ende 2017 abgeschlossen sein. f.k.