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Workshop für kreatives Schreiben: Uni Trier kooperiert mit Kurfürst-Balduin-Realschule plus

Uni Trier : Mit Kreativität zu mehr Selbstbewusstsein

Ein Projekt der Universität Trier hat eine Klasse der Kurfürst-Balduin-Realschule plus Trier für Lyrik begeistert — und noch mehr erreicht.

Können Sprache und Kreativität ein Schlüssel zur Integration von Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund sein? Dieser Frage hat sich ein Projekt der Universität Trier gestellt. Die Ergebnisse sind vielversprechend.

„Denk an den Stolz“, sagt Alexandra Tretakov, richtet ihren Körper auf und formt mit ihren Händen ein Dach auf ihrem Kopf. Die von ihr ermutigte Schülerin stellt sich ebenfalls gerade hin und trägt vor: „Es regnet und die Tränen der Wolken tropfen auf die übrigen Blätter der Bäume.“ Als sie fertig ist mit dem lyrischen Text über Herbst und Winter, applaudieren ihre Klassenkameraden. Sie verbeugt sich leicht.

An diesem Vormittag sind die Schülerinnen und Schüler einer 7. Klasse der Kurfürst-Balduin-Realschule plus Trier zu Besuch an der Universität Trier. Gemeinsam mit den Literaturwissenschaftlern Dr. Alexandra Tretakov und Dr. Matthias Fechner vom DFG-Forschungskolleg „Lyrik in Transition“ an der Universität Trier werfen sie einen Blick zurück auf sechs Workshops zu Sprache und Kreativität, die sie im vergangenen Schulhalbjahr absolviert haben.

„Das Besondere ist, dass viele der Schülerinnen und Schüler einen Migrationshintergrund haben“, erzählt Alexandra Tretakov. In einem Workshop wurden sie aktiv dazu aufgefordert, Gedichte in ihrer Muttersprache beziehungsweise ihrem Dialekt zu schreiben. Dadurch wollten die Projektverantwortlichen erreichen, dass die Schüler ihre Hemmschwelle überwinden, kreativ zu werden. „Außerdem sollten sie Selbstbewusstsein tanken. Ein Mädchen, das sich für ihren Dialekt geschämt hat, meinte danach, dass er doch eigentlich ganz gut klingt“, berichtet Tretakov.

Ihr Kollege Matthias Fechner erklärt, dass eines der Projektziele war, durch Sprache auch Integration zu fördern. „Wir haben ganz bewusst die Kurfürst-Balduin-Realschule plus gewählt, mit ihrem künstlerischen Schwerpunkt in der Pädagogik. Schulleitung und Kollegium sind sehr engagiert. Auch deshalb haben sich die Schülerinnen und Schüler sehr motiviert an dem Projekt beteiligt.“ Zu einigen der ganztägigen Workshops in der Schule haben die beiden Wissenschaftler der Universität Trier Kulturschaffende eingeladen: die Dichterin Safiye Can, die Schauspielerin Lisa Höpel, den brasilianischen Literaturprofessor und Musiker Adalberto Müller sowie die Lyrikerin Olga Martynova, die auf Deutsch und Russisch publiziert.

Besonders begeistert habe sie der Rap-Workshop, berichtet eine Schülerin. Zu einem vorgegebenen Beat haben sie kurze Gedichte geschrieben, die sich reimen. Sogar Videos wurden davon gemacht. Eine ihrer Mitschülerinnen fand den Theaterworkshop am besten, bei dem unter anderem Gefühle ausgedrückt werden sollten.

„Wir wollten den Schülerinnen und Schülern vermitteln, wie man Konflikte auch mit Sprache lösen kann“, sagt Tretakov. „Außerdem ging es darum, Selbstbewusstsein und Stolz aufzubauen.“ Dass das gelungen ist, bestätigen die beiden Lehrkräfte Svenja Burelbach und Siegfried Garbe. „Auch schüchterne Schüler sind aus sich herausgekommen und haben sich eingebracht. Das erleben wir so im normalen Unterricht nicht. Wir sind begeistert.“

Sowohl Lehrkräfte als auch die Wissenschaftler wollen, dass das Projekt als Wahlfach an der Kurfürst-Balduin-Realschule plus fortgeführt wird. „Schüler fragen uns sogar, wann es endlich weitergeht“, sagt Mathematik-Lehrer Siegfried Garbe. Ein entsprechender Antrag ist bereits gestellt.

Literaturwissenschaftler Matthias Fechner hofft sogar, dass es vielleicht bald das Wahlfach „Kreativität“, das Sprache, Musik und bildende Kunst vereint, an noch mehr Realschulen plus in Rheinland-Pfalz geben wird. Mit den Ergebnissen des Projekts soll ein entsprechender Bildungsplan erarbeitet werden.

Das Projekt „Die Sprache als Schlüssel. Kreatives Schreiben: Ein Mittel zur Integration“ wurde von der Nikolaus Koch Stiftung gefördert.