Würdenträger mit Witz und Verstand

Würdenträger mit Witz und Verstand

Seit 23 Jahren verleiht die Trierer Prinzenzunft den nach dem legendären Stifter und Schalk benannten Franz-Weissebach-Preis an humorvolle und verdiente Persönlichkeiten. Dieses Jahr hat sich Bischof Stephan Ackermann mit einer launigen Rede für den Preis bedankt.

Trier. "Was kann man da sagen?", sinniert Oberbürgermeister Klaus Jensen im Barocksaal des Hauses Bernard Massard vor rund 100 Zuschauern, die sich dort eingefunden haben, um der Verleihung des Franz-Weissebach-Preises an den Trierer Bischof, Dr. Stephan Ackermann, zu folgen.
Seit 1988 wird der Preis von der Trierer Prinzenzunft an Personen verliehen, die sich durch soziales Engagement hervorgetan haben - und die auch etwas für den Trierer Karneval getan haben. Als Preisträger des Vorjahres darf Jensen die Laudatio auf seinen Nachfolger halten, doch das Stadtoberhaupt berichtet von anfänglichen Hemmungen, sich als Weltlicher über den womöglich schon teilweise transzendierten "Kaplan Seiner Heiligkeit" zu äußern - noch dazu in karnevalesken Fragen.
Rheinischen Frohsinn im Blut



Er versucht es über nüchterne Fakten, die zur Person Ackermann führen sollen. In Mayen geboren, also in der Eifel, aber an der Grenze zum Rheinland, läge dem 48-Jährigen sicher ein Schuss rheinischer Frohsinn im Blut. Gleichzeitig schätze man "den in der Diözese ausgesprochen beliebten Bischof" aufgrund seiner "bodenständigen Authentizität". Ebenfalls würdigte er das vielfältige Engagement des 103. Trierer Bischofs, etwa im katholischen Beratungsgremium Justitia et Pax oder die "sicher nicht einfache, aber sehr wichtige Arbeit" als Missbrauchsbeauftragter der Bischofskonferenz. Dass Ackermann dem vielfach geehrten Priester Stefan Hippler die Weiterführung seiner Arbeit ermöglichte - der Priester setzt sich für die Aids-Prävention in Afrika ein, und wurde offenbar wegen seiner Widersprüche zur katholischen Moraltheologie von der Bischofskonferenz gefeuert - sieht Jensen als weiteren Beleg für das undogmatische, am Sozialphilosophen Oswald von Nell-Breuning orientierte Wirken Ackermanns. In detektivischer Kleinarbeit hat Jensen zudem herausgefunden, dass Ackermann hier und da mal was mit Karneval zu tun hatte: "Einmal sollen Sie sich sogar so gut verkleidet haben, dass Sie niemand mehr erkannte." Dass bestätigte der Bischof in seiner Dankesrede. Dafür, dass er als Kind sogar einmal auf einem Prinzenwagen mitgefahren sei, gab es anerkennendes Raunen im Saal - mit leicht ironischer Note, die der Preisträger aber ebenso gut draufhatte: "Es ist doch ein Witz, dass der Stadtrat fünf Jahre lang den testamentarischen Willen des Stifters Weissebach ablehnte, ein Krematorium auf dem Hauptfriedhof zu errichten, stattdessen mit dem Erbe den heutigen Palastgarten finanzierte - und sich jetzt über das Grillen dort streitet!" Immerhin steige so doch wenigstens Rauch auf, "wenn auch nur der von armen Würstchen." Die Spitze durfte er sich erlauben - immerhin, so Ackermann, habe er jahrelang aktiv die Einwohnerstatistik der Stadt geschönt und ihr somit zu höheren Einnahmen verholfen, weil er nach dem Studium vergessen habe, seinen Zweitwohnsitz abzumelden.
Dass wenigstens die Kasse der Frauenwerkstatt des Sozialdienstes Katholischer Frauen stimmt, dafür will Ackermann sorgen, indem er ihr das Preisgeld spendet. Das designierte Prinzenpaar samt Gefolge lädt er ins Bischofshaus ein, versprochen.