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Würfel-Spiele vor der Igeler Säule

Würfel-Spiele vor der Igeler Säule

IGEL/TRIER. Rund 75 Denkmäler in Rheinland-Pfalz, darunter die Igeler Säule, werden mit einem Informations-, Leit- und Orientierungssystem für Besucher ausgestattet. Dass dabei unter anderem vor dem bekannten römischen Grabmal ein Betonwürfel von 70 Zentimeter Durchmesser aufgestellt werden soll, stößt nicht auf ungeteilte Zustimmung.

23 Meter ragt die Igeler Säule, das besterhaltene römische Pfeilergrabmal nördlich der Alpen, in die Höhe. Demnächst wird das Auge des Betrachters vor diesem monumentalen roten Sandstein einen Würfel aus Beton entdecken. Der 70 mal 70 Zentimeter große Gegenstand ist Teil des neuen einheitlichen Informations-, Leit- und Orientierungssystems, das auf Initiative der Abteilung Burgen, Schlösser, Altertümer (BSA) des Landesamts für Denkmalpflege für die staatlichen Denkmäler in Rheinland-Pfalz angeschafft wird. Objekte sollen "begreifbar" werden

2002 hatte ein Berliner Architektenbüro einen vom Land ausgelobten Wettbewerb gewonnen. Die Grundidee: Die historischen Anlagen sollen unverstellt bleiben und mittels eines "Orientierungssteins" mit stilisierten Grundrissen aus Bronze begreifbar gemacht werden (für Sehbehinderte auch in Blindenschrift). Ein dreisprachiges Faltblatt mit den wichtigsten bauhistorischen Informationen soll es dem Besucher ermöglichen, im Objekt auf "Entdeckungstour" zu gehen. Schließlich sollen auch Banner und Fahnen die Touristen auf das Baudenkmal hinweisen. Die Fahne sei zu akzeptieren, hieß es kürzlich im Gemeinderat Igel, mit dem Würfel hat jedoch das ein oder andere Ratsmitglied so seine Probleme. "Der Stein sollte besser auf die Seite, sonst können wir den Platz vor der Säule nicht mehr nutzen", bemerkte Heiko Müller (SPD). Ortsbürgermeister Franz-Josef Scharfbillig (CDU) begrüßte die einheitliche Kennzeichnung der Baudenkmäler, hätte den Igeler Orientierungsstein aber lieber aus Sandstein, dem gleichen Material wie die Igeler Säule, und nicht aus Beton. Für Beton spricht sich Werner Oeffling (FWG Scharfbillig) aus: "Der rote Faden soll gewahrt bleiben." Beton sei gut formbar und witterungsbeständig, verteidigt Projektleiter Werner Gersabeck vom Landesbetrieb Liegenschafts- und Baubetreuung die Materialwahl. Die Igeler Säule sei für die Schriftzüge und Piktogramme kein gutes Beispiel, weil sie nicht begehbar sei, meint Gersabeck. Dagegen könnten etwa die Porta Nigra mit ihren Etagen oder die Kaiserthermen so dargestellt werden, dass selbst Sehbehinderte die Wege ertasten und eventuell sogar nachgehen könnten. Der Gemeinderat Igel hat - ebenso wie die Stadt Trier - noch nicht sein Einvernehmen für das neue Leitsystem erteilt. Erst wenn weitere Planungsdetails vorliegen, wollen die Igeler Gemeindeväter entscheiden.