Wunderland und Wirklichkeit

TRIER. 2007 steht alles im Zeichen des röhrenden, leuchtend blauen Hirsches: Das Logo der Kulturhauptstadt ziert Zeitungen und Plakatwände. Im Rahmen dieses Großprojektes sind auch Jugendliche gefragt.

Mit den Regie- und Musikprofis Alexander Etzel-Ragusa und Michael Kiessling wird ein Musical erarbeitet, das einen tiefgründigeren Blick auf die allerorts grassierenden Castingshows wirft. Unterstützt werden sie dabei von jemandem, der sich in dieser emotional aufgeladenen Welt bestens auskennt: DSDS-Star Anke Wagner. "Oh guck mal, da ist ja mein Romeo", entfleucht es einer etwa 17-Jährigen, als sie ihre Augen durch den gut gefüllten Ballettsaal der Tuchfabrik schweifen lässt. Der junge Mann erblickt sie, kommt auf sie zu… Was klingt wie eine Jugend-Romanze, ist in Wirklichkeit ein schlichtes Arbeitsverhältnis: Die beiden spielen bei einer gemeinsamen Theaterproduktion das Liebespaar. Die Bretter, die die Welt bedeuten können, sind dem Großteil der rund 70 Jugendlichen nicht fremd: Schultheater, Gesangsausbildungen, Familienfeiern oder gar Schauspielschulen - sie alle kennen es und können so einiges. Sichtlich erfreut lauschen Alexander Etzel-Ragusa und Michael Kiessling in der Vorstellungsrunde dem geballten Talentpotenzial. Männer sind Mangelware in der großen Runde. Einen, der nur als Motivationsstütze mitgekommen war, packt das Bühnenfieber: "Ich bin eigentlich nur mitgekommen, um meine Freundin zu begleiten, aber das klingt so spannend, dass ich mir ernsthaft überlege, doch mitzumachen." "Das" ist ein Musical-Projekt, welches sich mit dem Phänomen des musikalischen Massencastings auseinandersetzt. Statt plakativer Abbildung der Publikumsrenner setzen die Verantwortlichen auf eine Überhöhung der Wirklichkeit. Surreale Elemente und die Unterfütterung mit einer literarischen Vorlage verleihen dem Ganzen Tiefe. Carroll Lewis' "Alice in Wonderland", das den meisten nur in der Walt-Disney-Verfilmung bekannt ist, ähnelt der Castingshow-Situation: Ein junges Mädchen kommt in eine Welt, in der es sich behaupten und vor allem auch treu bleiben muss, was ihm allerlei Gestalten erheblich erschweren. Von einem Aspekt der Fernseh-Variante des Massencastings distanzieren sich die Macher dieses Musicals: "Bei uns soll jeder mitmachen können", stellt Michael Kiessling klar. Dass es durchaus anders zugeht, wird Anke Wagner, Sechste bei Deutschland-sucht-den-Superstar 2004, die das Team unterstützen wird zu berichten wissen. Einig ist sich das künstlerische Duo in der Art der Rollenverteilung. Menschlich klingt es, wenn sie von Aufwärmen, Improvisationsübungen und dem Zurechtfinden in der rhythmischen und harmonischen Welt erzählen. Zeit ist hier kein drängendes Element - noch nicht. Da die Premiere von Alice am 21. April in Saarbrücken stattfindet, wird es Anfang 2007 ernst und die Osterferien zur ganz heißen Probephase.Von Rock bis Hip-Hop

Das alles scheint die 16-Jährigen nicht zu schrecken, als Theatererfahrene kennen sie das Prozedere und auch die Arbeit, die hinter einer solchen Produktion steckt. Multitaskingfähig scheinen sie alle zu sein: Singen, Tanzen, Schauspielern - das Dreierpaket beherrschen viele von ihnen seit Jahren. Musikalisch will Michael Kiessling die gesamte Bandbreite abdecken: "Von Rock bis zum Hip-Hop wird alles vertreten sein, sowohl gecoverte Versionen als auch eigene Songs."