Ying-Maria und Yang-Karl

Viez-Jupp macht sich Gedanken um eine Karl-Marx-Statue und deren Standort in Trier.

Mit allem Drum und Dran gut sechs Meter hoch soll die Statue von Karl Marx werden, die Trier geschenkt bekommt. Damit wäre auch die Frage beantwortet, ob es sich bei dem vor knapp 200 Jahren in der früheren Brückergasse geborenen Mann wirklich um den größten Sohn der Stadt Trier handelt. Peter Franz Weißebach hat es beispielsweise zu nicht mehr als zu einer übersichtlichen Gedenktafel in seinem Palastgarten geschafft, bei den anderen Persönlichkeiten sieht es meist noch mickriger aus.

Nicht nur geschenkten Gäulern schaut man nicht ins Maul. Dies gilt auch für das Bronze-Teil, das die Volksrepublik China der Stadt unbedingt schenken will. Nur wohin mit dem guten Stück? Der Simeonstiftplatz gilt als favorisierter Aufstellungsort. Ob das funktioniert? Am Ende finden sich bei den Ausschachtungsarbeiten für das Fundament wieder irgendwelche römischen Thermen. Und dann haben wir wieder den Salat.

Deshalb sollte man direkt in großstädtischen Dimensionen denken und den Metall-Marx auf dem Franzensknüppchen montieren. So als Gegengewicht zur Mariensäule, die auf dem Pulsberg thront. Das hätte gleich auch etwas Fernöstlich-Philosophisches. Ying-Maria auf der einen Seite, Yang-Karl auf der anderen.

Das wäre dann auch so etwas wie die Neuauflage des frühneuzeitlichen Zweikampfs vom Hauptmarkt. Auf der einen Seite der Dom, dessen Südwestturm Erzbischof Richard von Greiffenklau zu Vollrads nach 1512 aufstocken ließ, weil ihm der Turm der Bürgerkirche St. Gangolf zu hoch geraten schien. Auf der anderen Seite die von den Bürgern errichtete Steipe, wo eine dem Dom zugewandte Figur mit geschlossenem Visier deutlich machen sollte, wo der Hammer hängt. Fehlt eigentlich nur noch die Sichel, sagt
Viez-Jupp

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