Zähneknirschendes Ja zu Mehrkosten beim Museum

Hermeskeil · Es war eine Entscheidung, die der neue Stadtchef als "alternativlos" bezeichnete. Der Hermeskeiler Rat hat am Dienstagabend die Mehrkosten von rund 450 000 Euro beim Bau des Feuerwehrmuseums akzeptiert und einem Nachtragsetat zugestimmt. Damit kann die Stadt die Rechnungen bezahlen, die sie bei Firmen noch offen hat. Abgerechnet wurde noch in anderer Hinsicht.

Hermeskeil. Markige Worte gab es im Rat zuhauf, und sie waren alle auf das im April eröffnete Feuerwehrmuseum gemünzt. Klaus-Peter Breuer (Linke) titulierte es als "Geldvernichtungs-Protzbau". Thomas Museler (FWG) sprach von einem "Desaster". Grund für die Aussagen waren die Mehrkosten, die beim Bau entstanden sind. Im Vergleich zur Schätzung aus dem Jahr 2013 ist der Preis fürs Museum um weitere 450 000 Euro geklettert. Dessen Gesamtkosten liegen nun bei 4,77 Millionen Euro.
Der Rat verabschiedete einen Nachtragsetat. Somit lassen sich die Mehrkosten finanzieren. Die Stadt kann nun die offenen Rechnungen von Firmen bezahlen.
Über eine Stunde listeten zunächst Architekt Christoph Eiden und zwei Ingenieurbüros auf, an welchen Stellen das Museum teurer wurde (siehe Extra).
Gesetzlicher Vertreter der Stadt war während der Bauarbeiten der nicht mehr wiedergewählte und aus der Politik ausgeschiedene Ex-Bürgermeister Udo Moser (BFB). Er habe "Aufträge für eine Goldrandlösung nach Gutsherrenart und ohne Rücksprache mit dem Rat erteilt", kritisierte Bernd Mende (CDU). Das Bauamt der VG habe das zu wenig kontrolliert und den Überblick über die Kosten verloren.
Der TV wollte gestern Moser zu diesen Vorwürfen befragen. Er war aber nicht für eine Stellungnahme erreichbar."Wir müssen nach vorne schauen"


Mosers Nachfolger Mathias Queck (CDU) sagte in der Sitzung, dass es aus seiner Sicht "keinen Sinn macht, einen Bürgermeister, der nicht mehr im Amt ist, zu sehr in die Haftung zu nehmen". Es helfe nicht weiter, "sich zu sehr mit der Vergangenheit aufzuhalten. Die Mehrkosten sind angefallen. Wir müssen jetzt nach vorne schauen und dafür sorgen, dass das Museum ein Erfolg wird".
Paul Gemmel (SPD) ging im Rat ausführlich auf die seit 2007 andauernde Entstehungsgeschichte des Museums mit mehrfachen Kostensprüngen ein. Der erst seit Sommer im Rat sitzende Gemmel sagte, "dass die gesamte Baumaßnahme von Anfang an schöngerechnet wurde, um sie politisch durchzusetzen". Nach den Schätzungen von 2008 hätte die Stadt laut Gemmel einen Eigenanteil von 300 000 Euro (geschätzte Gesamtkosten damals: 1,6 Millionen Euro ohne Gastronomieteil) schultern müssen. Nun sind es fast 2,5 Millionen Euro. Museler sprach von einer "Katastrophe hoch drei". Er lastete dem Architekten, dem Bauamt der VG, aber auch dem Stadtrat Fehler an. Breuer betonte als Sprecher der Fraktion Linke/Piraten, dass beide Parteien von Anfang an gegen das Projekt waren, "das uns nun an den Rand der Handlungsfähigkeit gebracht hat".
Klaus-Peter Trösch von der BFB nahm seinen früheren Mitstreiter Moser in Schutz. Die Aufträge seien zumeist vor Ort in Absprache mit den Fachleuten erteilt worden, und es habe dafür plausible Gründe gegeben.
Die große Mehrheit des Rats (14 Jastimmen) schloss sich Quecks Auffassung an, dass man dem Nachtragsetat "zähneknirschend" zustimmen müsse. Gemmel, Breuer und Ottmar Muno (Piraten) lehnten das ab. Aus den Reihen der SPD-Fraktion gab es drei Enthaltungen. Einigkeit bestand im Gremium darüber, dass sich die finanziellen Zusatzbelastungen durch das Museum auf andere geplante Projekte auswirken. So war im Rat davon die Rede, dass die Neugestaltung des Donatusplatzes und der Straßenausbau in Abtei verschoben werden müssen.Meinung

Viel zu hoher Preis
Für das Feuerwehrmuseum hat Hermeskeil im wahrsten Sinn des Wortes einen viel zu hohen Preis gezahlt. Mit dem Prestige-Projekt, bei dem die Kosten völlig aus dem Ruder gelaufen sind, nimmt die ohnehin schon schlechte finanzielle Lage der Stadt fast desaströse Züge an. Unter der Last des Museums wird Hermeskeil noch lange, lange ächzen. An anderen Stellen der Stadt muss deswegen der Rotstift regieren. Die Misere lässt sich aber nicht auf nur einen Buhmann abwälzen. Bis auf wenige Ausnahmen gab es ein kollektives politisches Versagen. Trotz mancher Bedenken haben fast alle Entscheidungsträger das Museum letztendlich gewollt. Nun müssen sie auch mit diesem zu teuren Bau leben. a.munsteiner@volksfreund.deExtra

Die Posten, die für die Mehrkosten im Museum verantwortlich sind, ziehen sich durch alle Gewerke. So sind bei der Elektrotechnik 50 000 Euro dazugekommen, bei den Außenanlagen 32 000 Euro, bei der Heizung 28 000 Euro und bei der Lüftung 31 000 Euro. Laut Eiden rührten die höheren Beträge teils daher, weil während des Bauablaufs "unvorhersehbare Kosten" entstanden sind. So musste im Altbau des früheren Heimatmuseums eine statisch wichtige Holzkonstruktion abgestützt werden. Zum größeren Teil hätte aber die Stadt als Bauher Änderungen gewünscht und zusätzliche Aufträge erteilt, die dann ausgeführt wurden. So wurden auf der Terrasse des Gastronomieteils drei große Schirme zusätzlich aufgestellt, für die nachträglich Fundamente gebaut werden mussten. ax