Zank um ein Protokoll

TRIER. In Trier stehen die Räder der Kommunalpolitik offenbar nach der Oberbürgermeister-Wahl still. Die Tagesordnung des Stadtrates, der am Donnerstag tagt, verheißt nur Routine. Man zankt sich lieber hinter den Kulissen, wie eine E-Mail von FDP-Mann Karl-Josef Gilles an Schuldezernent Ulrich Holkenbrink (CDU) zeigt.

Die Polit-Schlacht um den neuen Rathaus-Chef ist längst geschlagen, der Sieger heißt Klaus Jensen (unabhängig) - aber Wahlverlierer Ulrich Holkenbrink kommt nicht zur Ruhe. Vergangenen Samstag bekam er nach TV-Informationen elektronische Post. "Mit Befremden" hätten drei der fünf Stadtratsfraktionen das Protokoll der nichtöffentlichen Kulturausschuss-Sitzung vom 14. September zur Kenntnis genommen, ließ Gilles den Schul- und Kulturdezernenten wissen. Worum geht´s? Karl Lübeck, Kürenzer Ortsvorsteher und UBM-Stadtrat, hat offenbar im OB-Wahlkampf der angeblich unabhängigen Linie seiner Fraktion getrotzt und im Ausschuss fröhlich dem Kulturdezernenten "einen erfolgreichen Verlauf der Wahl" gewünscht. Genutzt hat es nichts, Holkenbrink verlor die Wahl. Doch das Ganze hat ein Nachspiel: Eine solche persönliche Äußerung sei in einem Protokoll deplatziert, klagt nun Karl-Josef Gilles in seiner Mail an Holkenbrink und spöttelt, sonst müssten "auch Ihre Wünsche zu einem schönen Abend regelmäßig Bestandteil des Protokolls sein". Eine Reaktion von Holkenbrink auf die E-Mail erfolgte anscheinend noch nicht, doch viele Stadtratsmitglieder klopfen sich vor Schadenfreude auf die Schenkel. Denn das Thema UBM-"Hilfe" für Holkenbrink ist nicht neu. Auch Fraktionschef Manfred Maximini und dessen Ehefrau hatten im Wahlkampf ihre Sympathie für den Trierer CDU-Chef erkennen lassen. An harten politischen Themen herrscht derzeit Mangel. Das Max-Planck-Gymnasium wird dem Beispiel anderer Schulen in Trier folgen und strebt ab dem Schuljahr 2007/2008 ein Ganztagsangebot an. Dazu soll eine Mensa eingerichtet werden, wozu der Stadtrat wohl seinen Segen geben wird. Keine gegensätzlichen Auffassungen gibt es auch bei weiteren Themen wie einer Gebührenordnung für das Städtische Museum Simeonstift oder den Anmeldungen zum Investitionsstock 2007, bei denen unter anderem 1,3 Millionen Euro zur des Moselstadions sowie 727 000 Euro für Infrastrukturmaßnahmen im Rahmen der Kulturhauptstadt vorgesehen sind.