Zehn Darsteller - ein Kinofilm

Zehn Darsteller - ein Kinofilm

In sechs Minuten zeigt Regisseur Ulrich Hufschmidt, wie Menschen mit Behinderungen ihren Alltag erleben. Sie erzählen über ihre Freunde, ihre Hobbys, ihre Lieblingsfarben.

Trier. Es ist kurz vor 11 Uhr. Joachim Casper, 48, macht sich mit seinem Fahrrad auf zum Filmtheater Broadway. Vor der Tür wartet Freund Christian auf ihn. Heute hat der Kurzfilm "Jeder Mensch ist einzigartig" Premiere - er wird künftig vor den eigentlichen Kinofilmen laufen.
"An einem Samstag habe ich den Brief bekommen. Ich soll bei einem Kurzfilm mitmachen", erinnert sich Protagonist Joachim Casper. Für ihn sei sofort klar gewesen, dass er teilnimmt. "Da war ein Fragebogen. Gleich machte ich mich daran, ihn zu beantworten." An einigen Passagen habe er lange gefeilt, trotzdem war er der Erste, der den Bogen abgegeben hat. Endlich war es dann so weit. In der Arena wurde gedreht. "Ich bin mit dem Fahrrad hingefahren, wie ich es eigentlich immer mache." Seine Aufgabe sei es gewesen, vor der Kamera Fragen zu beantworten.
Am Tag der Premiere ist er nicht aufgeregt, obwohl er den Film noch nicht kennt. "Mein Beitrag zum Film war nicht groß. Man muss da nicht aufgeregt sein", sagt er. Er freut sich über das volle Foyer des Kinos. Dort gibt es Getränke und ein kleines Büfett. Ein Pianist begleitet den Empfang. Casper sieht sich um: "Viele Menschen bedeutet immer Wertschätzung. Wenn ich mich hier umsehe, denke ich, ich werde sehr wertgeschätzt."
Entstanden ist die Idee zum Film im Integrationsfachdienst des Caritasverbands. Er ist ein Beitrag zur bundesweiten Caritaskampagne "Kein Mensch ist perfekt". "Wir arbeiten mit Behinderten", erklärt Leiterin Monika Berger. Viele Menschen glauben, dass sei schwer. Das stimme nicht. "Diese Menschen haben eine Menge Gestaltungskraft, um etwas zu verändern."
Endlich wird der Kinosaal geöffnet. Mehr als 100 Leute nehmen auf den lilafarbenen Sitzen Platz, auch Joachim Casper. Er wirkt ganz ruhig, als sehe er sich einen Kinofilm an, nicht als ob er gleich selbst auf der Leinwand auftaucht. Vor einem weißen Hintergrund erscheinen nacheinander zehn Menschen mit Behinderung. "Ich bin schwerbehindert", bekennen sie. Dann erzählen sie aus ihrem Leben. Casper erzählt, dass er gerne Fahrrad fährt, weil er dann garantiert einen Parkplatz in der Stadt bekommt. Seine beiden Fahrräder heißen Taxi und Finanzamt. Mit Humor, aber auch intimen Statements geben die Zehn Einblicke in ihr Leben. Ihr Leben sei so, weil sie sie selbst sind, nicht weil sie eine Behinderung haben.
Extra

Joachim Casper leidet an einem Schädel-Hirn-Trauma. Er stammt aus Bullay an der Mosel. Nach einer Lehre als Bankkaufmann hat er in Trier Betriebswirtschaftslehre studiert. Heute ist er beim bischöflichen Generalsekretariat im Bereich Medienkompetenzen und Kommunikation angestellt. Mit seinem Beitrag zum Film will er zeigen, dass behinderte Menschen ganz normal leben können. ass

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