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Zehn Jahre nach der Trennung: Ex-Freund erschießt Trierer Ärztin und Ehemann in Eberbach

Zehn Jahre nach der Trennung: Ex-Freund erschießt Trierer Ärztin und Ehemann in Eberbach

Zehn Jahre nach der Trennung hat ein 59-Jähriger in Eberbach bei Heidelberg seine ehemalige Partnerin und deren Ehemann erschossen. Die Frau war ärztliche Leiterin des Sozialpädiatrischen Zentrums Trier. Der Täter beging Selbstmord. Grausige Vorstellung: Ein Kind hielt sich zwei Tage allein mit seinen erschossenen Großeltern in einem Haus auf.



Am 21. Dezember hatte sich Dorothee Thaler in Weihnachtsurlaub verabschiedet. Der sollte heute enden, aber die 56-jährige Leiterin des Sozialpädiatrischen Zentrums Trier wird nicht mehr an ihre Arbeitsstelle in der Luxembuger Straße in Trier zurückkehren. Die Medizinerin und ihr Mann (65) sind im gemeinsamen Haus in Eberbach (bei Heidelberg) erschossen worden.

Die Nachricht vom Doppelmord hat nicht nur die 15.000-Einwohner-Gemeinde geschockt. Auch in der Region Trier ist das Entsetzen groß. "Unfassbar und tragisch. Ich muss immer noch nach Worten suchen. Den Kolleginnen und Kollegen geht es ebenso", sagt Hans Tilly (61), der Geschäftsführer der Einrichtung, die mehr als 3000 entwicklungsgefährdete und behinderte Kinder betreut: "Wir haben eine hochkompetente und außerordentlich engagierte Ärztin verloren. Sie hinterlässt eine große Lücke - auch menschlich."

Auch die Ärztekammern in Rheinland-Pfalz äußerten sich bestürzt über den Tod ihrer Kollegin. "Die Trierer Ärztin hat sich mit großem Idealismus und viel Leidenschaft für die Förderung ihrer kleinen Patientinnen und Patienten eingesetzt", hieß es in einer Mitteilung. Ihr ebenfalls ermordeter Ehemann war Lehrer saß im Eberbacher Gemeinderat.

Den Ermittlungen zufolge hat sich der Täter am Abend des 1. Januar Zutritt zum Haus des Ehepaares verschafft, womöglich mit Hilfe eines Ersatzschlüssels, dessen Versteck er kannte. Im Haus gab er sieben Schüsse ab, drei trafen den Mann, zwei die Frau. Der Täter, der in Heilbronn lebte, war von 1994 bis 2003 der Lebensgefährte von Thaler. Er hatte in den vergangenen Wochen versucht, den Kontakt zu der 56-Jährigen wieder aufzunehmen.

Erst am Freitagvormittag und damit zweieinhalb Tage nach der Tat waren die Leichen entdeckt worden. Das Kind hatte schließlich die Haustür geöffnet und sich weinend vor die Tür gesetzt. Eine Nachbarin wurde darauf aufmerksam und alarmierte die Polizei. "Wir gehen davon aus, dass das Kind vom Tatgeschehen nichts mitbekommen hat", sagte der Leiter der Sonderkommission, Marcus Winter.

Das Motiv für die Tat ist noch unklar. Der 59-Jährige habe nach der Trennung von seiner Freundin einen sozialen Niedergang erlebt, erläuterten die Ermittler. Zuletzt sei sein Auto stillgelegt worden. "Die Zwangsräumung seiner Wohnung stand unmittelbar bevor", sagte Winter.

Der Doppelmörder hatte sich nach der Tat von einer Brücke bei Tauberbischofsheim gestürzt. Die Polizei fand bei ihm und in seiner Wohnung mehrere Schusswaffen und mehr als 1000 Schuss Munition. Er sei als Mitglied eines Schießsportverbands legal im Besitz der Waffen gewesen, so die Polizei.

Laut Polizei hatte der 65-Jährige geahnt, dass Gefahr drohte. Wenige Tage vor der Tat habe er seinem Sohn gesagt, dass er bei dem 59-Jährigen kein gutes Gefühl habe. Und er wisse, dass dieser Waffen besitze.