Zehn Tassen Kaffee

TRIER. Lastwagen-Fahrer Torsten Weinert setzt sich frühmorgens hinters Steuer, damit seine Ladung rechtzeitig am Ziel ist. Die Müdigkeit bekämpft der 44-Jährige mit viel Schlaf und zehn Tassen Kaffee pro Tag.

Es ist fünf Uhr früh am Morgen, als Torsten Weinert die vier Leiterstufen aus seiner Lastwagen-Kabine hinunterklettert. Die vergangene Nacht hat er auf einem schmalen Bett verbracht, das sich hinter den Fahrersitzen seines Lastwagens befindet. Um ihn herum, im Industriegebiet Monaise, ist es beklemmend still. Nur die Fahnen, die vor den Firmensitzen im Wind flattern, sind zu hören. Weinert hatte seinen Lastwagen auf dem Hof der Spedition "Bickel Logistics", seinem Arbeitgeber, geparkt. Nun geht er zur Morgentoilette ins Firmengebäude. Bald werden auch die Lagerarbeiter kommen, deren Schicht um sechs Uhr beginnt. Doch die Wege des Lastwagen-Fahrers und seiner Kollegen kreuzen sich fast nie, denn Weinert kommt unter der Woche nur selten nach Trier.Unterwegs in ganz Europa

Dass er heute im Hof der Spedition übernachtet hat, ist eher die Ausnahme. "Wir Lastwagen-Fahrer werden immer von A nach B geschickt", erzählt er. Unter der Woche ist Weinert kreuz und quer in Europa unterwegs. Zu Hause bei seiner Frau in Völklingen ist der gebürtige Berliner nur am Wochenende. An welchem Ort auch immer er in seiner Lastwagen-Kabine übernachtet, frühes Aufstehen gehört für ihn praktisch zum Beruf. Um sechs Uhr wird er den Lastwagen an diesem Tag vom Hof steuern. Diese Uhrzeit ist für den Fernfahrer fast schon Luxus: "Manchmal fahre ich auch um zwei oder drei Uhr nachts los." Und wie hält er sich wach, wenn er mitten in der Nacht aufstehen muss? "Am besten ist natürlich ausreichend Schlaf. Außerdem trinke ich sehr viel Kaffee", erzählt Weinert. Auf zehn Tassen schätzt er seinen täglichen Konsum.Freie Zeiteinteilung und viel Landschaft

Auch jetzt hat er einen Plastikbecher Kaffee in der Hand, als er aus dem Firmengebäude kommt und noch einmal den Lastwagen auf Mängel untersucht. Die Lichter am Trailer funktionieren, und auch die Reifen haben genug Luft: Die Fahrt kann beginnen. Er steigt hinauf in seine Kabine, eine Art zweites Zuhause. Ein Kühlschrank und verschließbare Fächer erinnern an das Innere eines Campingwagens. Nummernschilder aus Texas und Kanada - Erinnerungsstücke aus dem Urlaub - hat er hinter die Windschutzscheibe gelegt. Auf dem Bett liegt ein Buch, das er zurzeit liest: "Andere Kollegen bauen sich eine Satellitenschüssel zum Fernsehen auf. Ich lese in meiner Freizeit eben sehr gerne Krimis." Und dann steht da noch ein Wasserkocher auf dem Boden, für die tägliche Ration Kaffee. Zunächst wird er an diesem Tag nach Wittlich fahren und dort Paletten mit Papier abliefern, die er am Tag zuvor in Kehl aufgeladen hat. Von Wittlich aus geht es nach Koblenz, von dort nach Irrel. Ob er danach Feierabend hat, weiß er noch nicht: "Es kann sein, dass der Disponent mich noch woanders hinschickt." Wohin die Reise geht, erfährt er meist einen Tag vorher. Nur wenn er für einen Transport eine Woche unterwegs ist, zum Beispiel nach Griechenland und zurück, weiß er es früher. Bei solchen Fahrten genießt er den Anblick der Landschaften, die er durchquert. "Ich mag es, einen Tag hier und einen anderen woanders zu sein." Abgesehen von den vorgeschriebenen Ruhezeiten, die er als Lastwagen-Fahrer einhalten muss, kann er sich seine Zeit selbst einteilen. Am Wochenende wird er dann den Lastwagen stehen lassen und im eigenen Bett übernachten: "Ich freue mich schon darauf, wenn ich richtig ausschlafen kann."

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