Trier : Zeigen, was man kann!

Die Lebenshilfe-Werke feierten ihr 50-jähriges Bestehen mit einem Jubiläumsfest mit einer vierstelligen Besucherzahl in der Diedenhofener Straße in Trier.

Das Festzelt ist gerammelt voll. Klar, Mittagszeit, viele wollen das große Angebot beim Jubiläumsfest der Trierer Lebenshilfe-Werke ausprobieren. Immerhin gehört das Hofgut Serrig als Außenstelle seit 1979 dazu (siehe Info). Aber vor allem der Auftritt der Theatergruppe Rampenfieber füllt die Bankreihen. „Das etwas andere Jubiläum“ heißt die Krimi-Komödie, die Ergotherapeutin Karoline Johann und Thomas Neukirch einstudiert haben.

Die Schauspieler, die alle eine Beeinträchtigung haben, brauchen sich vor keiner Laienspielgruppe zu verstecken. „Wir setzen uns alle zusammen, lassen jeden was sagen, machen Brainstorming, damit jeder sich einbringen kann. Die Leute haben wirklich gute Ideen“, erklärt Johann, wie die Stücke entstehen. Dann werden die Rollen nach Fähigkeiten verteilt. „Die einen können mehr Text, die anderen weniger auswendig lernen“, erklärt die Ergotherapeutin. „Alle sind sehr diszipliniert. Ich wundere mich immer wieder, dass unsere betreuten Mitarbeiter mit einer geistigen Behinderung so viel Text lernen können. Aber da merkt man, dass sie eine unheimlich hohe Motivation haben“, sagt Neukirch. Diesmal geht es um einen weltbekannten Geheimagenten, der nach 50 Jahren im Dienst zeigt, was er kann.

Genau das will auch das Team der Lebenshilfe-Werke beim Jubiläum: Zeigen, was man kann. Und das ist eine ganze Menge. Rund 750 Menschen, etwa Dreiviertel davon mit Beeinträchtigung, sind in der Diedenhofener Straße in Trier und am Hofgut Serrig beschäftigt. Von klassischen Montagearbeiten, über Schreinerei, Schlosserei bis zur Korbflechterei reichen die handwerklichen Tätigkeiten, die in bei den Werkstattführungen gezeigt werden. Dazu kommen Dienstleistungen im Gartenbau, der Gebäudereinigung und als Großküche.

Wichtig sind aber auch kreative Arbeiten als Ausgleich zu teils monotonen Montagen. Dabei stellte sich bei einem contergangeschädigten Mitarbeiter eher zufällig heraus, dass dieser filigran mit dem Mund schreiben und zeichnen kann, sagt Anne Plohmann, die mit zwei Kollegen an einem Stand in den Lebenhilfe-Werken hergestellte Handarbeiten verkauft. „Wir wollen unsere Arbeit sichtbar. Das ist auch ein Signal für Inklusion: Wir wollen das transparent machen, was wir machen“, betont Lebenshilfe-Werke-Geschäftsführer Martin Herz, dass man mit dem großen Fest zum 50-jährigen Bestehen bewusst die Öffentlichkeit sucht.

Verstecken muss man Menschen mit Behinderung sowieso nicht. Das war nicht immer so, wissen Marlies und Dieter Schmitz, die selbst einen erwachsenen, schwerstbehinderten Sohn haben. „Die Menschen sind offener geworden“, sagt Marlies Schmitz. „In den ersten Jahren, als man die Behinderung bei unserem Sohn sah, weil er sich anders verhalten hat, da wurde man schief angeschaut. Mittlerweile sind die Menschen offener und hilfsbereiter.“

Ganz selbstverständlich rollt deshalb auch die Fairplay-Tour am Ende ihrer mehr als 800 Kilometer langen Radrundfahrt durch die Großregion beim Lebenshilfe-Werke-Jubiläum ein. Wolfram Leibe ist als Schirmherr des Jubiläumsfests von der Symbiose begeistert: „Hier wird Arbeit und Spaß am Leben mit dem Fairplay-Gedanken zusammengeführt“, sagt Triers Oberbürgermeister.

Weitere Informationen zum Trierer Verein Lebenshilfe gibt es im Internet unter der Adresse
www.lebenshilfe-trier.de

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