Zeittafel zur Geschichte der jüdischen Gemeinde in Trier

Zeittafel zur Geschichte der jüdischen Gemeinde in Trier

Die jüdische Gemeinde in Trier hat eine lange Tradition und Geschichte. Bereits 1066 wird sie erstmals erwähnt. Ein Rückblick.

1066: erste Erwähnung einer jüdischen Gemeinde.

1096: Judenverfolgung beim ersten Kreuzzug.

13. Jh.: Juden bilden organisierte Gemeinde unter einem Judenbischof. Tätigkeiten als Geldverleiher, Ärzte, Apotheker und Händler.

14. Jh.: Tendenz zur Schließung des Judenviertels. 1338 verpflichtet der Erzbischof die Stadt zum Schutz der Juden.

1349: Untergang der Gemeinde infolge allgemeiner Verfolgung zur Zeit des Schwarzen Todes. Die Juden wurden erschlagen, ihr Gut geraubt, die Schuldbriefe verbrannt, der Friedhof verwüstet. Nur wenige Trierer Juden überleben.

1418: Vertreibung der Juden. Sie siedeln in klösterlichen und adligen Herrschaften in der Umgebung Triers: u.a. Aach, Butzweiler, Freudenburg, Oberemmel.

1561: Im gesamten Erzstift werden 23 Familien zugelassen. Gegen Ende des Jahrhunderts leben wieder Juden in der Stadt.

17. Jh.: Tätigkeiten im Geldgeschäft und Handel. Isoliertes Randgruppendasein im Schutz der Landesherren. Verstreutes Wohnen in der Stadt. Synagoge in der Weberbach, Friedhof außerhalb in der Weidegasse.

18. Jh.: Streitigkeiten zwischen Stadtverwaltung und den Juden, die zwar in der Stadt wohnen, aber keine
städtischen Bürger sind und keine Lasten zu zahlen haben.

1794: Infolge der Französischen Revolution und der Besetzung des Rheinlandes Bürgerrechte für die Juden, dadurch auch gleiche Kontributionslasten.

1808: Schaffung des jüdischen Gemeindesystems durch Bildung eines Konsistoriums, bestehend aus zwei Rabbinern und drei Laien, die von jüdischen Notabeln gewählt werden.

1850: Verfassungsrevision: Die bürgerlichen und staatsbürgerlichen Rechte werden unabhängig von der Religion garantiert.

1857 bis 59: Bau der neuen Synagoge am Zuckerberg.

19. Jh.: Bestehen einer israelitischen Volksschule, Handel mit Kurzwaren, mit Vieh und Pferden.

20. Jh.: Viele Juden sind in kaufmännischen und akademischen Berufen tägig. Zahlreiche Auswanderungen nach Amerika.

1918: Jüdische Beamte und Richter in Trier.

1933: 796 Juden in Trier, 824 im Trierer Land. Verstärkte Auswanderung nach Amerika, Palästina und das westliche Ausland.

1935: "Nürnberger Gesetze".

1938: "Kristallnacht".

1941: Jeder Jude muss den Judenstern tragen.

1941 bis 45: Mehr als 600 Juden aus Trier und Umgebung werden in den Osten deportiert.

1956: Bau einer neuen Synagoge in der Hindenburg-/ Kaiserstraße.

1985: Errichtung einer Stele an Stelle der alten Synagoge am Zuckerberg.

(nach Dr. Reiner Nolden, Stadtarchiv Trier. "Trier vergisst nicht" heißt ein im letzten Jahr vom Stadtarchiv herausgegebenes Buch, das 1700 jüdische Bürger aus dem Raum Trier erfasst und Einzelschicksale dokumentiert.)

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