Zeugen widersprechen sich

Im Prozess gegen den Trierer Schrotthändler Luis C. haben am Donnerstag zwei Männer ausgesagt, mit denen C. im Vorfeld über die ihm vorgeworfenen Straftaten gesprochen haben soll. Die Aussagen der beiden Zeugen widersprechen sich allerdings.

Trier. Fest steht bislang wenig im Prozess gegen den Trierer Schrotthändler Luis C. vor dem Trierer Landgericht. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm zwei schwere Raubüberfälle vor und einen Einbruch. Sachbeweise dafür hat sie allerdings nicht. Die Anklage stützt sich vorrangig auf einen Hauptbelastungszeugen. M. - ebenfalls Schrotthändler in Trier - hatte für die Polizei als inoffizieller Informant, als sogenannter V-Mann, bei den Ermittlungen fungiert. Bei seiner Aussage an einem zurückliegenden Verhandlungstag war M. allerdings ins Schwimmen geraten (der TV berichtete)."Habe immer abgelehnt"


Am gestrigen Verhandlungstag stimmten nun die Aussagen zweier weiterer Zeugen, mit denen der Angeklagte vor den Taten Kontakt gehabt hat, nicht überein.
Sicher scheint, dass sich der Angeklagte C., Zeuge W. und Zeuge S. 2009 mehrfach getroffen haben. Worüber dabei gesprochen wurde, ist unklar. Zeuge S. behauptet, dass es mehrfach darum ging, bei welchen Familien und Firmen - zum Beispiel einem Antiquitätenhändler in Nähe der luxemburgischen Grenze - sich ein Einbruch oder Überfall lohnen könne. Tippgeber für vermeintlich lukrative Adressen sei dabei laut S. ein "Versicherungsmann" gewesen, der C. mit den Infos versorgt habe. C. habe W. und S. daraufhin gefragt, ob sie bei einem "Bruch" mitmachen würden. "Ich habe mit dem Gedanken gespielt, aber immer abgelehnt", sagt S. Allerdings habe er einen Kontakt zu einem im Saarland wohnenden Mann hergestellt.
Mit diesem hat der Angeklagte C. später tatsächlich zwei Raubüberfälle begangen - wobei C. als Fahrer fungierte, während der Saarländer auf der Suche nach Geld zwei Frauen in deren Häusern zusammenschlug.Angeklagter beschuldigt V-Mann


Für diese Taten ist der Saarländer zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt worden (der TV berichtete). Die beiden weiteren Raubüberfälle und ein Einbruch, die die Staatsanwaltschaft C. außerdem anlastet, bestreitet dieser allerdings. Vielmehr habe M., Hauptbelastungszeuge und V-Mann der Polizei, diese organisiert und durchgeführt, möglicherweise mit Hilfe der Zeugen W. und S.
Zeuge W. bestreitet allerdings, dass bei den Treffen mit C. und S. überhaupt über potenzielle Überfälle gesprochen worden sei. "Richtig ist, dass C. mir 2009 angeboten hat, mit ihm einen Einbruch zu verüben. Der Tipp dazu stammte von M. Ich lehnte allerdings ab, kein Interesse", sagte W. gestern vor Gericht. Bei allen anderen Treffen mit C. und S. sei es nicht um potenzielle Straftaten gegangen.
Als Ottmar Schaffarczyk den Zeugen S. mit W.\'s Aussage konfrontiert, bei ihren Treffen sei nie über Straftaten gesprochen worden, widerspricht dieser: "Das ist nicht wahr - W. war bei mehreren dieser Gespräche dabei."Drei weitere Verhandlungstage


Der Angeklagte C. macht ebenfalls von seinem Fragerecht Gebrauch. Statt Fragen zu formulieren, wirft er W. allerdings indirekt vor, die Treffen selbst organisiert zu haben. Die beiden Zeugen hätten dabei stets auf Russisch Dinge unter sich besprochen. "Warum durfte zum Beispiel bei diesen Gesprächen kein Handy auf dem Tisch liegen?", fragt der Angeklagte C. den Zeugen W. "Daran kann ich mich nicht erinnern", antwortet dieser. Und Richterin Petra Schmitz wirft, gerichtet an den Zeugen W., ein: "Vielleicht, weil Sie sicher sein wollten, dass Ihre Gespräche nicht mitgeschnitten werden?"
Polizei und Staatsanwaltschaft hatten bei ihren Ermittlungen zunächst auch die Zeugen S. und W. verdächtigt und W. auch in U-Haft genommen. Unter anderem, weil beide den Angeklagten C. belasteten, konzentrierten sich die weiteren Ermittlungen auf diesen. Wer tatsächlich hinter den Raubüberfällen und dem Einbruch steckt, blieb allerdings auch beim achten Verhandlungstag unklar. Angesetzt sind drei weitere Verhandlungstage, der nächste für den 5. Juni.

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