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Zewener wollen ihre Obstplantagen behalten

Zewener wollen ihre Obstplantagen behalten

Zu einer Bürgerinformation zur umstrittenen städtebaulichen Entwicklungsmaßnahme in Zewen sind rund 100 interessierte Bürger gekommen. Sie kritisierten Unwägbarkeiten in der Planung - die Fachleute aus der Verwaltung geben ihnen teilweise recht.

Trier. Die Zewener sind alarmiert: Der Stadtteil könnte in einigen Jahren um 560 Wohneinheiten für bis zu 1200 Bewohner anwachsen. Wo heute große Obstplantagen fast bis an die Mosel reichen, soll dringend benötigtes neues Bauland entstehen (der TV berichtete). Doch es gibt Widerstand: Anlieger fürchten sich vor noch mehr Verkehr im damit ohnehin geplagten Stadtteil. Zudem, sagen sie, seien die grünen Flächen wichtig als Überschwemmungsgebiete und für die Frischluftzufuhr der Stadt. Ebenfalls beunruhigend: das Instrument der "Entwicklungsmaßnahme", die auch eine Enteignung bedeuten kann. Betreffende erfuhren das aus einem Flyer, adressiert "an die Alteigentümer".
Im Rahmen der jüngsten Sitzung des Ortsbeirats haben Mitarbeiter des Stadtplanungsamts die Bürger informiert - die zahlreich und gut vorbereitet erschienen. Zunächst ging Stadtplanerin Heike Defourny auf häufige Kritikpunkte ein:
Gewässerschutz: Weil aus einer im fraglichen Gebiet liegenden Quelle kein Trinkwasser mehr gewonnen wird, ist dort schon seit 1993 kein Wasserschutzgebiet mehr, erklärt Defourny.
Hochwasserproblematik: Die bisher für die Entwicklungsmaßnahme grob vorgesehenen Flächen lägen außerhalb der "100-jährlichen Überschwemmungsflächen", innerhalb derer die Ausweisung neuer Bauflächen grundsätzlich gesetzlich verboten ist.
Stadtklima: Externen Gutachten eines Hannoveraner Büros zufolge habe eine mögliche Bebauung keine Auswirkungen auf das Stadtklima, weil sie auf der abgewandten ("Lee"-)Seite liege. Der Altort Zewen bleibe sicherlich "der bioklimatisch beste Wohnstandort in der Talstadt", sagt Defourny.
Die Auswirkungen auf die Landwirtschaft: Ein aktualisierter Entwurf spreche den Landwirten rund acht Hektar mehr Fläche zu als vorher. Generell gelte aber, sagt Defourny: "Bei Aufstellung eines Flächennutzungsplans müssen oft miteinander konkurrierende Belange abgewogen werden." Nicht nur der engagierte Anwohner Rüdiger Fusenig war damit noch nicht zufrieden: Er kritisierte, wie die Anwohner per Flugblatt aufgeschreckt worden seien - und dass man "über viel Unbekanntes" rede: etwa die Grenzen der Maßnahme, die unklare Erschließung des Gebiets und wie diese mit der geplanten Umgehungsstraße verbunden werden soll.
Stefan Leist, stellvertretender Leiter des Planungsamts, gab Fusenig recht - vor allem, was die Kommunikation betrifft: "Aus heutiger Sicht würden wir uns gleich mit einer Veranstaltung wie dieser an sie richten!" Es habe generell viele Missverständnisse gegeben: Die Entwicklungsmaßnahme selbst laufe noch gar nicht, sondern sei noch in einer frühen Vorprüfungsphase. Somit könne zu genauen Grenzverläufen noch keine Aussage getroffen werden. Und was die Umgehung und damit die Erschließung der möglichen neuen Baugebiete angeht, nähert sich der Stadtplaner sogar der Meinung Fusenigs an, der die Maßnahme "auf Eis" sehen will, solange Unklarheiten bestehen: Die Umgehung sei vom Stadtrat in Zusammenhang mit einem möglichen Moselaufstieg gefordert worden - und der Bund prüfe gerade ihre Aufnahme in den Bundesverkehrswegeplan. Bis das geklärt sei, sei fraglich, ob dem Stadtrat die städtebauliche Maßnahme empfohlen werden könne, sagte Leist. "Und derzeit ist die Neigung des Stadtplanungsamtes so, dass wir das nicht können."