Ziel: Die Neuinszenierung der Römerbrücke

Trier · Die Stadt will die Römerbrücke angemessen präsentieren. Deshalb hat sie einen Wettbewerb zur Umfeldgestaltung gestartet. Zum Auftakt geben Experten Empfehlungen ab; in einem Workshop am 11. November können Bürger mitreden. Diese Ergebnisse bilden die Grundlage des eigentlichen Wettbewerbs, an dem sich Planungsbüros beteiligen. Das Ergebnis soll Ende 2012 vorliegen.

Völlig unter Wert präsentiertes Weltkulturerbe-Bauwerk: Triers Römerbrücke. TV-Foto: Roland Morgen

Trier. Es klang fast nach Entschuldigung. OB Klaus Jensen und Baudezernentin Simone Kaes-Torchiani betonten in der Auftaktveranstaltung am Mittwochabend in den Viehmarktthermen mehrfach, wie wichtig und sinnvoll der Römerbrücken-Wettbewerb sei. Verständlich. Die Stadt hat kein Geld und fordert Architekten auf, sich Gedanken darüber zu machen, wie die um 150 n. Chr. erbaute älteste deutsche Brücke "in Szene und in Wert" gesetzt (Jensen) werden kann.
"Monotones Moselufer"


Das nicht zu tun, wäre tatsächlich eine vertane Chance, denn 90 Prozent der Wettbewerbskosten (bis 300 000 Euro) zahlen Bund und Land aus Förderprogrammen für nationale Unesco-Welterbestätten. Trier kostet es also maximal 30 000 Euro, "zukunftsfähige Bausteine" (Simone Kaes-Torchiani) zu erhalten.
Zum Auftakt des vom Planungsbüro Pesch & Partner (Herdecke) betreuten Wettbewerbs zeigten Experten die aktuelle Misere auf. Täglich rollen fast 14 000 Kraftfahrzeuge, davon 200 Linienbusse, über die Römerbrücke. Sie für motorisierten Verkehr zu sperren, hält Ralf Huber-Erler (Büro R+T, Darmstadt) für unrealistisch: Dann wäre der Verkehrskollaps vor allem an der Kaiser-Wilhelm-Brücke programmiert. Auch die offiziell getrennte Nutzung der Römerbrücken-Bürgersteige - der südliche (Richtung Konrad-Adenauer-Brücke) für Radfahrer, der andere für Fußgänger - ist laut Huber-Erler Unsinn. Es halte sich ohnehin niemand daran.
Ein Unding ist nach Auffassung von Stadtplanungsamtchefin Iris Wiemann-Enkler die Erlebbarkeit der Römerbrücke als antikes Bauwerk. Wer darüber geht, bekommt davon nichts mit. Und wer die imposanten Basaltpfeiler vom "monoton und langweilig gestalteten Moselufer" aus sehen will, muss erst einmal dorthin kommen - über steile und unansehnliche Treppenabgänge. Trier - eine Stadt am Fluss? Ganz sicher nicht, wie Prof. Christa Reicher (TU Dortmund) anhand von Beispielen wie Düsseldorf, Regensburg oder Maastricht zeigte.

Wie sich das im Bereich Römerbrücke ändern lässt und wie deren Umgebung dem Bauwerk angemessen gestaltet werden kann, soll der städtebauliche Wettbewerb aufzeigen. Am Donnerstag tagten unter Leitung von Christa Reicher in der Europäischen Rechtsakademie (Era) Experten in vier Arbeitsgruppen (Denkmalpflege/Archäologie, Verkehr, Stadtraum/Stadtgrün, Tourismus/Freizeit/Kultur).

Am Freitag, 11. November, 14 bis 18 Uhr in den Viehmarktthermen, haben die Trierer Gelegenheit, ihre eigenen Wünsche und Ideen in einem Bürgerworkshop einzubringen. Voranmeldung ist möglich über die Internetseite trier.de. Dort können ab Freitag auch alle bisherigen Informationen hochgeladen werden. Ansprechpartner: Rolf Weller (Stadtplanungsamt), Telefon 0651/718-3614.Meinung

Mitreden erhöht Handlungsdruck
Stell dir vor, es ist Weltkulturerbe - und keiner sieht\'s. So verhält es sich mit der Römerbrücke. Deutschlands ältester, seit 1850 Jahren vom Verkehr genutzter Flussübergang wird völlig unter Wert präsentiert. Die Hoffnung, dass der frisch gestartete Wettbewerb auf die Schnelle etwas daran ändern kann, ist gering. Aber immerhin ist die Römerbrücke schon einmal dorthin gerückt, wo sie hingehört: in den öffentlichen Blickpunkt. Im Gegensatz zum Porta-Nigra-Umfeldwettbewerb 2010, dessen Ergebnis auf wenig öffentliche Gegenliebe stößt, können die Trie rer diesmal mitreden. Das erhöht den Druck aufs Rathaus, Taten folgen zu lassen. Möglicherweise in kleinen Schritten und im Zusammenspiel mit privaten Investoren, was bei der Porta nicht möglich wäre. r.morgen@volksfreund.deExtra

"Ein wertvolles Objekt in einer Schale" - mit dieser Vision von der Porta Nigra haben das Planungsbüro Atelier Loidl und Leonard Grosch (Berlin) Ende 2010 den ebenfalls von Bund und Land geförderten Wettbewerb zur Umfeldgestaltung des römischen Stadttors gewonnen. Getan hat sich seither nichts. Selbst die von Baudezernentin Kaes-Torchiani für das vergangene Frühjahr angekündigte öffentliche Diskussion über die Wettbewerbsbeiträge steht noch aus. In Sachen Römerbrücken-Umfeld stehen nach Einschätzung der Dezernentin die Chancen auf baldige optische Aufwertung besser: "Hier können wir in kleinen Schritten vorgehen und private Investoren mit ins Boot nehmen." rm.