1. Region
  2. Trier & Trierer Land

Zigaretten, Autos und Lagerfeuer als häufigste Flächenbrand-Ursache

Feuer : Zigaretten, Autos und Lagerfeuer: Ursachen für Flächenbrände und die aktuelle Gefahrenlage

Flächenbrände in der Region Trier häufen sich. Hauptursache ist die Fahrlässigkeit der Bürger. Wie diese Brände entstehen und wie hoch die aktuelle Gefahr ist.

Fast jeden Tag konnte man in der vergangenen Woche über Flächenbrände im Trierischen Volksfreund lesen. Manchmal brannte es sogar an mehreren Orten gleichzeitig. Wir haben mit der Berufsfeuerwehr Trier und dem Brand- und Katastrophenschutzinspekteur für den Landkreis Bernkastel-Wittlich über die Ursachen und die aktuelle Risikolage gesprochen.

Auch wenn gerne die hohen Temperaturen für die vermehrten Brände verantwortlich gemacht werden: Rund 90 Prozent aller Brände entstehen durch menschlichen Einfluss, erklärt Jörg Teusch, Brand- und Katastrophenschutzinspekteur für den Landkreis Bernkastel-Wittlich. Die Hitze erhöhe zwar das Risiko und begünstige die Brandentwicklung, natürliche Ursachen für einen Brand seien aber selten. Nur in vier Prozent der Fälle sei beispielsweise ein Blitzeinschlag der Grund für einen Brand, sagt Teusch.

Glasscherben auf dem Waldboden oder Feldwegen werden oft als Ursache für Flächenbrände genannt. Teusch sieht das anders: „Das Entstehen von Wald- und Flächenbränden durch Glasscherben ist ein sich seit Jahrzehnten haltendes Märchen.“ Nur sogenannte Brenngläser seien in der Lage, ein Feuer zu entzünden – und das auch nur bei einem Abstand von 20 bis 30 Zentimetern zum Brandgut, sagt Teusch. Stattdessen seien Brandstiftung und Fahrlässigkeit die häufigste Brandursache in Deutschland. Dazu zähle das Wegwerfen von brennenden Gegenständen wie Zigaretten, nicht sachgemäß gelöschte Lagerfeuer und auf Wiesen abgestellte Fahrzeuge mit heißen Katalysatoren, sagt Teusch. Das bestätigt auch Andreas Palzer, stellvertretender Leiter des Amts für Brand-, Zivilschutz und Rettungsdienst der Hauptfeuerwache Trier. „Auch Funkenflug im Bereich von Bahnanlagen war schon ursächlich für Brände“, ergänzt Palzer. Vor allem, weil man am Wetter nichts ändern könne, betont Teusch, sei Aufmerksamkeit und Sorgfalt geboten. Auf Lagerfeuer und das Wegwerfen von Zigaretten soll also unbedingt verzichtet und Autos entfernt von trockenen Wiesen abgestellt werden. Auch das Entfernen von Unkraut mit einem Gasbrenner sollte man sich sparen, erläutert Teusch. Wichtig sei außerdem die frühzeitige Alarmierung der Feuerwehr über den Notruf 112.

In welchem Ausmaß die andauernde Hitze das Risiko für Flächenbrände erhöht, zeigen vor allem die Zahlen. „Die absolute Anzahl der Brände, die Wälder und Wiesen betreffen, sind hoch“, sagt Palzer. Jedoch sei die bisherige Anzahl der Brände in Anbetracht der lang anhaltenden Trockenheit und Hitze nicht ungewöhnlich, erklärt Teusch. Er sagt weiter, dass es der Umsicht der Bürger zu verdanken sei, dass es nicht noch mehr Brände gebe. Als häufigsten Grund für die zuletzt aufgetretenen Brände nennt Teusch heiß gelaufene Erntemaschinen. „Auch hier ist es positiv zu betrachten, dass die meisten Landwirte mit Wasserfässern und sogenannten Grubbern Vorsorge bei den Erntearbeiten treffen“, lobt er. Bis zum Eintreffen der Feuerwehr könne die Ausbreitung der Feuer dadurch begrenzt oder sogar gestoppt werden.

Wie hoch die Brandgefahr tatsächlich ist, ist in den letzten Tagen eine oft gestellte Frage. Da die Vegetation Wasser braucht und vieles sehr trocken ist, sei die aktuelle Gefahr hoch, sagt Palzer. Auch Teusch schätzt die aktuelle Brandgefahr als sehr hoch ein. Dabei verweist er auf den Waldbrandgefahrenindex und den Graslandfeuerindex des Deutschen Wetterdienstes. Der Deutsche Wetterdienst hat Stationen in Trier und stuft die Gefahr für Waldbrände über das Wochenende mit einer 3 ein. Das entspricht einer mittleren Gefahr. Bei dem Risiko für Graslandfeuer sieht die Situation schon etwas anders aus: Dort herrscht Gefahrenstufe 4, gleichbedeutend mit hoher Gefahr.

Die hohen Temperaturen haben allerdings nicht nur ein erhöhtes Brandrisiko zur Folge: Löschwasser kann je nach Brandort nur schwierig zu beschaffen sein. „Je nach Lage der Einsatzstelle ist die Löschwasserversorgung der kritische Punkt“, so Teusch. Die könne dann oftmals nur durch Tanklöschfahrzeuge oder das Verlegen von kilometerlangen Schlauchförderstrecken gewährleistet werden. Für die Schlauchförderstrecken halte der Landkreis Bernkastel-Wittlich einen Katastrophenschutzzug bereit, dieser verfügt über mehrere Kilometer Schlauchleitungen und entsprechende Verstärkerpumpen, erklärt Teusch. Außerdem seien auch große Gülle- und Wasserfässer der Landwirtschaft eine große Hilfe. Dort gäbe es Absprachen, um eine schnelle Verfügbarkeit gewährleisten zu können. „In Hinblick auf immer längere Hitzeperioden und dem damit verbundenen Absinken der Flusspegel bis zum Austrocknen wird uns dies in den nächsten Jahren vor große Herausforderungen stellen“, kündigt Teusch an. Zurzeit führe die Mosel jedoch noch genug Wasser, sagt Palzer. Neben der Entnahme von Wasser über Hydranten habe die Feuerwehr auch immer die Möglichkeit, Wasser aus offenen Gewässern, wie eben der Mosel, zu entnehmen. Grundsätzlich könne Palzer die Situation hinsichtlich ausreichendem Löschwasser nicht final beurteilen. Allerdings habe er noch nichts gehört, was darauf hindeuten könne, dass das Trinkwasser aus den Leitungen und damit die primäre Entnahmequelle der Feuerwehr für Löschwasser eingeschränkt wird.

Auch wenn die Beschaffung von Löschwasser zu einer Herausforderung werden könnte: Genug Einsatzkräfte seien bei der Berufsfeuerwehr Trier auf jeden Fall vorhanden, sagt Palzer. Auch im Landkreis Bernkastel-Wittlich stehen genügend Einsatzkräfte zur Verfügung. Dort gäbe es Absprachen, um eine schnelle Verfügbarkeit gewährleisten zu können. Außerdem arbeiten die Landkreise auch im Leitstellenbereich Trier über die Kreisgrenzen hinaus zusammen, sagt Teusch.