„Ziggis Kiosk“ ist Triers erster Späti – ohne Genehmigung

Kostenpflichtiger Inhalt: Ohne Genehmigung : Erster Späti - Ziggis Kiosk verkauft auch nachts in Trier noch Bier – aber nicht mehr lange

Einen Monat lang verkaufte Zinar Sanoglu vis-à-vis der Treviris-Passage bis in die Nacht Getränke, Schokolade und Zigaretten – ohne sich um das Ladenschlussgesetz zu kümmern.

Ein Stubbi kostet bei Zinar Sanoglu einen Euro. Aber der recht günstige Preis ist nicht die einzige Besonderheit in dem neuen Kiosk vis-à-vis der Treviris-Passage neben dem rückwärtigen Ausgang des Karstadt-Warenhauses in der Trierer City. Denn in Ziggis Kiosk gibt es das Flaschenbier auch um Mitternacht noch zu kaufen. An Wochenenden sogar bis 1 Uhr nachts. Und auch sonntags steht Sanoglu hinter der Theke seines kleinen Ladens.

Neben gekühltem und ungekühltem Bier in Six-Packs gibt es eine Kaffeemaschine, Zeitungen, Zeitschriften, allerhand Zigaretten und Tabak und ein ganzes Regal voll mit Chips und Flips. „Das Geschäft läuft gut, den meisten Umsatz mache ich nach 21 Uhr, wenn der Netto gegenüber zu hat“, sagt Ziggi Sanoglu.

Erlaubt ist das nicht.

Dass er mit seinen Öffnungszeiten gegen das Gesetz verstößt, habe er nicht gewusst, beteuert der 24-Jährige und macht große Augen. „Ich bin aus der Pfalz, in Ludwigshafen gibt es an jeder Ecke Spätis, die länger auf haben“, sagt er. „Da dachte ich, dass sei auch in Trier kein Problem.“

Doch das Ladenöffnungsgesetz ist in Rheinland-Pfalz eindeutig: Allgemeine Öffnungszeiten sind an Werktagen von 6 Uhr am Morgen bis 22 Uhr am Abend, feiertags und sonntags müssen Läden geschlossen bleiben. Ausnahmen – etwa verkaufsoffene Sonntage – müssen beantragt und gesondert genehmigt werden. Ansonsten dürfen nur Apotheken und Tankstellen sowie Läden in und rund um Bahnhöfe oder Flughäfen außerhalb der allgemeinen Öffnungszeiten Waren verkaufen.

In Ziggis Kiosk herrschte daher einen Monat lang so etwas wie Anarchie: „Ich habe Anfang Dezember eröffnet und hatte seitdem montags bis mittwochs immer bis 23 Uhr auf, donnerstags bis samstags bis 1 Uhr und an Sonntagen von 12 bis 21 Uhr“, sagt Sanoglu. Probleme habe es keine gegeben. „Die Leute kaufen ihre Chips, Schokolade, Zigaretten und auch Alkohol und gehen dann weiter.“ Rumlungernde Betrunkene oder Beschwerden von Anwohnern habe es nicht gegeben.

Tatsächlich sind beim städtischen Ordnungsamt, das für die Einhaltung der Ladenöffnungszeiten, für Lärmbelästigung und auch randalierende Betrunkene zuständig ist, offenbar keinerlei Hinweise auf das nächtliche Treiben eingegangen. Bis zur Nachfrage des Trierischen Volksfreunds war der Stadtverwaltung jedenfalls unbekannt, dass der Kiosk sich nicht an das Ladenöffnungsgesetz hält. Nun werde das Ordnungsamt allerdings mit dem Betreiber Kontakt aufnehmen und ihn auf die Einhaltung der gesetzlichen Zeiten hinweisen, erklärt Rathaus-Pressesprecher Michael Schmitz. Bußgelder bis zu 2000 Euro seien bei Zuwiderhandlungen möglich.

„Ich hoffe, dass sich da irgendwas regeln lässt und ich eine Sondergenehmigung bekomme“, sagt Ziggi Sanoglu. „Wenn ich um 22 Uhr zumachen muss und sonntags gar nicht öffnen darf, kann ich aus dem übrigen Umsatz Miete, Strom und das alles jedenfalls kaum zahlen.“ Und unterschrieben habe er für den kleinen Laden einen Fünf-Jahres-Mietvertrag.

Den Sinn des rigiden Ladenöffnungsgesetzes versteht er auch sonst nicht. „An der Treviris-Passage hält jede Minute ein Bus. 10 000 Menschen sind hier täglich unterwegs. Auch nachts ist viel los. Die Menschen freuen sich doch, wenn sie hier noch was zu trinken, essen, Tabak und Zeitungen kaufen können“, sagt Sanoglu.

Der 24-Jährige steht mit seiner Ansicht nicht alleine da. Schon vor rund drei Jahren hatte es in Trier anlässlich der Diskussion um die Zukunft der Aral-Tankstelle in der Ostallee eine Bürgerinitiative gegeben, die die Ladenöffnungszeiten als nicht mehr zeitgemäß bezeichnete und eine Aufweichung der strengen Schlusszeiten forderte. Mit der Verlängerung des Pachtvertrags der Tankstelle, die rund um die Uhr geöffnet hat und von Tiefkühlpizza über Butter, Eis und Milch Hunderte Artikel des täglichen Bedarfs verkauft, verlief sich diese Diskussion allerdings im Sande.

In Ludwigshafen gibt es übrigens offenbar tatsächlich vereinzelt Spätis, die es mit dem rheinland-pfälzischen Ladenschlussgesetz ebenfalls nicht so genau nehmen. „Aber sobald unser Ordnungsamt von solchen Fällen Kenntnis bekommt, handeln wir!“, betont der Ludwigshafener Rathaus-Pressesprecher Florian Bittler. „Denn selbstverständlich gilt das Ladenschlussgesetz auch bei uns!“

Im Juli 2019 lief so ein Einsatz nicht ganz ohne Widerstand ab: Nachdem der Kommunale Vollzugsdienst der Stadt Ludwigshafen einen Ladeninhaber, der gegen Mitternacht immer noch aufhatte, darauf hinwies, dass er schon längst geschlossen haben müsste, rückten die Ordnungskräfte am frühen Morgen noch einmal aus. Zum gleichen Geschäft. Weil der Betreiber sich weiter uneinsichtig gezeigt habe, verriegelte der Ludwigshafener Verwaltungsmitarbeiter kurzerhand höchstselbst die Zugänge zu dem Geschäft.