Zoff in Triers guter Stube

TRIER. Marktleute, Geschäftsleute und Passanten sind sauer: Eine Gruppe von Punkern hat Triers gute Stube zu ihrem Treffpunkt auserkoren. Aggressives Betteln, exzessiver Alkoholkonsum und Pöbeleien sind an der Tagesordnung.

Die beschauliche Idylle in Triers guter Stube ist derzeit für viele dahin, wenn immer wieder wütendes Hundegebell und Gebrüll über den Hauptmarkt tönen. Die Liste von Beschwerden der Marktbeschicker ist lang. Alkoholisierte Punker vergraulen ihnen die Kundschaft und schüchtern Kinder, Schülergruppen und Passanten mit aggressiver Bettelei ein. Manch einer wirft den jungen Leuten nicht nur ein paar Cent in die aufgestellte Kupferschale. Auch Scheine wechseln den Besitzer, haben die Marktleute beobachtet. "Und das bestimmt aus Angst vor den Typen." Leere Flaschen schmeißen die Punker in den Petrusbrunnen, und ihre Hunde hetzen sie aufeinander, so schildert es die Standbetreiberin Ursula Lautwein. Auch Krankenwageneinsätze habe es gegeben, wegen "besinnungslos betrunkener" Punker. Marktleute sauer auf Pöbel-Punker

Seit einigen Wochen ärgert sich die Marktfrau wie ihre Kollegen über die Zustände auf dem Hauptmarkt, aber auch über das Verhalten des zuständigen Ordnungsamtes. "Die fahren hier nur vorbei, anstatt mal auszusteigen. Die Punker kennen doch das Auto und verhalten sich dann ruhig. Wenn die Leute vom kommunalen Vollzugsdienst wieder weg sind, geht es weiter mit der Anpöbelei." So wurde einem Standbetreiber schon gedroht, über sein Gemüse zu pinkeln, wenn er noch mal das Ordnungsamt rufe. Und ein Passant berichtet, dass ihm unter Gewaltandrohung das Brötchen entrissen wurde. Die Vorgänge würden auch auf Touristen abschreckend wirken, glaubt Marktsprecher Helmut Kleinjohann. Tatsächlich machen die Stadtführer, die bereits unangenehme Bekanntschaft mit den Punkern machten, einen Bogen um die Gruppe. "Schade, dass das markante Marktkreuz von solchen Leuten belagert ist", so der Leiter der Tourist-Information, Hans-Albert Becker. Gäste hätten sich jedoch noch nicht beschwert. Dennoch scheinen die Punker für manche auch einen gewissen Unterhaltungswert zu haben. Bei einem Polizeieinsatz am Freitagnachmittag kam eine chinesische Touristengruppe aus ungläubigem Staunen gar nicht mehr hinaus - die bunt gefärbten Haarschöpfe und gepiercten Lippen hatten es ihnen sichtlich angetan. Aus ganz Deutschland kommen die jungen Hauptmarkt-Punker, denen sich gelegentlich Schüler und ältere Obdachlose anschließen. "Wenn die Leute vor uns Angst bekommen, ist das doch gut. Dann klappt das Schnorren besser", sagt einer, den die anderen "Krümel" nennen. Wie seine jugendliche "Ersatzfamilie" ist der Punk obdachlos und zieht durch die Städte - "uns will doch keiner haben." Seit Mitte Februar sind die kommunalen Ordnungshüter immer wieder wegen Pöbeleien auf dem Hauptmarkt im Einsatz und haben etliche Platzverweise ausgesprochen. Vorwürfe der Standbetreiber, zu wenig unternommen zu haben, weist Ralf Frühauf vom städtischen Presseamt als "völlig aus der Luft gegriffen" zurück. "Wir können natürlich nur dann tätig werden, wenn die Punker Ordnungswidrigkeiten wie Ruhestörung oder aggressive Bettelei begehen. Nur, weil sie anders aussehen, schreiten wir nicht gegen sie ein." Gleichwohl stellt Frühauf verstärkte Streifen in Zivil und einen verbesserten Informationsfluss zwischen Standbetreibern und dem Ordnungsamt in Aussicht. Gemeinsame Einsätze von Ordnungsamt und Polizei waren bislang die Ausnahme. Es sei nicht zu verstärkten Einsätzen oder Hilferufen wegen der Punker auf dem Hauptmarkt gekommen, sagt Polizei-Sprecherin Monika Peters: "Offenbar rufen die Leute wegen solcher Dinge eher den Trierischen Volksfreund an als die Polizei." Ihre Meinung in Kürze? E-Mail an echo@volksfreund.deName und Adresse bitte nicht vergessen.