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Zu Besuch bei Freunden: Frankreichs Botschafter Etienne trägt sich ins Goldene Buch ein

Zu Besuch bei Freunden: Frankreichs Botschafter Etienne trägt sich ins Goldene Buch ein

Dass Frankreichs Botschafter in Deutschland Trier einen Besuch abstatten, ist nicht die Regel. Philippe Etienne, seit September 2014 im Amt, war die Visite auch ein persönliches Bedürfnis. Und er will gerne wiederkommen "in die wunderschöne Stadt mit großer Geschichte", versicherte er im Rathaus nach der Eintragung ins Goldene Buch.

Trier. Ein Deutschland-Botschafter Frankreichs auf Trier-Visite - das ist zuletzt im Jahr 2000 der Fall gewesen, als Claude Martin gemeinsam mit seinem polnischen Amtskollegen Andrzej Byrt und dem rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Kurt Beck die Eröffnungsveranstaltung eines europäischen Jugendseminars an der Katholischen Akademie beehrte.

16 Jahre und drei Botschafter später ist es wieder so weit. Philippe Etienne, seit September 2014 Chefdiplomat Frankreichs in Berlin, hat mehrere Gründe, Trier einen Besuch abzustatten. Der wichtigste: "Ich möchte Danke sagen für die Sympathie und Anteilnahme, die sie uns nach den schrecklichen Ereignissen in Paris entgegengebracht haben."

Der Dank, den der 60-Jährige beim Eintrag ins Goldene Buch der Stadt ausspricht, gilt auch der Deutsch-Französischen Gesellschaft, vertreten durch ihren Präsidenten Joachim Schütze: "Ich habe viel Positives über ihre Arbeit im Sinne der deutsch-französischen Freundschaft gehört."

Und ehe die Journalisten überhaupt die Frage stellen können, welchen Stellenwert Trier, einstmals Frankreichs zweitgrößter Militärstandort nach Paris, heute zukommt, erklärt Etienne, es sei auch sein persönliches Interesse, "in die wunderschöne Stadt mit großer Geschichte zu kommen", einer Geschichte mit gemeinsamen gallischen Wurzeln. OB Wolfram Leibe vernimmt mit sichtlicher Freude, wie der Botschafter in brillantem Deutsch die "starken wirtschaftlichen und kulturellen Verbindungen und die lebendige Städtepartnerschaft mit Metz" beschwört. Etienne, in Begleitung des Vizechefs des französischen Generalkonsulats (Frankfurt), Franck Ristori, nach Trier gereist, verspricht, bald auch "privat und mit Familie" wiederzukommen in die Stadt, die er schon in jungen Jahren als Tourist kennen- und schätzen gelernt habe.

Weitere Station seines Trier-Besuchs am Dienstag ist der Schaltanlagen-Hersteller Natus (500 Mitarbeiter) in der Loebstraße. Auch das ein persönliches Anliegen des Botschafters. Er will ein international tätiges Trierer Industrieunternehmen kennen lernen, hat den Termin über das französische Konsulat in Berlin arrangieren lassen. Etienne spricht mit dem geschäftsführenden Gesellschafter Frank Natus über Wirtschaftsthemen wie Fachkräftemangel und Arbeitsmarktreformen, die es über kurz oder lang auch im Nachbarland geben dürfte. Natus zeigt sich nach 90 Minuten Betriebsbesichtigung und Unterredung sehr angetan. "Der Besuch zeugte von aufrichtigem Interesse und der Bereitschaft, sich einzusetzen für eine engere wirtschaftliche Zusammenarbeit über nationale Grenzen hinweg."