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Zu viele Fragen offen - Kostensteigerung für Beerdigungen um 200 Prozent?

Friedhofsgebühren : Zu viele Fragen offen bei letzter Ruhe - Kostensteigerung für Beerdigungen um 200 Prozent?

Ab Mai soll die neue Friedhofssatzung mit stark erhöhten Gebühren gelten. Doch es sind noch viele Details unklar.

Der Zeitplan ist eng. Am Donnerstag sollte der zuständige Dezernatsausschuss 4 des Trierer Stadtrats über die neuen Gebühren für die 17 städtischen Friedhöfe entscheiden, am 22. April der Stadtrat. Ab Mai sollten dann die neuen Gebühren gelten. Doch der Ausschuss hat nicht entschieden. Das hat gleich zwei Gründe.

Kosten für Beerdigungen für Kinder Für einzelne Beerdigungsarten steigen die Kosten teilweise um 200 Prozent. Beispielsweise beim Urnenbaumgrab mit Gemeinschaftsgrabmal von von 410 auf rund 1356 Euro.

Es trifft jedoch auch Eltern, deren junge Kinder gestorben sind. Darauf hatte die Aktion Sternenkinder hingewiesen. Diese kümmert sich um Eltern, die plötzlich mit dem Tod der Kinder konfrontiert sind. Kinder mit einem Gewicht von bis zu 500 Gramm können weiterhin bestattet werden, ohne dass die Eltern Gebühren zahlen müssen.

Anders sieht es bei Kindern aus, die mehr als 500 Gramm wiegen und keine sechs Jahre alt waren. Diese finden ihre letzte Ruhe in Kinderreihengräbern. Dafür müssen bisher 845 Euro gezahlt werden. Künftig sollen es 1660 Euro sein. Rechnet man die weiteren Kosten wie eine Hallennutzung dazu, kommt man Ende nach einer Berechnung der Aktion Sternenkinder auf rund 2400 Euro. Hinzu kämen in der Regel die Kosten des Bestattungsunternehmens. „Diese zusätzliche finanzielle Belastung neben der emotionalen Verlustsituation stellt junge Menschen oft vor einen extremen Einschnitt in ihren Alltag und ist kaum zu bewältigen“, heißt es im Brief an Baudezernent Andreas Ludwig.

Alle Ausschussmitglieder sind sich einig, dass an dieser Stelle eine Veränderung der neuen Satzung notwendig ist. Zumal es sich jährlich um durchschnittlich sechs Kinderbeisetzungen handele. Das konnten auch Michael Heimes und Jörg Casser von der zuständigen Abteilung StadtGrün nachvollziehen. Heimes weist in der Sitzung jedoch daraufhin, dass die Satzung so gestaltet sein muss, dass sie nicht durch ein Gericht kassiert werden kann.

Informationen für Ortsbeiräte Das sensible Thema Friedhofssatzung wird in jedem der 19 Stadtteile besprochen. Das ist teilweise bereits geschehen wie in Heiligkreuz oder in Tarforst, der Ortsbeirat Feyen-Weismark will das hingegen am 1. April in seiner Sitzung tun.

Als Grundlage für die Diskussion dient eine Präsentation. Mehr nicht. Denn laut Auskunft von Dezernent Andreas Ludwig könne es die Verwaltung nicht leisten, in allen Ortsbeiräten präsent zu sein. Das hätte beispielsweise Ausschussmitglied Rainer Lehnart (SPD) gerne, der auch Ortsvorsteher in Feyen-Weismark ist. Denn es gebe viel Beratungsbedarf bei diesem sensiblen Thema. Allein anhand der Präsentation ließen sich viele Fragen nicht abschließend klären. So will beispielsweise Christa Kruchten-Pulm (AfD) wissen, ob Beerdigungen für Jugendliche unter 15 Jahren nicht ebenfalls weniger kosten sollen. Auch das Thema Friedwald in Trier wird angesprochen.

Zudem habe die Vorlage zu spät vorgelegen, sagt Udo Köhler. Er müsse das Thema in der Fraktion besprechen. Der Christdemokrat beantragt deshalb eine Vertagung der Angelegenheit. Nun soll am 26. März erneut über das Thema debattiert werden. Eine im Ausschuss geforderte gemeinsame Informationsveranstaltung für alle Ortsbeiratsmitglieder gibt es hingegen wohl eher nicht.

Kirchliche Friedhöfe In der Stadt Trier gibt es zudem in St. Paulin, St. Matthias und in Trier-Irsch Friedhöfe in Trägerschaft der jeweiligen katholischen Pfarreien. Für St. Matthias sind beispielsweise derzeit mit Ausnahme einer Anpassung beim Gemeinschaftsgrabfeld mit Stele keine Veränderungen der Gebühren geplant.

Hinweis: In einer früheren Version des Textes sind falsche Zahlen verwendet worden. Die Kosten für ein Doppelwahlgrab belaufen sich aktuell auf 2770 Euro. Hinzu kommen Gebühren und das Herrichten der Grabstelle, so dass sich am Ende ein Betrag von 2420 Euro für ein einstelliges und 3805 Euro für ein zweistelliges Wahlgrab ergeben. Ein Wahlgrab (25 Jahre Ruhezeit) für einen Sarg an einer Stelle, die von den Angehörigen mit ausgesucht werden kann, soll beispielsweise künftig 2080 statt aktuell 1385 Euro kosten. Dazu kommen weitere Gebühren.