Zu wenige Jugendliche im Nachtbus

Zu wenige Jugendliche im Nachtbus

Bis weit nach Mitternacht bringen Nachtbusse junge Erwachsene am Wochenende nach dem Feiern von Trier zurück ins Ruwertal. Diesen Spätlinien könnte nun aber das Aus drohen, denn laut Betreibern bleiben die Fahrgäste aus. Jugendliche kritisieren, dass die Abfahrtzeiten nicht optimal seien.

Waldrach/Osburg/Schöndorf. Nach dem Kino- oder Diskobesuch in Trier bequem mit dem Bus nach Hause fahren: Diese Möglichkeit haben Jugendliche aus dem Ruwertal seit Anfang Januar. Sogar spätnachts gelangen sie donnerstags bis samstags um 3 Uhr mit Linien der Stadtwerke (SWT) vom Trierer Hauptbahnhof nach Waldrach (Linie 86) und Pluwig (81). Seit Mai bot die Rhein-Mosel-Verkehrsgesellschaft (RMV) freitags und samstags zusätzlich einen Spätbus in den vorderen Hochwald an. Die 23-Uhr-Fahrt der Linie R200 von Trier über Osburg, Thomm und Farschweiler nach Hermeskeil wurde dazu auf 24 Uhr verlegt. Das Angebot ist aber schon wieder eingestellt - und auch der Betrieb der SWT-Linie steht womöglich auf der Kippe. Im 24-Uhr-Bus von Trier Richtung Osburger Hochwald hätten weniger Leute gesessen als vorher im 23-Uhr-Bus, sagt Joachim Huber, Leiter der RMV-Niederlassung Trier. Einige Fahrgäste hätten sich sogar über die Änderung "geärgert", etwa drei Mitarbeiter eines Trierer Kaufhauses, die sich am Wochenende nach der 22-Uhr-Spätschicht mit dem Auto abholen lassen mussten. Busfahrer hätten zudem beobachtet, dass Nutzer des 24-Uhr-Busses oft schon um 23 Uhr am Bahnhof standen. Deshalb gelte nun wieder die alte Regelung.Zahlen liegen im November vor

Auch die SWT-Spätbusse ins untere Ruwertal werden von den Jugendlichen "nicht so angenommen wie zunächst geglaubt", sagt Bernard Busch, Bürgermeister der Verbandsgemeinde (VG) Ruwer. Bei einer Zählung im Mai nutzten an einem Wochenende im Schnitt sieben Fahrgäste den 3-Uhr-Bus. Laut Stadtwerken dauern weitere Messungen an, Ergebnisse liegen im November vor. Dann werde geprüft, ob das Angebot 2013 fortbestehe. Derweil setzen sich Jugendliche aus dem Ruwertal schon jetzt für den Erhalt der Spätbusse ein. Die Linien seien für junge Erwachsene am Wochenende "die einzige Möglichkeit, ohne hohe Kosten" von Trier nach Hause zu kommen - so schildern es die Betroffenen in Gesprächen mit VG-Jugendpflegerin Julia Eiter. Ländliche Regionen seien ohnehin "schlecht angebunden" und dürften nicht aus "rein wirtschaftlichen Gründen" weiter vom Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) abgehängt werden. Auch sei die Nutzung des Nachtbusses von Tag zu Tag unterschiedlich. Problematisch sei die späte Abfahrtzeit: Der ehemalige 2-Uhr-Bus sei stärker genutzt worden.Auch für Patrick Gehlen aus Schöndorf ist das ein entscheidender Punkt. Weil in seinen Heimatort nach 23 Uhr kein Bus mehr fährt, nimmt der 16-Jährige um Mitternacht die Linie nach Pluwig. Eine spätere Abfahrt wäre erst wieder um 3 Uhr möglich - eine "zu lange Zeitspanne", sagt Gehlen. "Optimal" sei ein Bus um 1.30 Uhr, "der auch bis Bonerath durchfährt". Dann müssten seine Bekannten auch nicht mehr nachts von Pluwigerhammer an der Landesstraße entlang kilometerweit nach Hause laufen. Für den Raum Schöndorf sucht die Verbandsgemeinde seit Monaten eine Lösung. Laut VG-Chef Busch ist eine Weiterführung der SWT-Linie über Pluwig hinaus bis Schöndorf "zu teuer". 38 Euro pro Fahrt, wie von den Stadtwerken für den speziellen Einsatz von Bus und Fahrer berechnet, seien nicht ohne öffentliche Zuschüsse möglich. Günstigere Alternativen gebe es nicht, auch keine Anrufsammeltaxis. Ob die SWT-Linie bis Pluwig und Waldrach überhaupt weiterfahre, sei nach Vorlage der Fahrgastzahlen zu prüfen. Insgesamt sehe die Situation "sehr ernüchternd" aus. Meinung

Jugendliche an Lösung beteiligenEin Nachtbusangebot bedeutet für Betreiber wie Stadtwerke und RMV zusätzliche Kosten, etwa für Sprit, längere Arbeitszeiten der Fahrer und Nachtzuschläge. Dass diese Angebote nur wirtschaftlich zu betreiben sind, wenn sie auch entsprechend genutzt werden, versteht sich von selbst. Da der Bedarf von den Jugendlichen immer wieder bekundet wird, stellt sich die Frage, warum die Nutzung dennoch geringer ausfällt als erwartet. Die bemängelten Abfahrtzeiten und die langen Zeitspannen dazwischen sind ein Anhaltspunkt. Um eine Lösung zu finden, die Buslinienbetreibern und Jugendlichen gleichermaßen entgegenkommt, sollten alle Beteiligten sich nochmals austauschen und ihre Bedürfnisse klären - damit die Linien auch auf längere Sicht Bestand haben. c.weber@volksfreund.de

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