Zuckerbrot und Peitsche

Wer ist Helmut Schröer? Diese Frage stellte sich mir, als ich im Juli 1999 zum TV kam und über den damaligen Fußball-Regionalligisten Eintracht Trier berichtete, recht bald. Immer wieder war ehrfurchtsvoll die Rede vom "OB". Man war sich einig: "Der macht das schon." Als die Eintracht gerettet war aus ihrer schlimmsten Not, der Insolvenz, bekam ich Weihnachten 2000 überraschend Post. "Lieber Herr Giarra", las ich da, "auch Sie haben Ihren Teil dazu beigetragen, dass dieses schwierige Unterfangen gelingen konnte. Vielen Dank dafür". Ich fühlte mich geschmeichelt.Helmut Schröer war auch zur Stelle, als ich im März 2003 Lokalchef für die Stadt Trier und den Kreis Trier-Saarburg beim TV wurde. "Ich freue mich, Sie haben es verdient", sagte er mir, und es war ehrlich gemeint, das konnte ich spüren. Wir hatten ein gutes Verhältnis, trafen uns häufig in seinem Büro oder zum Essen. Es waren faire, respektvolle Gespräche. Die Situation änderte sich schlagartig, als ich Ende 2003 mit Recherchen über diverse Vorfälle bei den Stadtwerken begann. Die seltsamen Verträge beim Bau der Parkhäuser City und Ostallee, die zu Millionenverlusten führten - all das war Schröer höchst unangenehm. Und das ließ er mich und viele andere spüren. Mehrfach erlebte ich Gesprächspartner, die beinahe vor Angst schlotterten: "Wenn der Schröer das erfährt..." Bis heute ist es mir unerklärlich, wie der OB meist schon nach wenigen Sekunden wissen konnte, mit wem ich gesprochen hatte. Er muss in den 30 Jahren dank seiner Kommunikationsfähigkeiten ein sehr, sehr enges Netzwerk geknüpft haben.

Geschimpft wie ein Rohrspatz

Als der CDU im Kommunalwahlkampf 2004 die Sache mit den Stadtwerken zu heiß wurde, bat der damalige Landesvorsitzende Christoph Böhr zu einem Krisengespräch ins Rathaus. Helmut Schröer schimpfte über mich wie ein Rohrspatz, berichteten mir Teilnehmer später. Offenbar nahm er die Kritik an seiner Arbeit persönlich, obwohl sie nie so gemeint war. Jedenfalls habe ich keinen Brief mehr von ihm bekommen. Dafür erntete ich einmal grimmige Blicke, als er erfuhr, dass seine Enkelin und meine Tochter manchmal gemeinsam spielen. Frank Giarra