Zufallsinferno aus heiterem Himmel

Trier · Der Tag, der alles verändert: Bis zum 14. August 1944 ist der Krieg weitgehend an Trier vorbeigegangen. Zwar greifen immer wieder kleinere Verbände Bahnanlagen und Brücken an, doch die 85 000-Einwohner-Stadt bleibt verschont. Dann kommen zehn amerikanische B-17-Bomber, die eigentlich ganz andere Ziele haben, vom Kurs ab …

Trier. Es ist ein Einsatz, bei dem von Beginn an nichts nach Plan abläuft. Heimathistoriker Hans Jürgen Hauprich (58) hat in alliierten Militärarchiven recherchiert. Die zehn Maschinen vom Typ B-17 ("Fliegende Festung"), die gegen 13 Uhr über Trier aufkreuzen, gehörten zu Verbänden, die vormittags in England gestartet sind, um Industrie- und Militäranlagen anzugreifen. Weil das Primärziel Stuttgart-Zuffenhausen unter einer geschlossenen Wolkendecke liegt, geht es weiter Richtung "Ersatzziel", einem Fliegerhorst bei Neustadt/Weinstraße. Auch dort herrschen schlechte Sichtverhältnisse. Nun gerät der Verschiebebahnhof Kaiserslautern-Einsiedlerhof ins Visier, doch dort kommen sich einige Maschinen in die Quere. Eingeläutete Angriffe werden abgebrochen. Die zehn B-17 verlieren den Anschluss und überfliegen eher zufällig Trier, wo beste Sichtverhältnisse herrschen. Neues Ziel: der Hauptbahnhof. Das Inferno nimmt seinen Lauf. Die Amerikaner verfehlen die Bahnanlagen um Hunderte Meter, die Anwurfbehälter mit insgesamt 11 000 Stabbrandbomben (Gesamtgewicht: 25 Tonnen) treffen die Altstadt mitten ins Herz. Der Greifenklau-Turm des Doms, Liebfrauenkirche, Konstantin-Basilika, Kurfürstliches Palais werden schwer beschädigt.
Laut Heimatforscher Adolf Welter (79) sterben mindestens vier Menschen, 1200 werden obdachlos.
Der Krieg ist in Trier angekommen. Mitte September beginnt US-Artilleriebeschuss von Luxemburg aus, am 25. Oktober rollen die ersten Evakuierungs-Züge ins "Hauptauffanggebiet Gau Thüringen". Am 19., 21. und 23. Dezember legt die britische Royal Air Force Trier endgültig in Schutt und Asche. rm.