Zuhören, ganz unelitär

TRIER. Sie besorgen Lebensmittel für Obdachlose, besuchen ältere Menschen im Seniorenheim und sammeln Geld für kranke Kinder: Seit – heute exakt – 15 Jahren setzen sich die jungen Mitglieder des Leo-Clubs Trier für gemeinnützige Projekte ein.

"Ich freue mich immer sehr, mich mit den älteren Damen zu unterhalten, weil sie eine andere Perspektive haben als wir jungen Leute", erzählt Ursula Obladen. Alle zwei Wochen besuchen die Mitglieder des Leo-Clubs Seniorinnen im Altenheim St. Elisabeth. Über Themen wie Bräuche, den Zweiten Weltkrieg oder Abtreibung unterhalten sich die Frauen, die altersmäßig einige Jahrzehnte auseinander liegen. "Ich freue mich, dass wir mit der heutigen Jugend so gut im Gespräch sind", sagt die 85-jährige Helene Aengenheister begeistert. "Müssen oft erst erklären, wer wir sind"

Die Besuche im Altenheim sind eine von zwei regelmäßigen Aktivitäten des Jugendclubs. Zweimal pro Monat sammeln die Mitglieder bei Metzgern und Bäckern übrig gebliebene Lebensmittel für ein Frühstück, das der "Arbeitskreis Obdachlosigkeit und für sozial Benachteiligte" (Akos) organisiert. Einmalige Aktionen ergänzen das Programm des Trierer "Leo-Clubs", der heute seinen 15. Geburtstag feiert. Beim diesjährigen Treffen mit anderen Leo-Clubs wollen sie in einem Trierer Behindertenheim gemeinsam ein Sommerfest auf die Beine stellen. Auch am jährlichen "Leo-Tag" beteiligen sie sich. So verkauften sie im vergangenen Jahr Teddybären an der Porta Nigra und spendeten die Einnahmen an ein Projekt für herzkranke Kinder. Vor Weihnachten baten sie die Besucher des Einkaufszentrums Tarforst, ein Lebensmittel für Trierer Obdachlose mit in den Warenkorb zu legen. "Es kamen 38 Kisten für Akos zusammen", erinnert sich Sabine Drewes, Präsidentin des Trierer Leo-Clubs. Dennoch seien solche Aktionen nicht immer leicht, sagt sie: "Anders als zum Beispiel Unicef müssen wir erst erklären, wer wir sind und was wir machen. Manchmal hören uns die Leute aber gar nicht erst zu." Zudem hätten sie auch mit dem Vorurteil zu kämpfen, "elitär" zu sein. Die "Leos" sind eine Jugendorganisation des "Lions Club", einer internationalen gemeinnützigen Gruppe, die mit "Rotary" vergleichbar ist. Daher sei es auch schwierig, zum Beispiel Auszubildende als Mitglieder zu gewinnen, sagt Sabine Drewes. "Viele denken, wir seien schnieke, aber das ist nicht so. Bei uns kann jeder mitmachen." Der Verein ist offen für Jugendliche zwischen 16 und 29 Jahren. Derzeit sind die Mitglieder des Leo-Clubs zum größten Teil Studenten verschiedener Fächer, die sich in ihrer Freizeit sozial engagieren und mit anderen jungen Menschen etwas auf die Beine stellen möchten. Gemeinsame Unternehmungen wie Kino, Grillabend oder Kanufahren stünden bei den "Leos" ebenso auf dem Programm, erzählt Drewes: "Wir möchten Gutes tun, für andere und für uns."