Zukunftsmalerei in Trier-Nord

Zukunftsmalerei in Trier-Nord

TRIER-NORD. Visionen brauchen einen Rahmen. Beides versuchten rund 60 Bürger am Wochenende im Balkensaal des Bürgerhauses Trier-Nord zu entwickeln. Zum zweiten Mal kam ein bislang nur in Trier-Süd praktiziertes Moderationsverfahren bei der 18. Bürgerbeteiligung in den Stadtteilen zur Anwendung. Auf einer Zukunftskonferenz entstand in intensiver und kompakter Arbeit an drei Tagen das richtungsweisende Profil für Trier-Nord im Jahre 2020.

"Mut machen, statt deprimieren, Gemeinsamkeiten finden, statt Konflikte schüren, den Blick auf die Zukunft richten", so umschrieb Heiner Schneider vom Büro Schneider Organisationsberatung mit Sitz in der Paulinstraße die Zielsetzung des dreitägigen Workshops. Gemeinsam mit Toni Loosen-Bach vom Amt für Stadtentwicklung und Statistik moderierte er die Zukunftskonferenz in Trier-Nord. "Mit dem Modell der Zukunftskonferenz hatten wir in Trier-Süd bereits eine sehr erfolgreiche Veranstaltung. Ich bin zuversichtlich, dass die Arbeit auch hier gut läuft", sagte Loosen-Bach nach den ersten Arbeitsstunden. Teilnehmer repräsentativ ausgewählt

Mit rund 14 000 Einwohnern ist Trier-Nord, neben Trier-Süd und -Mitte, einer der Trierer Mammut-Stadtteile, die verschiedene Bezirke und heterogene Quartiere mit unterschiedlichen Entwicklungsanforderungen vereinen: Maarviertel, Bahnhof, Paulin, Maximin, Stadion, Moselufer, Industriegebiet, Nells Ländchen. Repräsentativ wurden die Bürger aller Altersstufen und sozialer Schichten ausgewählt, die dort Probleme hautnah erleben und ihre Interessen in der gemeinsamen Arbeit artikulieren konnten. So saßen seit Freitag Studenten, Senioren, ehrenamtlich Engagierte mit Einzelhändlern, junge Mütter und Väter und Mitarbeiter sozialer Einrichtungen am runden Tisch. "Ich bin hier, um etwas am zukünftigen Leben im Stadtteil zu verbessern", sagte Svitlana Kirik (33), die seit zwei Jahren in Trier-Nord lebt und arbeitet. Als Arbeitsunterlagen dienten den Teilnehmern neben den statistischen Voruntersuchungen, ihren persönlichen Wünschen und Ideen auch ein Vorentwurf für den Stadtteilrahmenplan, den Diplom-Ingenieur Thomas Lang, Geschäftsführer der B.K.S. Ingenieurgesellschaft, vorstellte. Berücksichtigung fanden darin Projekte und Konzepte, die bereits bestehen oder sich für die Gesamtkonzeption und -entwicklung der Stadt in Bearbeitung befinden, wie das Verkehrs- und Mobilitätskonzept 2020 oder die Entwicklung des Bahnhofsbereichs. Zukunft aus Vergangenheit

Im ersten Schritt zeichneten die Teilnehmer ein Bild von der persönlichen, allgemein-historischen und stadtteilspezifischen Vergangenheit. Aus diesem gemeinsamen Überblick gingen erste Zukunftstrends hervor, in welchen Bereichen Handlungsbedarf besteht und welche positiven Entwicklungen weitergeführt werden müssen. Dazu zählen beispielsweise die Stärkung der Nahversorgung, der Erhalt der sozialen Einrichtungen, Betonung der Grünflächen, das Regionalbahn-Konzept, der Ausbau des Radwegenetzes, Verkehrsberuhigung, die Unterstützung der Wohnungsgenossenschaft am Beutelweg und die Weiterentwicklung des "Soziale-Stadt"-Programmgebietes. "Ich gehe davon aus, dass noch viele neue Gedanken in die Diskussion gebracht werden, und ich empfinde diese Veranstaltung als positives Zeichen. Bestehende soziale Probleme sollten nicht losgelöst von der baulichen Situation im Stadtteil gesehen werden, obwohl ich auch die Befürchtung habe, dass sich zu visionäres Wunschdenken nicht mit der finanziellen Realität vereinbaren lässt", sagte Teilnehmer Gustav Blank (57). "Im Stadtteil Trier-Nord hat sich in den letzten Jahren bereits viel entwickelt, aber wir sind erst auf dem Weg. Dabei werden wir aber genau auf die Richtung schauen, die die Bürger uns vorgeschlagen haben", versicherte Oberbürgermeister Helmut Schröer, dass das Engagement der Stadtteilbewohner von Stadtvorstand und politischen Gremien wert geschätzt werde. Das Bürgergutachten, in dem die Ideen der Zukunftskonferenz zusammengefasst werden und das Grundlage für den Stadtteilrahmenplan ist, soll nach der Sommerpause öffentlich präsentiert werden.

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