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Zum Heiligen Rock und zwei Aposteln

Zum Heiligen Rock und zwei Aposteln

Die Heilig-Rock-Wallfahrt 2012 wirft auf dem Büchermarkt bereits ihre Schatten voraus: Die Neuerscheinung "Der Heilige Rock im Dom zu Trier und auf dem Weg zu Jakobus und Matthias" (Verlag Weyand) befasst sich aber auch mit zwei weiteren großen Wallfahrts-Traditionen.

Trier. (rm.) Es ist eines der großen Rätsel der Trierer Kirchengeschichte: 1196 taucht der Heilige Rock erstmals als solcher in der schriftlichen Überlieferung auf. Anlass ist die Überführung der als Tunika Christi verehrten Reliquie in den neuen Hochaltar des Dom-Ostchores. Doch während abseits der Kathedrale das Wallfahrten boomt und sich zu einem lukrativen Wirtschaftszweig entwickelt, bleibt der Heilige Rock im stillen Kämmerlein. Das Volk pilgert zu den Gebeinen des Apostels Matthias in der Benediktinerabtei südlich der Stadt oder zu Simeon, der schon kurz nach seinem Tod 1035 heilig gesprochen und in der zur Kirche umfunktionierten Porta Nigra beigesetzt wurde. Erst 1512 holen die Domherren den Heiligen Rock hervor - auf Drängen Kaiser Maximilians I., der einen Reichstag nach Trier einberufen hatte. Es ist der Beginn einer nun fast 500-jährigen Wallfahrts-Tradition. Die öffentliche Ausstellung mobilisiert die Massen. Ob am 30. Juni 1512 tatsächlich 80 000 Menschen in Trier weilten, wie der Chronist berichtet, darf bezweifelt werden. Die Stadt selbst zählte damals gerade einmal 12 000 Einwohner. Als gesichert gilt hingegen die Zahl von mehr als zwei Millionen Pilgern, die zur siebenwöchigen Ausstellung 1933 nach Trier strömten. Seither wurde der Heilige Rock noch zweimal gezeigt: 1959 (1,8 Millionen Pilger in neun Wochen) und 1996 (700 000 in vier Wochen).

Die Matthias-Verehrung begann im 12. Jahrhundert. Noch heute nehmen jährlich rund 140 Gruppen den bis zu 400 Kilometer langen Fußweg zum Apostelheiligtum auf sich. Zudem ist Trier seit dem Hochmittelalter bedeutende Station auf dem Weg zum Jakobus-Apostelgrab in Santiago de Compostella (Spanien). Davon zeugen Straßennamen ("Jakobsspitälchen"), Statuen und Inschriften sowie die Pfarrei St. Jakobus in Trier-Biewer.

Über Trier als "Wallfahrts-Oberzentrum" berichtet ein kompetentes Autorentrio im neuen Taschenbuch "Der Heilige Rock im Dom zu Trier und auf dem Weg zu Jakobus und Matthias" (Weyand-Verlag, 8,90 Euro, erhältlich im Buchhandel). Prof. Bernhard Schneider lehrt Kirchengeschichte des Mittelalters und der Neuzeit an der Theologischen Fakultät. Markus Nicolay ist Pfarrer in Trier-Ehrang und Sekretär der St.-Jakobus-Bruderschaft Trier. Bruder Hubert Wachendorf ist Pilgerpfarrer und leitet das Pilgerbüro in St. Matthias.