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Zum Rücktritt von Thomas Schmitt: Es geht ums Prinzip

Meinung : Zum Rücktritt von Thomas Schmitt: Es geht ums Prinzip

Besser, der Impfstoff ist außerhalb der Prioritätenliste an Thomas Schmitt gegangen, als die Dosis zu vernichten.“ „Schmitt hat seinen Fehler erkannt, sich entschuldigt, und damit ist es getan.“ „Der Rücktritt ist unnötig, die Stadt verliert damit einen ihrer fähigsten Leute.“ So und ähnlich lauten die Kommentare derer, die es falsch finden, dass Thomas Schmitt sein Amt niedergelegt hat.

Und tatsächlich geht mit Schmitt die gebündelte Kompetenz in Sachen Theater-Sanierung und Feuerwehr-Neubau nun erstmal verloren. Der – auch emotional geprägte – Wunsch, dass der beliebte Beigeordnete bleiben soll, ist daher erstmal nachvollziehbar.

Aber alle diese Argumente gehören in eine Kategorie, die nicht geeignet ist, den Rücktritt Schmitts einzuordnen und zu bewerten.

Denn es geht nicht um den Vorteil an sich, geimpft zu sein. Nicht um die Lücke, die Schmitt im Stadtvorstand hinterlässt. Und auch nicht darum, dass – hätte er sich die Impfdosis nicht spritzen lassen – das kostbare Vakzin ungenutzt geblieben wäre.

Es geht alleine um den Anschein, der durch dieses Verhalten entstehen könnte.

Den Anschein, dass ein Politiker ein Privileg für sich ausgenutzt hat. Völlig unabhängig davon, ob dieses Privileg – hier die Chance, geimpft zu werden – ohnehin niemand anderem zu Gute hätte kommen können. Und auch völlig unabhängig davon, ob das Verhalten jemand anderem geschadet hat oder nicht. Und es geht auch nicht darum, dass er sich ja entschuldigt hat (mehr als einen Monat nach der Impfung).

 Ja, es geht um nichts weniger als das Prinzip. Um die Glaubwürdigkeit der politischen Klasse. Und die wiegt schwerer als eine ungenutzte Impfdosis.

Dass der Anschein entstehen könne, er habe sich Vorteile verschafft, führt Schmitt übrigens auch selbst als wichtigsten Grund für seinen Rücktritt an. „Politisch Verantwortliche müssen auch den bösen Schein vermeiden, damit die Glaubwürdigkeit des Systems erhalten bleibt“, heißt es in seiner Stellungnahme. Die moralische Messlatte für den Rücktritt liegt damit fraglos hoch. Dass andere Politiker, die außer der Reihe geimpft wurden – zum Beispiel der Oberbürgermeister von Halle und etliche seiner Stadträte – sie in ihren nachträglichen Rechtfertigungen noch nicht mal angedeutet haben, spricht für sich. Und für Thomas Schmitt.

c.wolff@volksfreund.de