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Zum Schutz vor Corona-Infektionen schaffen einige Städte ihre Bettelampeln ab - und Trier?

Kostenpflichtiger Inhalt: Corona-Krise : Virus-Angst am Drücker

Mehrere Städte stellen zum Schutz vor Covid-19-Infektionen ihre Ampeln um: Die Grünphase muss nicht mehr per Berührung angefordert werden. Ein Modell für Trier?

Drücken. Warten. Nochmal drücken. Dauert das heute lange! Und schon presst die Ungeduld den Finger gleich noch zweimal auf den Drücker. Jeder, der in Trier zu Fuß oder mit dem Rad unterwegs ist, kennt die Situation: An vielen Ampeln muss die Grünphase erst einmal angefordert werden. 110 dieser sogenannten Bettelampeln gibt es nach Angaben des Rathauses im Stadtgebiet.

Während man sich beim Herumgedrücke in normalen Zeiten allenfalls über mangelnde Selbstherrschung ärgert, spukt in der aktuellen Krise ein beunruhigender Gedanke im Kopf herum: Was, wenn der, der vor mir gedrückt hat, mit Corona infiziert ist?

Städte auf der ganzen Welt stellen derzeit mit Verweis auf die Ansteckungsgefahr ihre Taster-Ampeln so um, dass sie nach festen Zeitspannen automatisch Grün anzeigen. Vorreiterin ist die australische Metropole Sydney, in Deutschland haben zum Beispiel Dresden und Jena diesen Schritt beschlossen. „In Zeiten des Coronavirus sind wir alle angehalten, Gegenstände im öffentlichen Raum möglichst nicht zu berühren“, zitiert die „Sächsische Zeitung“ die Begründung von Dresdens Verkehrsbürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain.

Auch in Trier gibt es entsprechende Überlegungen: „Ich halte eine Abschaltung für sinnvoll“, sagt Johannes Ulbrich vom Trierer Kreisverband des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC). Er habe bei der Stadt angeregt, wegen der Corona-Infektionsgefahr die Bettelampeln abzuschalten.

Der ADFC kritisiert schon lange, dass Fußgänger und Radler im Gegensatz zu Autofahrern Grünphasen erst anfordern müssen: Das sei Ausdruck einer autofixierten Verkehrsplanung. In Köln und Hamburg zum Beispiel macht der ADFC nun in der Krise Druck auf die Politik und nutzt die Infektionsgefahr als zusätzliches Argument.

Ulbrich argumentiert dagegen moderat, er verweist darauf, dass die Verkehrssteuerung einer Stadt ein „sehr komplexes System“ sei. „Eine Abschaltung ist nichts, was man ad hoc machen kann.“ Und kostengünstig ist sie auch nicht gerade: Die Umprogrammierung in Dresden schlägt der „Sächsischen Zeitung“ zufolge mit bis zu 1000 Euro pro Anlage zu Buche.

Ist die Abschaltung von Bettelampeln ein Modell für Trier? Die Reaktion der Stadt kommt umgehend und ist deutlich: „Aus unserer Sicht macht die Deaktivierung der Taster wenig Sinn, da die Menschen womöglich den Taster aus Gewohnheit trotzdem weiter benutzen würden“, antwortet Sprecher Michael Schmitz auf die Anfrage des Trierischen Volksfreunds. Würden die Taster demontiert, entfielen zum Teil auch die akustischen Signale an den Fußgänger- und Radübergängen, argumentiert Schmitz. „Das ist sicher nicht im Sinne der Barrierefreiheit.“

Auch einer Desinfektion der Ampeln – in Heilbronn zum Beispiel säubern Mitarbeiter einer Reinigungsfirma ehrenamtlich die Drücker – erteilt Schmitz eine Absage: „Man müsste sie ja mehrfach am Tag desinfizieren, theoretisch nach jeder Benutzung, wenn man wirklich eine Übertragung vermeiden will.“ Das sei bei 110 Ampeln im Stadtgebiet schlicht nicht leistbar. Eine Desinfektion hält auch Johannes Ulbrich für „weltfremd“.

Wie groß die Gefahr ist, sich das Virus durch die Berührung von Oberflächen wie den Ampeln-Tastern einzufangen, ist nicht abschließend geklärt. Einig sind sich die meisten Wissenschaftler darin, dass die Übertragung von Covid-19 über eine solche Kontaktinfektion deutlich seltener vorkommt als eine Tröpfcheninfektion von Mensch zu Mensch (siehe Info).

Überhaupt hält Schmitz das Problem für eher gering: „Nach unserer Beobachtung haben viele Menschen ziemlich clever und ganz simpel reagiert und drücken den Taster mit dem Ärmel oder Ellenbogen, so dass sie keinen Hautkontakt haben.“

Das allerdings helfe in Trier nicht immer weiter, hält Ulbrich dagegen: „Nicht alle Ampeln funktionieren, wenn sie mit Textilien berührt werden. An manchen muss man ja auch die Handschuhe ausziehen.“