Zum Wohl auf 102 Jahre!

Mit 99 Jahren gab er zähneknirschend seinen Führerschein ab und stellte die Arbeit im Weinberg ein. 1915 war er zuletzt im Krankenhaus: Josef Neisius. In der Seniorenresidenz St. An dreas in Pölich feierte er seinen 102. Geburtstag und verblüffte auch an seinem Ehrentag die Gäste.

Pölich. (kat) Das war ein besonderer Tag für Josef Neisius: Bei sehr guter Gesundheit feierte er seinen 102. Geburtstag. An einem großen Tisch im Foyer des Altersheims saß der Jubilar mit 14 Gratulanten. Bei Kaffee, Kuchen und Wein wurden wichtige Stationen seines Lebens Revue passieren gelassen und Anekdoten ausgekramt: Am 14. August 1907 wurde Josef Neisius in Klüsserath geboren. Er arbeitete als Küfermeister, Winzer und Weinkommissionär. Fünf Jahre war er beim Militär und mehrere Jahre in Kriegsgefangenschaft. Zu Kriegsbeginn hatte er geheiratet. Die Ehe blieb kinderlos. Nach 57 gemeinsamen Jahren starb seine Frau. Seit 1995 kümmerten sich zwei Neffen aus dem Ort um ihren Onkel, der bis vor einem Jahr noch alleine in seinem Klüsserather Zuhause, dem Echternacher Hof, lebte.

Jahrzehnte hat der rüstige Senior, er war 1915 das letzte Mal im Krankenhaus, seinen Heimatort mitgeprägt: Er war Mitglied des Gemeinde-, des Pfarrgemeinde- sowie Pfarrverwaltungsrates und im Gesangverein.

Jagd, Orgelspiel und Autofahren



Eine seiner weiteren großen Leidenschaften war die Jagd. "Circa 80 Rehböcke hat er geschossen", sagte Kreisbeigeordneter Helmut Reis in seiner Glückwunschrede. Viele Klüsserather Bürgerinnen und Bürger kennen den 102 Jahre alten Mann auch als Orgelspieler in der Pfarrkirche des Moselorts. Und weil er mit 99 Jahren noch Auto fuhr, um im Gasthaus zu Mittag zu essen. "Es war schwierig, ihm das Auto wegzunehmen", berichtet sein 76-jähriger Neffe Hermann Wener von dem Onkel, der offenbar immer genau weiß, was er will.

Ebenso gerne wie Josef Neisius Wein trinkt, hat er für den Rebensaft im Weinberg gearbeitet. "Mit 99 Jahren hat er noch Trauben gelesen", erzählt Wener. Das Verbot eines Arztes vor etwa einem Jahrzehnt, auf die tägliche halbe Flasche Riesling und die geliebte Zigarre zu verzichten, habe er mit dem Satz "Ich bin so alt, die trinke ich weiter!" ignoriert. Eines seiner Gebote sei aber immer gewesen, nie Alkohol am Vormittag und nur in Maßen zu trinken.

Seit elf Monaten lebt der Klüsserather in der Seniorenresidenz in Pölich. Sein Interesse an dem Geschehen draußen ist ungebrochen. "Täglich liest er den TV", berichtet Heimleiter Eric Schmitt.

Auch Verbandsgemeindebürgermeister Berthold Biwer und Norbert Friedrich, Ortsbürgermeister von Klüsserath, überbrachten Glückwünsche und Geschenke. "Herr Neisius ist der älteste Bürger der Verbandsgemeinde", sagt Biwer. An solch einem Tag drängt sich förmlich die Frage nach dem Rezept für das lange Leben auf. Die verblüffende Antwort: "Ja, was wohl? Nicht sterben", antwortet Josef Neisius.