1. Region
  2. Trier & Trierer Land

Zunächst rauchen nun die Köpfe

Zunächst rauchen nun die Köpfe

Wird es 2008 auf dem Kaseler Festplatz wie anno 2003 einen Holzkohlenmeiler geben? Klar beantworten lässt sich diese Frage zurzeit nicht - wegen unguter Erfahrungen mit dem ersten Meiler bläst dem veranstaltenden Verein ein scharfer Wind ins Gesicht.

Kasel. Das erste Kaseler Köhlerfest hatte im heißen Sommer 2003 Tausende von Besuchern ins Ruwertal gelockt. Hauptattraktion war ein echter Holzkohlenmeiler, der tagelang glühte und dabei 30 Raummeter Holz in rund 50 Zentner schwarzen (Grill-)Brennstoff verwandelte. Doch nicht alle teilten die Freude am alten Handwerk. Bewohner von Kasel, Mertesdorf, Ruwer-Eitelsbach und sogar aus Pfalzel und Biewer beschwerten sich wegen der Rauch- und Geruchsbelästigung. Als dann der Meiler in einer Nacht fast außer Kontrolle geriet und dichte Qualmwolken spie, war bei vielen Anrainern die Toleranzgrenze überschritten. Ordnungsamt der VG Ruwer wird die Entscheidung fällen

Die Erinnerung an heiße Sommernächte bei hermetisch verriegelten Fenstern ist bei vielen Anwohnern noch frisch. Der Plan der Köhlerfreunde im Jugendring Kasel e.V., im August erneut ein Köhlerfest mit Holzkohlenmeiler aufzuziehen, stößt nun auf Widerstand. Protest wurde in den letzten Tagen nicht nur in Kasel laut. Auch in Mertesdorf und Ruwer-Eitelsbach regt sich Unmut. Festplatzanrainer Klaus Raskob hat in der Nachbarschaft Unterschriften gegen einen neuen Meiler gesammelt. Er will notfalls gemeinsam mit anderen auch rechtliche Schritte dagegen einleiten. "Wir sind nicht gegen den Verein oder gegen das Köhlerfest. Aber wir sind gegen diesen Meilerstandort im eng bebauten Ruwertal", betonen Raskob und andere mögliche Betroffene.In dieser Woche stand der Antrag der Köhlerfreunde auf Errichtung eines Meilers auf dem Festplatz erneut auf der Tagesordnung des Ortsgemeinderates Kasel. Die Sitzung stieß auf ein ungewöhnlich großes Publikumsinteresse. Die Aussprache über das Thema blieb sachlich, und man war sich einig, dass die Ortsgemeinde in diesem Fall überhaupt nicht genehmigungsberechtigt sei. Der Vorschlag von Ortsbürgermeister Karl-Heinrich Ewald, die Entscheidung über die Genehmigung eines Meilers an das Ordnungsamt der Verbandsgemeinde (VG) Ruwer zu delegieren, fand daher die einstimmige Zustimmung aller Ratsmitglieder. Bei den Köhlerfreunden macht sich indessen Resignation breit. Vorsitzender Wilfried Bergmann räumt den nächtlichen "Ausrutscher" von 2003 ein, er ist aber wie die anderen Mitglieder zuversichtlich, dass sich ein solcher Vorfall nicht wiederholt.Ob es aber nochmals einen Meiler in Kasel geben wird, ist sich auch Bergmann nicht sicher. Auch wenn "dabei nur dieselben Buchenholzgase entstehen, mit denen anderswo die Wurst geräuchert wird". Bergmann: "Wir stehen nun vor der Frage, wie es weiter geht. Ich habe auch schon mit dem Gedanken gespielt, alles hinzuschmeißen. Ich möchte auch keinen Streit mit den Leuten haben." Meinung Ein Kompromiss muss nun her Resignieren und einfach alles hinschmeißen, das wäre nun die falsche Reaktion. Die Köhlerfreunde würden damit die Chance für ein erneutes sommerliches Großereignis an der Ruwer vergeben. Allerdings müssen auch die berechtigten Einwände der Anwohner berücksichtigt werden. Als Holzkohlemeiler noch nicht als Freizeitvergnügen galten, sondern dem handfesten Broterwerb dienten, wurden sie auch nicht in den Ortschaften aufgebaut, sondern in den Wäldern, aus denen auch das Material stammte. Schon heute zeichnet sich ab, dass die betroffenen Anlieger in Sachen "Standort Festplatz" nicht nachgeben wollen und nötigenfalls auch zu rechtlichen Mitteln greifen werden. Daher der Appell im Interesse des nächsten Köhlerfestes: Findet einen Standort-Kompromiss! Auch im Wald oder am Waldrand lässt sich trefflich feiern. Andere Orte führen dies schon seit Jahrzehnten vor. f.knopp@volksfreund.deEXTRA: Für Bürgermeister Bernhard Busch von der Verbandsgemeinde (VG) Ruwer kommt die Diskussion über den geplanten Meiler nicht überraschend. "2003 fanden wir alle die Idee hervorragend, waren guter Dinge und ließen die einfach mal machen", sagt der Verwaltungschef. Heute aber sei die Situation von den negativen Erfahrungen aus 2003 geprägt, und das Ordnungsamt der VG werde die Sache daher prüfen und genehmigen müssen. Dem vorausgehen soll eine Anhörung, zu der das Ordnungsamt die Veranstalter, die Sprecher betroffener Anwohner und die Vertreter von mit eingebundenen Institutionen einlade. Auch der Leiter des Gesundheitsamtes, Harald Michels, habe Interesse bekundet. (f.k.)