Zupacken, wo andere vor Angst erstarren

Zupacken, wo andere vor Angst erstarren

Sie retten Lebensmüde, wagen sich in brennende Häuser, stellen sich noch in ihrer Freizeit Vandalen in den Weg: 22 Polizisten sind vom Trierer Polizeipräsidenten für gefährliche oder lebensrettende Reaktionen in besonderen Einsätzen gelobt worden.

Trier. Ein Notruf bei der Polizei: Auf der Pfalzeler Brücke steht ein mutmaßlicher Selbstmörder. Als der Oberkommissar Christian Weiler und der noch in Ausbildung zum Kommissar befindliche Alexander Bollig ankommen, sehen sie tatsächlich einen Mann, der bereits über das Brückengeländer geklettert ist. Zusammen mit anderen Hilfskräften schaffen sie es, sich dem nicht gerade leicht gebauten Mann zu nähern und mit ihm zu sprechen. Trotzdem macht der Verzweifelte plötzlich einen Schritt nach vorn. Instinktiv packen die beiden Polizisten den Fallenden, greifen gerade noch so die Arme des Schwergewichtigen. Fast werden sie selbst mit über das Brückengeländer gezogen. Erst als weitere Rettungskräfte zu Hilfe kommen, können der Mann und die Beamten in Sicherheit gebracht werden.
"Sie haben gehandelt, wo andere vor Angst erstarrt wären", lobt Polizeipräsident Lothar Schömann die beiden Beamten im Polizeipräsidium - und spricht noch 20 weiteren Beamten Lob für ihren besonderen Mut in brenzligen Einsätzen aus.
Senioren, Kinder, Verzweifelte


Auch Marco Sauerborn und Tanja Laudes retteten einen Mann vor dem Sprung in die Tiefe - von einer Autobahnbrücke. Schömann macht darauf aufmerksam, dass schon das Überqueren der Fahrbahn, um zu dem Mann zu gelangen, sehr gefährlich gewesen sei.
Der Polizeipräsident schüttelt die Hände von Frauen und Männern, die Bewusstlose aus völlig verqualmten Wohnungen gerettet haben. Er dankt Beamten, die ein Kleinkind vor dem Sturz in den wohl sicheren Tod bewahrt hatten: Es war alleine zu Hause und aus einem Fenster geklettert.
Adrian Mosur und Marco Rodermund retteten ein hochbetagtes Ehepaar: Beide waren gleichzeitig in ausweglose Lagen geraten. Sie konnten sich zwar sehen, aber nicht gegenseitig helfen. Hätten die Beamten erst später noch einmal nach dem Rechten gesehen, wäre es sicherlich zu spät gewesen.
Stefan Mergens stellte in seiner Freizeit einen Mann, der Autospiegel abgetreten hatte. In einer ähnlichen Situation ist ein Trie rer lebensgefährlich durch Messerstiche verletzt worden. Auch der Kommissar wurde sofort angegriffen und verletzt. Jetzt erhält er, wie seine Kollegen, eine Urkunde. "Eine Durchschrift davon kommt in ihre Personalakte und wird bei zukünftigen Einschätzungen hoffentlich hilfreich sein", sagt Schömann. Und auch wenn es, im Gegensatz zu anderen Berufsgruppen, im öffentliche Dienst keine üppigen Boni gebe - ein bisschen was kann der Chef doch obendrauf packen: Jeder ausgezeichnete Beamte erhält für seinen Einsatz einen Tag Sonderurlaub.
Extra

Landespolizeischule: Polizeikommissar-Anwärter Alexander Bollig Polizeiinspektion Trier: Polizeihauptkommissar Frank Lamacz, Polizeikommissar Stefan Mergens, Polizeikommissar Thomas Marx, Polizeihauptkommissar Bernad Barthen, Polizeikommissar Saskia Mertens, Polizeikommissar Anne Bergmann, Polizeihauptkommissar Rainer Schneider, Polizeioberkommissar Carsten Wagner, Polizeioberkommissar Dirk Lauterbach Polizeiinspektion Wittlich: Polizeihauptkommissar Klaus-Peter Plein, Polizeioberkommissar Olaf Wagner, Polizeihauptkommissar Thomas Schneider. Polizeiinspektion Zell: Polizeikommissar Adrian Mosur, Polizeikommissar Marco Rodermund Polizeiinspektion Schweich: Polizeioberkommissar Christian Weiler, Polizeihauptkommissar Volker Israel Polizeiinspektion Daun: Polizeioberkommissar Sven Lehrke Kriminalinspektion Trier: Kriminaloberkommissar Marco Sauerborn, Kriminaloberkommissar Jörg Groß Kriminalinspektion Idar-Oberstein: Kriminalkommissarin Tanja Laudes. fgg