Kostenpflichtiger Inhalt: Bildung : Schüler berichten: So lief die Rückkehr in den Schulalltag

Für die vierten und zehnten bis zwölften Klassen ist nach sieben Wochen Pause diese Woche der Schulunterricht wieder losgegangen. Drei Schüler erzählen von neuen Regeln und seltsamen Situationen.

„Es hat ein bisschen was von einer Sekte“, findet Eva Fischer rückblickend, wenn sie die Szenen schildert, die sich am Montag auf einem Parkplatz in der Nähe des Friedrich-Wilhelm-Gymnasiums in Trier abgespielt haben. Sie erzählt es so:

Schüler der gymnasialen Oberstufe versammeln sich in einem großen Kreis. Mit einem Abstand von zwei Metern tauschen sie sich darüber aus, wie es ihnen während der vergangenen Wochen ergangen ist. Irgendwann packen sie ihre Masken aus und steuern das Schulgebäude an.

Hier warten bereits Mund-Nasen-Schutzmasken vom Land Rheinland-Pfalz auf die Schüler. Das Motto der kommenden Wochen hat das Land neben sein Wappen auf die Masken gedruckt: „We fight Corona“ steht da schwarz auf weiß.

Für Eva Fischer und ihre Mitschüler ist es der erste Schultag nach sieben Wochen „Zwangspause“. „Ich habe mich wohlgefühlt“, erzählt die 18-Jährige. Angst, sich zu infizieren, habe sie nicht gehabt.

Am Schuleingang steht jetzt Desinfektionsmittel für alle bereit. Überall gilt das Rechtsgehgebot. Wo immer es möglich ist, sollen die Schüler 1,50 Meter Abstand zueinander halten. Im Klassenraum stehen die Bänke jetzt weit auseinander. Jeder hat seinen eigenen Tisch. Die Mund-Nasen-Schutzmaske darf erst am Platz abgenommen werden, wenn die Arbeitsfläche desinfiziert wurde.

Insgesamt habe das Social Distancing gut funktioniert, sagt Eva Fischer. Alle Schüler hätten sich an die Regeln gehalten und ihre Masken ordnungsgemäß auf dem Flur getragen.

Größere Sorgen bereite den Schülern aktuell die Notengebung. „Da herrscht in einigen Fächern noch Unklarheit“, sagt sie. Besonders verunsichert seien Oberstufenschüler, die in den kommenden Wochen keinen Unterricht in ihren Leistungsfächern haben werden, weil die entsprechenden Lehrkräfte aus gesundheitlichen Gründen zu Hause bleiben.

Eva Fischer ist davon nicht betroffen. Sie ist froh, dass der Präsenzunterricht für sie wieder losgeht. Das Homeschooling habe in den vergangenen Wochen zwar gut geklappt. Vor allem in Biologie habe sie jedoch gemerkt, wie wichtig der Austausch während des Unterrichts für sie ist, um den Stoff zu verinnerlichen.

Auch Till hat sich auf den ersten Schultag nach der „Corona-Pause“ gefreut. „Es war schön, dass ich ein paar Freunde wiedersehen konnte“, erzählt der Zehnjährige. Alle Schulfreunde wird er wohl frühestens nach den Sommerferien wiedersehen. Denn um die Abstandsregeln einhalten zu können, wurden die Klassen an der Trierer Keune-Grundschule geteilt. Während die eine Hälfte eine Woche lang am Schulunterricht teilnimmt, lernt die andere Hälfte von zu Hause. Danach wird gewechselt.

Till geht bis zu den Ferien also nur noch jede zweite Woche zur Schule. Der Schüler einer vierten Klasse hat in den vergangenen Wochen jeden Tag zu Hause Schulaufgaben in Mathe, Deutsch und Sachunterricht bearbeitet. Bei gutem Wetter hat er im Garten gespielt. Manchmal sei es ihm trotzdem ein bisschen langweilig gewesen, ganz ohne Gleichaltrige und die Schule.

Für den Schulbeginn haben seine Oma und seine Mama Masken genäht. Denn wenn der Sicherheitsabstand nicht eingehalten werden kann, gilt im Klassenzimmer die Maskenpflicht. Das kommt etwa vor, wenn die Lehrerin am Platz eines Schülers dessen Schulaufgaben korrigiert. Während des normalen Unterrichts darf die Maske in einem Plastikbeutel im Ranzen bleiben.

In der Pause ist es auf dem Schulhof ruhiger als sonst. Jede Klasse hat jetzt ihr eigenes Pausen-Zeitfenster. „Das war schön, denn so hatten wir mehr Platz als sonst auf dem Hof“, erzählt der Grundschüler.

Bevor es nach der Pause wieder ins Klassenzimmer zurückgeht, sollen sich die Schüler mit Sicherheitsabstand auf dem Pausenhof aufstellen. Dazu hat die Schule farbige Markierungen auf den Hof gesprüht. Im Klassenzimmer müssen sich dann alle Kinder der Reihe nach die Hände waschen. „Ich habe mir heute schon sechs Mal die Hände gewaschen“, erzählt Till am Nachmittag. Die neuen Regeln einzuhalten, sei ihm nicht schwergefallen.

Sarah ist am Montag nicht wieder zur Schule gegangen. Die Zwölftklässlerin des Angela-Merici-Gymnasiums Trier und ihr Vater sind Asthmatiker und gehören zur Risikogruppe. Ihre Lungenfachärztin hat ihr vom Schulbesuch abgeraten. Den Unterrichtsstoff muss sie trotzdem verfolgen.

Ihr Lehrer hat sie dazu per Videochat ins Klassenzimmer geschaltet. Über ihr Tablet konnte sie den Lehrer und die Tafel sehen. Auch ihre Mitschüler haben kurz „Hallo“ gesagt. „Es hat sich angefühlt, als würde ich im Klassenzimmer sitzen“, erzählt die 18-Jährige.

Für sie geht das Homeschooling also erst einmal weiter. „Das finde ich nicht schlimm“, sagt sie. Das eigenständige Arbeiten falle ihr nicht schwer. Auf Dauer kann sie sich diese Situation dennoch nicht vorstellen. Denn ihre Freude am Unterricht kommt für Sarah vor allem durch das gemeinsame Lernen mit ihren Freunden.